„Christoph 18“ in Schlaganfallprojekt eingebunden


Ochsenfurt (DRF) – Startschuss für das Schlaganfallprojekt „Stroke Angel“ bei der DRF Luftrettung: An Bord des Ochsenfurter Rettungshubschraubers der DRF Luftrettung wird seit heute ein „Future Pad“ eingesetzt, mit dem die Hubschrauberbesatzung Daten der Schlaganfallpatienten schnell an die Zielklinik weitersenden kann.Am gestrigen Freitag übergab Prof. Dr. Bernd Griewing, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Klinik in Bad Neu-stadt/Saale das tragbare Gerät an die Ochsenfurter Luftretter. Ziel des Pilotprojekts ist eine bessere Versorgung von Schlaganfallpatienten.

Jedes Jahr erleiden etwa 200.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Kostbare, lebensrettende Zeit kann beim Transport und bei den Untersuchungen in der Klinik verloren gehen. Eine frühe effektive Therapie zu beginnen, die Überlebenschancen für Patienten zu verbessern und dauerhafte Behinderungen zu vermeiden, ist das Ziel des Pilotprojekts „Stroke Angel“. Die Initiatoren sind unter anderem die Neurologische Klinik Bad Neustadt/Saale, das Bayerische Rote Kreuz, die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe sowie das FZI Forschungszentrum Informatik (Karlsruhe).

In den vergangenen Monaten war das „Future Pad“ bereits auf den Rettungswagen in der Pilotregion Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen erfolgreich getestet worden. Das Ergebnis: Die Zeit vom Auftreten der Schlaganfallsymptome bis zur Durchführung einer Computertomographie an der Zielklinik war in manchen Fällen von 90 Minuten auf 27 Minuten reduziert worden. Deshalb führt der bodengebundene Rettungsdienst das „Future Pad“ bereits regulär im Einsatz mit sich.

Nach diesem positiven Ergebnis soll nun getestet werden, inwiefern der schnelle Transport mit dem Hubschrauber die Versorgungszeiten weiter minimieren kann. Durch den Einsatz des Hubschraubers der DRF Luftrettung profitieren nun auch Patienten von den Leistungen hochspezialisierter Zentren, die bisher aufgrund langer Transportwege nicht erreicht wurden.

Das medizinische Personal von „Christoph 18“ wurde im September im Umgang mit dem Gerät geschult. „Wir sind sehr gespannt auf den Einsatz des Mini-Computers im Einsatzalltag. Natürlich sind wir auch stolz, dass wir hier in Ochsenfurt Teststation sind. So können wir unseren Beitrag dazu leisten, die Patientenversorgung weiter zu verbessern“, erläutert Ernst Freier, der Leitende Rettungsassistent der Station Ochsenfurt.

So funktioniert es:

Wenn „Christoph 18“ zu einem Schlaganfallpatienten in der Pilotregion Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen alarmiert wird, kann die Hubschrauberbesatzung bei der Erstversorgung noch von der Einsatzstelle die Patientendaten direkt an die Klinik für Neurologie in Bad Neustadt/Saale senden. Bisher waren die Patientendaten telefonisch durchgegeben worden.

Neu sind die leitfadengestützte Abfrage der Patientendaten und die vollelektronische Datenübermittlung. So können die behandelnden Ärzte noch vor Eintreffen des Patienten in der Klinik direkt die Computertomographie vorbereiten: Der Patient kann in kürzester Zeit einer Lysetherapie zugeführt werden.

Die Besatzungen des Rettungshubschraubers und des Rettungswagens können untereinander auch Daten austauschen. Denn: Nicht immer ist das ersteintreffende Rettungsmittel auch das Transportmittel.

Neu ist auch, dass der Hubschrauber auf dem Dach-Landeplatz der benachbarten Herz-und-Gefäß-Klinik landen kann, da die Neurologische Klinik über keinen eigenen Dach-Landeplatz verfügt. Dank der Voranmeldung durch Stroke Angel kann der Neurologe rechtzeitig ins andere Haus eilen und die Primärversorgung in einer extra eingerichteten Versorgungsstation einleiten. Dies ist nur durch die enge Kooperation mit der Herz-Gefäß-Klinik möglich geworden.

„Wir stellen den Kollegen sehr gerne hierfür Landeplatz, Räumlichkeiten und Gerätschaften zur Verfügung, wenn wir durch diese Kooperation eine verbesserte Notfallversorgung für die Region sicherstellen können“, sagt Priv.-Doz. Dr. Michael Dinkel, Chefarzt der Anästhesie der Herz-und-Gefäß-Klinik in Bad Neustadt/Saale.

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