Produkt: Rettungs-Magazin 3/2019
Rettungs-Magazin 3/2019
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Hängetrauma: Flachlagerung nach Rettung

Bremen (rd_de) – Bergsteiger, Industriekletterer oder „notgelandete“ Fallschirmspringer sind besonders gefährdet, ein Hängetrauma zu erleiden. Es tritt zum Beispiel nach dem Sturz in ein Sicherungsseil oder beim bewegungsarmen Arbeiten mit Anseilschutz bzw. im Sitzgurt über einen längeren Zeitraum ohne Pausen auf. Der Rettungsdienst muss wissen, wie er diese Patienten zu behandeln und zu lagern hat.

Auch gut gestaltete Auffanggurt-Konstruktionen können nicht verhindern, dass früher oder später ein Hängetrauma bei der gestürzten Person eintritt und damit das Leben in Gefahr ist. Grund dafür ist eine relative Hypovolämie durch Versackung des Blutes in den unteren Extremitäten.

Mit zunehmender Intensität und Dauer deuten folgende Symptome auf ein Hängetrauma hin:

• Blässe,
• Schweißausbrüche,
• Kurzatmigkeit,
• zunächst steigender Puls und Blutdruck,
• Sehstörungen,
• Schwindel und Übelkeit,
• Blutdruck- sowie Pulsabfall.

Werden die Zeichen erkannt und liegen keine schwerwiegenden Verletzungen vor, die die Schocksymptomatik erklären könnten, sollte bei dem Verunfallten initial eine Flachlagerung durchgeführt werden. Zwar finden sich in vielen Publikationen immer noch Hinweise auf eine Hocklagerung (Kauerstellung) direkt nach der Rettung, die Ergebnisse mehrerer Studien und auch Ausführungen in der Fachliteratur legen jedoch eine andere Vorgehensweise nah: So gibt es keine signifikanten Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen einer Flachlagerung und einem Herzstillstand durch einen plötzlichen Rückstrom des Blutes aus den Beinen. Dieses Szenario galt lange als Ursache für einen Bergungstod unmittelbar nach der Rettung des Hängetrauma-Patienten. Stattdessen wird nun empfohlen eine initiale Flachlagerung mit unverändertem ABCDE-Algorithmus durchzuführen. Zudem sollte zügig eine EKG-Überwachung erfolgen, sodass auf etwaige Herzrhythmusstörungen schnell reagiert werden kann.

(Text und Foto: Ella Bornack; 06.12.2017) [3021]

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. lustig dass ihr immernoch die Hockkauerstellung proklamiert. In der Fachzeitschrift der Notartzt wurde im Artikel “Notärztliche Strategie beim Hängetrauma” fachlich fundiert beschrieben dass eine liegende Lagerung besser ist.

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  2. Wir bedanken uns für den Hinweis. Den Text haben wir entsprechend angepasst. Das Vorgehen bei einem Hängetrauma wird immer noch kontrovers diskutiert und man findet immer noch viele Publikationen, die die Kauerstellung empfehlen. Allerdings ist hier tatsächlich eine Anpassung nötig, wie Studien und auch Veröffentlichungen in der Fachliteratur zeigen.
    Freundliche Grüße aus der Redaktion
    Sebastian Runnebaum

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