Kreuzfahrten: Für Notfälle gerüstet


Pooldeck der "Mein Schiff 2" bei Nacht (Foto: TUI Cruises)Bremen (rd.de) – Dieser nasse Sommer lädt zum Träumen ein: Kreta statt Krefeld, Kreuzfahrtschiff statt Rettungswagen. Acht Decks als Wachbezirk, mit Notfallrucksack und Defi ausgerüstet zum Notfall am Pool. Dieser Einsatzbereich wird leider ein Traum bleiben. Zwar ähnelt die Organisation für die Abarbeitung von Notfällen an Bord rettungsdienstlichen Strukturen, Rettungsassistenten in Bordhospitälern sind allerdings nicht zulässig.

Die TUI-Cruises betreibt die Kreuzfahrtschiffe „Mein Schiff“ und „Mein Schiff 2“. Zu den eher ungewöhnlichen Jobs an Bord gehören Videoreporter, die ein eigenes TV-Programm herstellen. In einer Folge wird das Bordhospital ausführlich in Wort und Bild vorgestellt. Die medizinische Ausstattung kann sich sehen lassen: Labordiagnostik, Röntgen sowie Betten mit intensivmedizinischer Ausstattung. Der Videobericht erlaubt einen sehr genauen Blick in einen Schiffsbereich, den kein Gast an Bord in Augenschein zu nehmen hofft.

Zu sehen ist auch eine Szene der Erste-Hilfe-Ausbildung. Alle Crewmitglieder werden in Erster Hilfe unterrichtet. In der Praxis profitieren Patienten von extrem kurzen Hilfsfristen. Im Notfall erreichen Krankenschwester und Arzt jeden Punkt des Schiffes in weniger als drei Minuten.

Neben den Gästen in den 962 Kabinen sind auf der „Mein Schiff“ auch 780 Besatzungsmitglieder an Bord. Für über 2.000 Personen ist die Personal- und Ressourcenvorhaltung sicher nicht übertrieben.

Rettungsassistenten ohne Chance

Das Bordhospital wird von der „Clinic im Centrum“ als Konzessionär betrieben. Ärzte und Schwestern heuern bei Britta Kühl an. Rettungsassistenten haben jedoch keine Chance: „Gemäß internationaler Vorschriften ist ein Krankenpflegeexamen und drei Jahre Berufserfahrung zwingend Voraussetzung, um an Bord gehen zu können.“ Rettungsassistenten ohne Krankenpflegeabschluss können also nicht eingestellt werden.

e-reine-Oasis_of_the_Seas,_October_30_2009Dabei ist die „Mein Schiff“, verglichen mit den großen US-Kreuzfahrschiffen, schon beinahe klein: Die „Oasis of the Seas“ der Reederei Royal Carribean gilt mit 360 Meter Länge und 60 Meter Breite als das zweitgrößte Kreuzfahrtschiff der Welt. Die Passagierzahl wird mit 5400 bis 6296 angegeben. Zusammen mit dem Bordpersonal ist das ohne jede Übertreibung eine schwimmende Kleinstadt.

Hubschrauberlandeplatz und Public-AEDs

Das Bordhospital verfügt über drei Zweibettzimmer. Die medizinische Ausstattung umfasst ein eigenes Labor, ein digitales Röntgengerät, Dialysegerät und Intensivstation. Notfallpatienten können auch ausgeflogen werden, denn die „Oasis“ verfügt über einen eigenen Hubschrauberlandeplatz. Je nach Auslastung des Schiffes sind bis zu vier Ärzte und sechs Krankenschwestern im Dienst. Für einen Notfall stehen in den Passagierbereichen nicht nur Notrufsäulen, sondern auch zehn automatische Defibrillatoren bereit.

Videokonsil beim Facharzt

costa crociere spaDas der Schiffarzt ein Allrounder sein sollte, versteht sich von selbst. Doch natürlich kann so ein Bordhospital nicht alle Fachdisziplinen bedienen. 2009 installierte die italienischen Reederei Costa ein satellitengestütztes System, mit dem die Bordärzte der „Costa Concordia“ in Zweifelsfällen Fachärzte zur Mitbefundung anfordern können. Die „Concordia“ ist mit 3.788 Passagieren und 1.100 Mann Besatzung das größte Schiff der Costa-Flotte und operiert im Mittelmeer.

