Rettungshelfer heuerte als Arzt an


Stuttgart (rd.de) – Die bestandene Rettungshelferprüfung brachte einen 27-jährigen Böblinger dazu, sich eine Approbationsurkunde zu basteln und statt eines Rettungshelferpraktikums gleich als Arzt im Krankenhaus anzuheuern.

Gestern eröffnete das Stuttgarter Landgericht das Verfahren gegen den Hochstapler.
Für den 27-Jährigen kommt einiges zusammen: Betrug, Titelmissbrauch, Körperverletzung. Nach Presseberichten startete der arbeitslose angehende Rettungshelfer in der Münchner Paracelsius-Klinik seine Blitzkarriere als Mediziner. 800 Dienststunden leistete er dort als Anästhesist, bekam sogar einen unbefristeten Vertrag angeboten – lehnte aber dankend ab. Im Hospital zum Heiligen Geist in Horb flog der Schwindler auf. Über 150 Patienten soll der junge Mann ärztlich behandelt haben.

6 Responses to “Rettungshelfer heuerte als Arzt an”

  1. charlie-zulu on April 13th, 2011 22:01

    Fragt sich natürlich was schlimmer ist.. der Betrug an sich oder dass er direkt mal nen unbefristeten Vertrag angeboten bekommen hat.

  2. Jörn Fries on April 14th, 2011 09:20

    KLEINE ERGÄNZUNG: Nicht im Hospital zum Heiligen Geist in Horb (Landkreis Freudenstadt) fiel der Betrüger auf, sondern erst durch ein Bewerbungsschreiben an die Rems-Murr-Kliniken bzw. eine zeitnah abgeschickte Beschwerde-E-Mail an die DRK-Rettungsleitstelle Waiblingen. In beiden Fällen strotzte es nur vor Rechtschreibfehlern, in beiden Fällen hatte Dr. Rolf Kansy, der Ärztliche Direktor der Rems-Murr-Kliniken und zugleich DRK-Kreisverbandsarzt, ein ungutes Gefühl und ging der Sache auf den Grund.

    Wir brauchen mehr solcher aufmerksamer Zeitgenossen, die Kurpfuschern und anderen Betrügern das Handwerk legen – und auch das obligate Einfordern eines aktuellen (erweiterten) Führungszeugnisses kann durchaus hilfreich sein, zumal der „Kollege“ ja bei mehreren DRK-Orts- bzw. Kreisverbänden ehrenamtlich tätig war.

    Sonnige Grüße aus dem Wilden Südwesten

  3. SH on April 14th, 2011 09:51

    Nicht nur im ärztlichen Bereich scheint das ein Problem zu sein. Wenn ich mir anschaue, wie viele Warnungen bezüglich gefälschter Rettungsassistenten-Urkunden bei uns eintreffen, gibt mir das schwer zu denken.

  4. Michael Meister on April 14th, 2011 11:26

    Ich persönlich findes es faszinierend, respektive erschreckend, dass sich ein medizinischer „Laie“ so locker als Arzt ausgeben kann. Wieso fiel das nicht schon früher auf muss man sich fragen? Vielleicht sind hier auch die Personalverantwortlichen in den betreffenden Kliniken gefordert, welche sich vom Schein trügen lassen? Im Zweifel würde ja eine Nachfrage an der betreffenden Universität reichen, um einen Schwindel auffliegen zu lassen oder täusche ich mich da?

  5. Nico on April 14th, 2011 12:24

    Hätte ich mir also meine rettass-Ausbildung sparen können und nach dem rdh sofort meinen Facharzt machen können:-)
    Er wäre aber sicherlich spätestens mit Abgabe seiner Doktorarbeit überführt worden, weil er abgeschrieben hätte

  6. ASBRettSan on April 15th, 2011 16:45

    Mit „Rettungshelfer“ ist man kein medizinischer Laie.
    Darüberhinaus ist es ein Graus, dass ausgerechnet in diesem Bereich gefälscht wird.
    Da sollte man sich mal Wege einfallen lassen, wie man derlei verhindern kann.

Möchten Sie einen Kommentar schreiben?