Produkt: Rettungs-Magazin 5/2019 Digital
Rettungs-Magazin 5/2019 Digital
Interview zur Interschutz 2020+++Reportage Christoph Westfalen+++Drohneneinsatz im Katastrophenschutz+++Rettungsdienst in Bremerhaven+++Erster RTW von MAN

ABCDE-Schema: Das kleine Einmaleins für Rettungskräfte

ABCDE-SchemaBremen (rd_de) – Das ABCDE-Schema dient der systematischen, nach Prioritäten geordneten Beurteilung sowie Behandlung von Notfallpatienten. Jeder Mitarbeiter im Rettungsdienst – egal, ob Rettungshelfer, Rettungssanitäter oder Notfallsanitäter – sollte das ABCDE-Schema verinnerlicht haben und es sicher umsetzen können. Es wird sowohl bei internistischen als auch traumatologischen Patienten angewandt.

Trifft der Rettungsdienst-Mitarbeiter an der Einsatzstelle ein, verschafft er sich zunächst einen ersten Eindruck. Er beurteilt im Sinne des Eigenschutzes die Szene, Sicherheit und Situation (SSS), und erst dann widmet er sich der Behandlung des Patienten. Dafür schätzt er diesen als potenziell kritisch oder unkritisch ein. Hierfür registriert der Rettungsdienst-Mitarbeiter, ob und wie der Patient in der Lage ist zu sprechen und welchen Eindruck sowohl dessen Puls als auch Haut machen. Wird hierbei eine Apnoe oder ein Kreislaufstillstand festgestellt, ist mit der Reanimation zu beginnen. Andernfalls geht der Rettungsdienst-Mitarbeiter nach dem ABCDE-Schema vor.

Anzeige

„Notfall kompakt“ nennt sich eine beliebte und erfolgreiche Serie im Rettungs-Magazin. In ihr werden alle klassischen Notfälle vorgestellt, mit denen sich Rettungskräfte im Einsatz konfrontiert sehen. Die Serie steht auch in elektronischer Version zur Verfügung. So lässt sich „Notfall kompakt“ als preiswertes Nachschlagewerk zum Beispiel auch auf dem Smartphone lesen.

ABCDE-Schema – A wie Airway (Atemweg)

Als erstes hat der Rettungsdienst-Mitarbeiter sicherzustellen, dass der Atemweg des Patienten frei ist. Obstruktionen können für den Betroffenen eine Hypoxie mit Schäden unter anderem des Gehirns zur Folge haben. Der Atemweg kann mit einfachsten Hilfsmitteln freigemacht werden, beispielsweise mittels Esmarch-Handgriff, Wendl- oder Guedel-Tubus. Falls erforderlich, wird im Zuge der Überprüfung der Atemwege auch die Halswirbelsäule des Patienten stabilisiert.

[shop-widget]

ABCDE-Schema – B wie Breathing (Atmung)

Der Rettungsdienst-Mitarbeiter hat an dieser Stelle diverse Aspekte „seines“ Patienten zu überprüfen:

•    Atemfrequenz?
•    Atemgeräusche (unter anderem Auskultation des Thorax)?
•    Atemhilfsmuskulatur aktiv?
•    Atemrhythmus?
•    Deformierung der Brustwand?
•    Halsvenen gestaut?
•    Hämatome?
•    Hautemphysem?
•    paradoxe Atmung?
•    Prellmarken?
•    Schwitzen?
•    Zyanose?

ABCDE-Schema – C wie Circulation (Kreislauf)

Bei Punkt C muss der Kreislauf des Patienten überprüft werden. Erste Maßnahme ist hierbei das Ertasten des Pulses, üblicherweise am Handgelenk des Betroffenen (Radialispuls). Der Rettungsdienst-Mitarbeiter ermittelt dabei die Frequenz und Qualität sowie den Rhythmus des Pulses. Zugleich prüft er Farbe (blass?), Temperatur (erhöht?), Feuchtigkeit (Schwitzen?) und Rekapillarisierungszeit (2 Sekunden) der Haut des Patienten.

Im Anschluss wird nach eventuellen äußeren Blutungen gesucht. Sollten massive äußere Blutungen vorliegen, wird nach dem C-ABCDE-Schema verfahren. Das heißt, zunächst muss die Blutung kontrolliert werden (Kompression, Tourniquets), ehe die anderen Schritte des ABCDE-Schemas abgearbeitet werden.

Liegen Zeichen einer Kreislaufzentralisation vor, sollte eine Vollelektrolytlösung (zum Beispiel Ringer Acetat) angelegt werden. Während die Messung des Blutdrucks bei Punkt C im Falle eines internistischen Patienten dazugehört, entfällt sie bei traumatisierten Patienten.

ABCDE-Schema – D wie Disability (neurologischer Zustand)

Der neurologische Zustand eines Notfallpatienten wird anhand des Glasgow Coma Scale und/oder des AVUP-Schemas ermittelt. Ergänzt werden die Ergebnisse durch eine Kontrolle der Pupillen (Größe, Seitengleichheit, Reaktionszeit bei Lichteinfall) sowie des Blutzuckers. Dadurch können Hinweise auf eventuelle Schädigungen des Zentralen Nervensystems bzw. Intoxikationen gewonnen werden.