12 Responses to “Kreuzfahrten: Für Notfälle gerüstet”

  1. Olaf on August 10th, 2011 17:09

    Es ist wie es ist.
    Festhalten an der Ausbildungszeit und nicht auf das Arbeitsspektrum schauen. Der RettAss ist als „Notfallspezialist“ im Gesundheitswesen nach wie vor unbekannt/ nicht erwünscht. Wäre ja gewagt einen solchen eigenverantwortlich einen Notfall abarbeiten zu lassen. Das geht nur auf der Straße, sonst anscheinend nirgends.

  2. thomaswagner on August 11th, 2011 17:02

    Schon traurig, um nicht zu sagen peinlich, diese Argumentation…
    Landauf, landab wird der Rettungsassistent als „notfallmedzinische Fachkraft“ bezeichnet, er wird auf Notfallsituationen in wechselnder Umgebung trainiert, an zunehmend mehr Krankenhäusern (nicht nur Uni-Kliniken) finden RA´s Eingang in die klinische Notfallversorgung als größtenteilks vollwertiges Teammitglied. Nur auf einem Schiff soll das plötzlich wegen angeblicher „internationaler Vorschriften“ nicht mehr gehen…
    Mich würde mal interessieren wo denn sowas geschrieben steht. Nach internationalem Seerecht gilt an Bord das jeweils nationale Recht des Landes, unter dessen Flagge ein Schiff fährt. Demnach gilt zum Beispiel also auf der MS „Deutschland“, auch bekannt als „Das Traumschiff“, deutsches Recht, und zwar weltweit. Also müssen auch RA´s z.B. dort die Möglichkeit haben als Teil des medizinischen Teams tätig werden zu können.
    Und wie macht das denn dann eigentlich die gewerbliche Frachtschifffahrt? Die Besatzungen bestehen auch nicht nur aus einem Mann und auch nicht nur aus einer Nationalität. Dort reicht interesanterweise ein besser ausgebildeter Ersthelfer aus. Die Gefahr von Erkrankungen und Unfällen ist an Bord eines Frachtschiffes bestimmt nicht niedriger als auf einem Kreuzfahrtschiff. Soviel also zum Thema „internationale Vorschriften“…

  3. Status3 on August 11th, 2011 20:07

    Selbstverständlich sind bei dem Arbeitsspektrum eines solchen Bordklinikums weniger Notfälle als Allgmeinerkrankungen vertreten. Dennoch geht es auch um die Notfallbehandlung. Inwiefern da ein Pflegeexamen hilfreich sein und vorallem Vorteile gegenüber einem RA haben soll ist mir schleierhaft. Aber da die Passagiere das nicht wissen und sich noch weniger gern Gedanken zu Notfällen machen ist da auch keine Änderung zu erwarten. Bleibt für die Passagiere zu hoffen, dass keine akuten Notfälle auftreten und falls doch, entsprechend fähige Pflöegekräfte vorhanden sind.

  4. Thomas on August 11th, 2011 23:02

    Was auch gut so ist denn die Ausbildung ist ja noch nicht mal Deutschlandweit einheitlich geregelt was Inhalte und Niveau betrifft!

  5. emjay on August 11th, 2011 23:15

    Vor allem ein hoch auf Krankenhäuser die regelmäßig den Rettungsdienst bei Notfällen konsultieren (und das als Standarts)
    Soviel zu manch Akademiker und zu 3 Jährige Krpfl. Ausbildung ;-).. Jaja die „Sanis“ von der „Träger“ Einrichtung *schüttel*

  6. Olaf on August 12th, 2011 12:22

    @ Thomas:
    Richtig, die Ausbildung hängt immer an den Schwerpunkten der Schulen und ggf. der Länder.
    Leider werden wir das sicher noch einige Jahre so erleben,da die Rettungsdienstler in Teilen an einer Weiterentwicklung (Standardisierung,Vereinheitlichung,Kompetenzen, etc.) ihres Berufes gar nicht interessiert sind.
    Von den AG´s mal ganz zu Schweigen (Kosten, Löhne, blablabla…)

