Mein Arbeitstag am 25. Dezember


20140811-IMG_2342Ein Beruf, der keinem anderen gleicht: vor allem merkt man dies im Wachenpraktikum. Es ist schon interessant, lustig, anstrengend und zum Glück selten zum Verzweifeln. Man lernt jeden Tag neue Personen, ihre familiäre Situation und Leid oder Glück kennen.

Stefanie Hahl und Sebastian Hanisch absolvieren beim DRK-Rettungsdienst Mittelhessen ihre Ausbildung zum Notfallsanitäter. Seit August 2014 berichten sie auf www.rettungsdienst.de einmal im Monat über ihre Erfahrungen und Erlebnisse als angehende Notfallsanitäter.

Es gibt auch Einsätze, wo man an die Substanz von einem selbst kommt. Viele Menschen überleben, aber für manche kommt jede Hilfe zu spät. Dort können wir dann für den Patienten nichts tun. Bei einem Einsatz war z.B. graue Substanz im Fahrzeug zu sehen. Der Patient hatte bei einem schweren Verkehrsunfall eine Hirnverletzung erlitten. So etwas zu erleben, kann schon hart sein.

Ansonsten verlaufen die Tage im Einsatzdienst sehr unterschiedlich. Manche Tage sind eher ruhig – aber es gibt auch Tage, da werden in acht Stunden Dienst acht Einsätze gefahren, oder es kommen auch öfter mal Überstunden dazu.

Man selbst freut sich, wenn man den Patienten helfen kann und deren Situation so angenehm wie möglich macht. Dies gilt auch bei Krankentransporten. Man geht ins Krankenhaus und geht auf die Station, dort übergibt das Pflegepersonal uns den Patienten. Mit ihm im Auto angekommen, wird gefragt, ob ihm kalt ist, ob er eine Decke möchte, seine Transportposition bequem ist usw. Eine nette Unterhaltung ist zu 98 Prozent immer drin. Man lernt viele Arten von Patienten kennen, von kleinen Kindern bis sehr alten Personen, vom Durchschnittsbürger bis zum Promi. Natürlich arbeitet man auch an allen Tagen, wo andere eigentlich frei haben. An Weihnachten war ich, glaub ich, auch der einzige Azubi, der arbeiten wollte.

Hier einmal mein Arbeitstag am 25. Dezember 2014:

Nach einem ruhigen Morgen folgte der erste Einsatz. Ein Herzinfarkt – wir kamen an, und dem Patienten ging es wieder ausgezeichnet, er hatte keinerlei Schmerzen mehr. Ich klebte das EKG, erst das kleine und danach das große, ich maß dann die Temperatur – und alles war ohne jegliche Besonderheit, nur der Blutdruck war höher als normal. Zur Sicherheit brachten wir ihn in die Klinik.

Zurück auf der Wache ruhten wir uns vor dem Fernseher aus und schauten mit der Wachenbesatzung Märchen. Natürlich erst, nachdem die täglichen Aufgaben erledigt waren, wie die Ordnung und Sauberkeit der Wache und die Nachbearbeitung der Einsätze am Computer. Zum TV-Schauen kommt man sonst auf der Marburger Wache eher weniger.

Der nächste Einsatz ließ nicht lange auf sich warten: Eine Patientin, der es gar nicht gut ging. Sie war nicht wirklich wach, ansprechbar auch nicht wirklich und ihr Allgemeinzustand war auch merkwürdig. Ich bereitete den Rettungswagen vor und holte die Schaufeltrage, die Kollegen hatten derweil schon Zugang gelegt usw. und die Frau vorbereitet, dann brachten wir sie schnellstmöglich in die Klinik.

Zurück auf der Wache kochten wir uns etwas zum Mittag. Nach einem kurzen Päuschen passierte ein kleiner Unfall, zu dem wir alarmiert wurden. Es war ein Kind betroffen, es hatte das halbe Gesicht verbrüht. Auch hier war Eile geboten, und die Familie musste zunächst beruhigt werden. Das Kind wurde von uns beruhigt und bekam einen Teddybären geschenkt. Dann waren die Schmerzen nur noch halb so schlimm.

In der Klinik angekommen, wurde der Weitertransport via Hubschrauber in eine Spezialklinik veranlasst.

Nach diesem Einsatz sind wir dann eine Gebietsabsicherung gefahren. Gebietsabsicherung heißt, dass uns die Leitstelle zu einer anderen Wache beordert, wenn das oder die dortigen Einsatzfahrzeuge alle im Einsatz sind.

Kurz vor Feierabend wurden wir noch zu einem weiteren Einsatz gerufen – das waren dann Überstunden. Wir haben damit natürlich kein Problem, da dies nun einmal dazugehört.

Ich möchte noch einmal ein Dank an die nette und schöne Zusammenarbeit an alle Kollegen aussprechen.

Bis dahin, euer Basti

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