Schlechtwetter verhindert Rettung eines Bergsteigers


Glückliches Ende: Der SAR 58 landete mit dem Bergsteiger an der Klinik Traunstein. (Foto: BRK)

Marktschellenberg (BRK/ml) – Ein besonders schwieriger und aufwendiger Einsatz der Bergwacht Marktschellenberg hat am Donnerstagvormittag ein vorerst gutes Ende genommen. Ein verletzter 47-jähriger Bergsteiger musste die Nacht in einer Berghütte ausharren.

Die Bergretter und die Besatzung eines SAR-Hubschraubers der Bundeswehr konnten einen schwer verletzten 47-jährigen Bergsteiger aus dem Landkreis Traunstein vom Stöhrhaus am Untersberg retten und in stabilem Zustand zum Klinikum Traunstein fliegen.

Bis zu 40 Zentimeter Neuschnee am Berchtesgadener Hochthron, dichter Nebel ab 1.600 Metern mit Sichtweiten unter zehn Metern, die Dunkelheit und fehlende Angaben zum genauen Aufenthaltsort des 47-Jährigen brachten die Einsatzkräfte zeitweise an ihre Grenzen.

Der Mann war offenbar am Mittwochmittag im Aufstieg unterhalb des Stöhrhauses einige Meter tief abgestürzt und hatte sich dabei unter anderem schwer am Rücken und am Kopf verletzt, wobei er zunächst bewusstlos liegen blieb und sich dann aus eigener Kraft zur Bergstation der Materialseilbahn hochschleppen konnte. Eine SMS, die er gegen 14 Uhr an seine Lebenspartnerin abgeschickt hatte, kam aufgrund des schlechten Handynetzes erst nach Stunden an.

Dichte Wolken bei 1600 Meter

Die Frau setzte sofort einen Notruf ab, woraufhin die Leitstelle Traunstein gegen 20.20 Uhr die Bergwacht Marktschellenberg und den Traunsteiner Rettungshubschrauber „Christoph 14“ alarmierte. Der Pilot versuchte im letzten Tageslicht Einsatzkräfte auf den Berg zu bringen, musste aber aufgrund der dichten Wolken ab 1.600 Metern abbrechen.

Der Einsatzleiter ließ deshalb zeitgleich zwei Fußtrupps zur Suche nach dem 47-Jährigen aufsteigen, die aus der Luft durch den nachtflugtauglichen Polizeihubschrauber „Edelweiß 1“ mit Wärmebildkamera unterstützt wurden. Die Piloten scheiterten aber ebenfalls am schlechten Wetter und mussten wegen des Nebels im Gipfelbereich nach kurzer Zeit bei der Bergwacht in Marktschellenberg landen.

Trotz der weiterhin dichten Wolken forderte der Einsatzleiter zusätzlich den nachtflugtauglichen SAR-Hubschrauber „Landsberg 58“ der Bundeswehr an, um bei einer Wetterbesserung rasch reagieren zu können.

Wirtspaar der Berghütte erreicht den Verletzten

Der Wirt des Stöhrhauses und seine Frau hatten vom Notfall gehört und waren unter sehr widrigen Bedingungen zu Fuß aufgestiegen; gegen 23.30 entdeckten sie den verletzten und unterkühlten 47-Jährigen an der Bergstation der Materialseilbahn, brachten ihn ins Haus, leisteten Erste Hilfe und heizten ein. Eine der beiden Bergwacht-Suchmannschaften, die von Winkl aus in Richtung der Zehnkaser-Almfläche aufgestiegen war, musste nach unzähligen Versuchen aufgegeben, da sie im dichten Nebel zwischen Reißenkaser-Diensthütte und Zehnkaser bei Sichtweiten unter zehn Metern die Orientierung verloren hatte. Eine zweite Suchmannschaft, die dem Wirt und seiner Frau über Maria Gern auf dem Sommerweg gefolgt war, traf gegen 3 Uhr mit umfangreicher Ausrüstung beim Patienten ein und kümmerte sich sofort um die medizinische Erstversorgung.

SAR-Hubschrauber nutzt ein Wolkenloch

Erst am Donnerstagmorgen gegen 10 Uhr öffnete sich ein Wolkenloch so weit, dass die SAR-Hubschrauberbesatzung, die die ganze Nacht im Tal gewartet hatte, mit dem Marktschellenberger Bergwacht-Notarzt und einem zweiten Bergwacht-Luftretter zum Stöhrhaus starten und dort landen konnte; die Bergretter vor Ort hatten zuvor im Schnee eine Landeplatz plattgetreten. Der Patient wurde direkt in den Hubschrauber aufgenommen und kam um 10.50 Uhr am Dachlandeplatz des Klinikums Traunstein an.

Für den Geretteten endete damit eine eintägige Odyssee am Berchtesgadener Hochthron, die er ohne die Hilfe des Wirtsehepaars und der Bergwacht wohl nicht überlebt hätte. Die Crew des SAR-Hubschraubers holte danach noch die verbliebenen vier Bergretter vom Stöhrhaus ab und flog sie zurück ins Tal, wo die Maschine mit dem mobilen Tankanhänger der Bergwacht-Region Chiemgau für den Rückflug zum Fliegerhorst Penzing aufgetankt wurde. Die Bergwacht war insgesamt fast 15 Stunden lang im Einsatz.

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