  7. Mike on August 14th, 2011 20:44

    Also da ich beides bin sowohl RA als auch Krankenpfleger auf einer großen Intensivstation muss ich sagen, dass es für das Aufgabengebiet einfach keinen Sinn macht einen RA einzustellen. Als RA sind wir speziell auf Notfallmedizin geschult. Aber in meiner RA-Zeit konnte ich keine Dialyse bedienen, mit Laborwerten viel anfangen (mal von den Standarts Wie Troponin und CO abgesehen) geschweige denn hätte ich gewusst wie ich Rückenschonend einen Patienten mobilisiere.

    Klar muss ich aber umgekehrt auch sagen, dass ein „normaler“ Pfleger nicht viel Ahnung von Notfallmedizin habe. Aber ich weiß auch aus erster Hand dass auf solchen Schiffen sehr gerne Doppelqualifikationen wie bei mir eingestellt werden. Oder zumindest Intensiv und Notfallmedizinisch erfahrene Pflegekräfte!!! Da wird schon nicht die 08/15 Schwester eingestellt die bisher nur in Periphären KH-Bereichen gearbeitet hat!!! Das wiederrum kann man als halbwegs mitdenkender Mensch auch aus dem Anforderungsprofil im Beitrag ersehen!

    Ich denke wir müssen Wegkommen von dieser „Das is aber mein Lolli“-Mentalität und sehen wo man voneinander lernen kann.

    DAS ist der erste Schritt auch zur Anerkennung eines RA im Gesundheitswesen als Vollwerige Kraft. Aber nein wir brüllen ja lieber wie die Berggorillas rum das wir doch besser wären und die Pfleger ja alle gar nix können. Mit solchen Aussagen bestätigt man nur das Vorurteil des „Hauptschülers mit medizinischer Notfallausbildung“ um es mal Knallhart zu sagen.

    Ich selber habe oft mit beiden Vorurteilen zu kämpfen bis ich den Leuen mal sage dass ich beides bin und auch beides recht gut kann. UND ich aus beidem was für den anderen Beruf mitnehmen kann!!!

  8. Alex on August 26th, 2011 21:46

    Ich arbeite selber als Rettungsassistent in einer zentralen notaufnahme im größten KKH in unserem Landkreis. Auch wenn mich meine Ausbildung und ein paar jahre Berufserfahrung ziemlich gut darauf vorbereitet haben, musste ich hier noch ne ganze menge dazulernen, die präklinisch irrelevant sind, aber trotzdem zu einer notfallbehandlung zählen. Dazu gehören gipsen, dk Anlage, usw. Auf einem schiff bleibt der Patient ja primär mal an Bord und dann gehören solche Dinge eben dazu.

    Meiner Meinung nach ist es egal ob jemand Pfleger oder Ra ist, viel entscheidender ist die Motivation und eine gute ausbildung, die auf diesen speziellen Fall entsprechend zugeschnitten ist.

  9. Daniel on Dezember 21st, 2012 16:32

    Ich bin auch im Rettungsdienst und im Krankenhaus tätig. Ich finde es vernünftig,dass keine RAs ohne zusatz Qualifikation in der Krankenpflege an Bord kommen, denn es ist ja im Schiff nicht wie auf der Straße, dass die Pat. notversorgt werden und dann mit Signal in den nächsten freien Schockraum. Man muss ja den Pat. wenns schlecht kommt 2/3 Tage intensivmedizinisch Versorgen mit allem was dazu gehört Dekubitusprophylaxe, Kontrakturprophylaxe, Dialysegerät bedienen, Shutkontraolle, Änästhesie kontrollieren, Röntgenbilder anfertigen, bei Ops assiestieren, Beatmungsgeräte bedienen. Pat. pflegen etc. in der Ausblidung zum RA lernt man ansich nur die versorgung vn Pat. auf der Straße aber ganz ehrlich von Pflege hat doch nicht wirklich ein RA ahnung. Auserdem kann eine Pflegeperson sehr wohl Notfallmaßnahmen einleiten und mindestens wie ein RAdurchführen in der Klinik reanimieren wir mind.1mal die woche und dann kommt es ja auch noch zu andrren kleineren notfällen wie blutungen etc. also ist eine Pflegeperson besser für die Klinik im Schiff qualifiziert wie ein RA