ABCDE-Schema – E wie Exposure/Environment (Patienten entkleiden)

Traumapatienten müssen immer entkleidet werden, um eventuelle Verletzungen nicht zu übersehen. Bei internistischen Patienten kann die Untersuchung des entkleideten Körpers hilfreich sein, um zum Beispiel Drainagen, implantierte Schrittmacher oder Schmerzpflaster zu finden. Dabei immer darauf achten, dass der Patient nicht auskühlt (Rettungswagen aufheizen; Rettungsdecke auflegen).

Was nach dem ABCDE-Schema folgt

Sofern die Zeit vorhanden ist, schließt sich dem ABCDE-Schema eine zweite, gründlichere Untersuchung an. Sie wird SAMPLER-Anamnese genannt und umfasst unter anderem Kriterien wie Symptome, Allergien, Medikamente, Anamnese, letzte Mahlzeit, Ereignis kurz vor dem Notfall und Risikofaktoren.

(Text: Lars Schmitz-Eggen, Rettungsassistent, Chefredakteur Rettungs-Magazin; Symbolfoto: Markus Brändli; zuletzt aktualisiert: 04.11.2019) [3147]

Produkt: Rettungs-Magazin 5/2019 Digital
Rettungs-Magazin 5/2019 Digital
Interview zur Interschutz 2020+++Reportage Christoph Westfalen+++Drohneneinsatz im Katastrophenschutz+++Rettungsdienst in Bremerhaven+++Erster RTW von MAN

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Es is immer gut zu wissen wie das ABCDE Schema funktioniert.

    Auf diesen Kommentar antworten
  2. ABCDE Schema ist Alphabet

    Auf diesen Kommentar antworten
  3. Um Gottes Willen, was haben wir nur “früher” ohne dieses ABCDE-Schema gemacht!? Bei uns sind die Patienten bestimmt reihenweise gestorben, weil wir uns nicht an diesen 5 Buchstaben festklammern konnten…
    Kommt mal wieder runter Leute und traut Rettungsdienstlern auch ein wenig eigenständiges Denken zu!!! Es ist schlimm zu sehen wie in den letzten Jahren alles in Algorithmen, Checklisten und Standardeinsatzregeln gepackt wird, nur damit Vorgesetzte ihre Hände in Unschuld waschen können, wenn mal etwas nicht so gelaufen ist wie es sollte. Ich sage nur: back to the roots

    Auf diesen Kommentar antworten
  4. Dem ist wirklich nichts mehr hinzuzufügen 🙂 Genau so ist es. Das was man frühre selbstverständlich gemacht hat, wird heut in Algorhytmen gepresst.

    Auf diesen Kommentar antworten
  5. DANKE, das ist echt ein effektiver guter und klarer Text

    Auf diesen Kommentar antworten
  6. Genau, immer den Verstand einschalten – soll auch funktionieren
    🙂

    Auf diesen Kommentar antworten
  7. Da geht es auch nur darum, dass man sich das leichter merken kann und Struktur in die Sache gemacht werden kann. Damit auch nichts vergessen wird. Damit ist nicht gemeint, dass man das auf jeden Fall anwenden muss. 😉

    Auf diesen Kommentar antworten
  8. Wenn man nach dem ABCDE Schema geht heißt das doch nicht das man nicht eigenständig denken kann
    Aber dieses Verfahren kann viel wichtiger sein als man denkt
    Denn bei mir als Einsatzersthelfer der Bundeswehr würde man ohne das Verfahren auf dem Feld zu Grunde gehen

    Auf diesen Kommentar antworten
  9. Sie haben es nicht verstanden worum es geht. Schade.

    Auf diesen Kommentar antworten
  10. Ich komm aus der Elektrotechnik und da ist Standardisieren eine wunderbare Sache, wenn nur alle mitmachen würden. Und ganz ehrlich diese ABC Regel ist in 5 Minuten zu erlernen. Wem das zu viel Arbeit ist um Funksprüche untereinander schneller und optimaler zu gestalten…ja dann weiß ichs au net!

    Auf diesen Kommentar antworten
  11. Niemand sagt das wir früher schlecht gearbeitet haben. Eine Struktur in die Arbeit einzubinden schafft nur Vorteile.
    1. Man hat eine Schema das einmal alle wichtigen Sachen abdeckt. Man kann theoretisch nichts vergessen.
    2. Durch eine regelmäßige Anwendung beschleunigt man viele Arbeitsschritte enorm, gerade die Arbeit in einem Team gewinnt an Effizienz und Geschwindigkeit.
    3. Wenn das System von allen verwendet wird muss sich ein Team nicht erst zusammenfinden und jeden Fahrer und Beifahrer jedes mal neu Lernen!

    Auf diesen Kommentar antworten
  12. Einheitliche Kommunikation!
    Wenn ein RD mir ein Patient im Notfall anmeldet mit „Pat ist ABC stabil“, dann weiss ich damit extrem viel! Das spart uns auch sehr viel Zeit beim Telefonieren und später beim Rapport. Alle wissen wovon die Rede ist! Es gibt einiges an Telefonaten zwischen RD, Notfall, Triage, Ärzten und Pflege! Von dem her ein sehr gutes System!

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.