Niedersächsische Rettungsexperten tagten in Goslar


Goslar (DRK) – Die geplante Novellierung des Niedersächsischen Rettungsdienstgesetzes (NrettDG) beschäftigte die Teilnehmer der Goslarer Dreikönigstagung an der DRK-Schule Niedersachsen. Weiterhin wurde aufgezeigt, wie präklinische und klinische Ressourcen für die Bewältigung von Großschadensfällen miteinander vernetzt werden können.

Eine Massenkarambolage mit Toten und Verletzten. Rettungsdienste wurden weiträumig alarmiert. Mehr als 50 Fahrzeuge kollidierten miteinander, die Unfallstelle zog sich über mehrere 100 Meter hin. Hunderte Helfer der Hilfsorganisationen fanden sich schnellstmöglich an den Rettungswachen ein und besetzten Rettungs- und Krankenwagen. Eine Zusammenfassung des Unglücks vom 18. November 2011 auf der A31 zwischen Heek und Gronau im Münsterland – ein Großschadensereignis.

Solche und ähnliche Szenarien waren Gegenstand der Diskussionen im Rahmen der „Goslarer Dreikönigstagung“, die vom 5. bis 6. Januar vom DRK mit den Beteiligten der Rettungsdienste in der DRK-Rettungsschule Niedersachen durchgeführt wurde. Ein Schwerpunkt der Veranstaltung war die geplante Novellierung des Niedersächsischen Rettungsdienstgesetzes (NRettDG).

In seiner Begrüßung stellte der DRK-Landesgeschäftsführer Dr. Ralf Selbach fest, dass Rettungsdienst und Katastrophenschutz bei Ausschreibungen nicht isoliert betrachtet werden dürfen, sondern beide Systeme sich unterstützen und ergänzen: „Wir begrüßen die beabsichtigte Novellierung des NRettDG. Die Gesetzentwürfe berücksichtigen als Entscheidungskriterium für die Vergabe des Rettungsdienstes die in der Praxis bewährte Verzahnung von Rettungsdienst und Katastrophenschutz, um Großschadensfälle schnell und wirksam bewältigen zu können. Für das Wohl und den Schutz der Bevölkerung halten wir es für absolut notwendig, dass eine Organisation, die den Rettungsdienst übernimmt, gleichzeitig für den Katastrophenschutz leistungsfähig aufgestellt sein muss. Und dafür braucht es eben eine breite qualifizierte ehrenamtliche Basis, die praxiserfahren Hand in Hand mit dem Rettungsdienstpersonal arbeitet.“

Auch die durch die beabsichtigte Novelle des NRettDG erstmalig neu geschaffene Möglichkeit, Leistungen des Rettungsdienstes durch die Gewährung von Dienstleistungskonzessionen zu vergeben, wird von den Hilfsorganisationen begrüßt. Diese Gestaltungsvariante bietet den Trägern des Rettungsdienstes, wie Gemeinden und Kommunen, die auch in anderen Bundesländern bewährte Möglichkeit zur Auftragsvergabe zusätzlich zu nutzen.

Vernetzung von Ressourcen

Unglücksfälle und Übungen der Vergangenheit haben gezeigt, dass die Planung für Großschadensereignisse und Katastrophenfälle weiter verbessert werden kann. Insbesondere gilt dies für die Vernetzung der präklinischen und klinischen Ressourcen.

In einem Großschadensfall oder Katastrophe soll eine Überlastung der einzelnen Krankenhäuser verhindert – und eine gegenseitige Unterstützung ermöglicht werden. Dazu hat die Medizinische Hochschule Hannover in Kooperation mit dem Niedersächsischen Innenministerium und der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft ein computergestütztes Patientenverteilungs-System für den Großschadens- und Katastrophenfall (ComPaS) entwickelt. Prof. Dr. Hans Anton Adams, Leiter der Stabsstelle Interdisziplinäre Notfall- und Katastrophenmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover, stellte diese Innovation den Teilnehmern vor.

Gewinnung von Mitarbeitern

Diskutiert wurden auch Möglichkeiten der Gewinnung von nicht ärztlichem Fachpersonal im Rettungsdienst (Rettungssanitäter/Rettungsassistenten). Im Rahmen der demographischen Entwicklung befürchten die Teilnehmer der Tagung in den kommenden Jahren erhebliche Probleme die vorhandenen Stellen im Rettungsdienst mit geeignetem Personal besetzen zu können.

Auf der Dreikönigstagung in Goslar waren sich alle Experten einig, dass der niedersächsische Rettungsdienst auch zukünftig nicht durch eine mangelnde Finanzierung an seiner anerkannt hohen Qualität verlieren darf.

6 Responses to “Niedersächsische Rettungsexperten tagten in Goslar”

  1. Kapu on Januar 11th, 2012 14:55

    Zitat: „…dass der niedersächsische Rettungsdienst auch zukünftig nicht durch eine mangelnde Finanzierung an seiner anerkannt hohen Qualität verlieren darf.“

    An seiner „anerkannt hohen Qualität“? Da wäre spannend zu erfahren, von wem diese „hohe Qualität“ anerkannt wird. Auch wenn die Qualität in der Praxis zufriedenstellend sein mag – an Vorgaben seitens der Landesregierung liegt dies sicher nicht.