  10. der Münchner on Dezember 23rd, 2012 18:53

    ich denke, beide Berufsgruppen können da nach Einarbeitung arbeiten. Ein RettAss, der ein pflegerische Weitrebildung macht, oder ein Pfleger, der sich notfallmedizinisch fortbildet.
    @Daniel -> ich kenne Pflegekräfte, die in der Anästhesie tätig sind und keine Ahnung von den aktuellen Reanimationsalgorithmen haben. Als ich mal nachfragte hies es nur „habe ich in x Jahren noch nie gebraucht und wenn was sein sollte, ist ja ein Arzt da“.

  11. Pilz,Bert on Februar 28th, 2013 00:51

    Es ist immer wieder das gleiche der RD hat kein Image,und der examinierte darf sogar s.c. spritzen und BZ messen.Es gibt vieleRA/s die sich auf Ärtzte rückberufen wenn etwas schiefgeht oder die vorpreschen um sich selbst zu bestätigen,doch es gibt auch die,die eigenverantwortlich handeln,bin selbst über 20 Jahre im RD und wir müssen das Image des Krankenwagenfahrers+ des naßforschen RD`lers der die Artztpraxis stürmt überwinden.Wir sind die letzte Barierre zwischen unerfahrenen Notärtzten und der Notaufnahme.Wir müssen Patienten verkaufen,kommt Euch das bekannt vor?Rettungsassistent?Ach, Krankenwagenfahrer,ja das könnt ich nicht den Schmutz von der Straße räumen.Sagst Du Feuerwehrmann läßt Dich jeder inRuhe,erstaunlich ist das Dich dann jeder nach irgend welchchen Angehörien fragt die etwas hatten also in der breiten Bevölkerung haben wir Anerkennung selbst in akademischen Kreisen unser größter Feind sind die examinierten die denken das wir Ihnen das Wasser abgraben,wir müssen uns vergegenwärtigen das es Krankenpfleger erst seit den70èr gibt vorher hat das die Schwesternschaft verhindert.Macht dem Blaulichtgewerbe Ehre ich bitte Euch.MfG Bert

  12. Michael on August 8th, 2013 00:20

    Zitat: ……………unser größter Feind sind die examinierten die denken das wir Ihnen das Wasser abgraben,wir müssen uns vergegenwärtigen das es Krankenpfleger erst seit den70èr gibt vorher hat das die Schwesternschaft verhindert.Macht dem Blaulichtgewerbe Ehre ich bitte Euch.MfG Bert………….Zitat Ende.

    Bei dem Mist wird man sprachlos! Geht´s eigentlich noch dümmer???
    Ich bin beides, Lehrrettungsassistent und exam. Krankenpfleger.
    Beide Berufsgruppen sind notwendig und habe ihre Berechtigung am jeweils passenden Ort!
    Bert, ich hab da ne Idee. Lern doch einfach mal die Krankenpflege (3-Jahre) mit Fachkurs kommen min. 2 weitere Jahre dazu und arbeite auf Station im OP oder auf Funktion, dann bemerkst du evtl. welchen Cerebraldurchfall du da abgesondert hast.

    Noch ein Zitat………….Wir sind die letzte Barriere zwischen unerfahrenen Notärzten und der Notaufnahme…..Zitat Ende.
    Bert, das der RD – wie du schreibst kein Image hat könnte doch evtl. auch an solchen Aussagen wie deiner liegen- oder?
    Überleg mal die Zugangsvoraussetzungen, die Ausbildungsdauer und die Verantwortung eines Notarztes im Gegensatz zum RA.
    Ja und wenn du, wie du schreibst über 20 Jahre dabei bist und evtl. aus den alten Bundesländern kommst und RS vorher warst, dann hast du den RA womöglich sogar geschenkt bekommen und nie ne richtige Schule besucht.
    Also halt den Ball flach Kollege.
    P.S. Krankenpfleger hat es schon immer gegeben- nicht erst seit den 70igern und mach du dem Blaulichtgewerbe mal Ehre indem du aufhörst Mist zu schreiben.

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