    So hat das Land Niedersachsen auch 2012…

    … die (mit anderen) längsten Hilfsfristen für den RTW: 15 Minuten.
    … nach wie vor keine adäquate Aussage zur Hilfsfrist für den Notarzt.
    … die geringsten Vorgaben für die Qualifikation des Personals: Zwar muss auf dem RTW ein RettAss und auf dem KTW ein RettSan dabei sein, wie die zweite Person qualifiziert sein muss, ist nicht definiert.
    … keine vernünftig geregelte Refinanzierung der ÄLRD.
    … keine vernünftig geregelte Refinanzierung der Örtlichen Einsatzleitung (OrgL, LNA), von Hilfsfristen ganz zu schweigen.
    … eine Bugwelle der Angst vor Ausschreibungen und ungeklärten Beauftragungen (siehe Hildesheim).

    Hier von einer „anerkannt hohen Qualität“ zu sprechen ist ein Hohn, auch wenn vieles seit 2007 besser ist als es vorher war. Im Vergleich zu zwei von der Infrastruktur her vergleichbaren Nachbarbundesländern (Schleswig-Holstein und Hessen) ist der Stand des Rettungsdienstes auch 2012 in Niedersachsen eher peinlicher Natur – auch wenn man vor Ort häufig das Beste draus zu machen versucht.

  2. Sepp Daxberger on Januar 11th, 2012 17:37

    Bei der Vernetzung von RD und Kat-Schutz, wie vom DRK gewünscht wäre zu hinterfragen, wie es hier mit dem Personal steht!
    Jede Frau/Mann kann nur einem Herren dienen, womit die Frage der Vernetzung beider Bereiche eigentlich schön geklärt wäre. In anderen Ländern, Beispielsweise Italien, sind Rettungsdienst und Kat-Schtuz zwei vollkommen differente Bereich, der eine hat mit dem anderen nichts zu tun und so kommt man auch nicht in Probleme bei wem das Personal eingesetzt werden soll oder muss.
    Wer hauptamtlich beim RD arbeitet, kann eigentlich nicht im Kat-Schutz tätig sein. Wer ehrenamtlich im RD tätig ist, muss im Großschadensfall eigentlich auch dem RD zur Verfügung stehen (Besetzung von Fahrze

  3. Sepp Daxberger on Januar 11th, 2012 17:41

    Wer ehrenamtlich im RD tätig ist, muss im Großschadensfall eigentlich auch dem RD zur Verfügung stehen (Besetzung von Reservefahrzeugen), somit muss das Personal welches für den Kat-Schutz tätig ist, auch nur für diesen tätig sein, ausser man klont das Personal.

  4. Jörn on Januar 11th, 2012 21:14

    ZITATANFANG: „Für das Wohl und den Schutz der Bevölkerung halten wir es für absolut notwendig, dass eine Organisation, die den Rettungsdienst übernimmt, gleichzeitig für den Katastrophenschutz leistungsfähig aufgestellt sein muss. Und dafür braucht es eben eine breite qualifizierte ehrenamtliche Basis, die praxiserfahren Hand in Hand mit dem Rettungsdienstpersonal arbeitet.” ZITATENDE

    Der Landesgeschäftsführer des DRK-LV Niedersachsen e. V. bricht hier eine Lanze für das komplexe Hilfeleistungssystem des Roten Kreuzes, Das ist gut so – und gehört wohl auch zu seinen Aufgaben als Funktionsträger dieses größten Leistungserbringers im bundesdeutschen Rettungsdienst. Seit dem 11. DRK-Rettungskongress, der im März 2009 (welch ein Zufall!) in Hannover stattfand, betonen die DRK-Vereinsoberen – geradezu mantramäßig -, dass Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz sehr eng verzahnt und DESHALB die am öffentlich-rechtlichen Rettungsdienst Beteiligten auch im (medizinischen) Bevölkerungsschutz aktiv sein müssten. Das ist nachweislich Unsinn, denn dann dürften weder kommunale Feuerwehren, noch kommunale Rettungsdienste, noch private Rettungsdienstunternehmen, noch Hilfsorganisationen, die im jeweiligen Versorgungsgebiet zwar im Rettungsdienst tätig, aber nicht im dortigen Bevölkerungsschutz eingebunden sind, mit der Aufgabenwahrnehmung „Rettungsdienst“ betraut werden, Die beiden Beispiele NRW und S-H zeigen, dass die bewährte Aufgabentrennung auch beim MANV oder KatS-Fall funktioniert! Praktika ehrenamtlicher Katastrophenschützer im Rettungsdienst sind möglich und gewollt – in der Regel als dritter Mann, driite Frau! In Einzelfällen gerne auch als 1. oder 2., aber nicht als „billige“ Arbeitskraft, die sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze vernichtet!!! Im Übrigen sprechen auch die unterschiedlichen Zuständigkeiten der Innen- und Sozialministerien der Länder bzw. der Kassen gegen diese noch engere Verzahnung von Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz.

    Deshalb müsste das obige Zitat wohl eher lauten: „“Für das Wohl UNSERER ORGANISATION und den Schutz UNSERER INTERESSEN halten wir es für absolut notwendig, dass NUR UNSERE ORGANISATION den Rettungsdienst übernimmt, da NUR WIR gleichzeitig für den Katastrophenschutz leistungsfähig aufgestellt sind.“

    Merke: Auch durch ständiges Wiederholen wird Unwahres nicht wahr!

    Abendliche Grüße aus dem Südwesten unserer Republik

  5. stefan on Januar 12th, 2012 13:58

    Das Rettungsdienstsystem Baden Württemberg lässt grüßen!

  6. Peter on Januar 12th, 2012 14:29

    Ja ja, das Kreuz mit dem Kreuz.

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