Apoplex: Behandlungsfenster breiter als angenommen.


Foto: Universitätsklinik Heidelberg

Professor Dr. Werner Hacke, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg

Wien (idw) – Die „European Cooperative Acute Stroke Study“ (ECASS) belegt, dass die Gabe von Thrombolytika bis zu 4,5 Stunden nach einem Schlaganfall sinnvoll sein kann.

Bislang waren drei Stunden als sinnvolle Grenzeangesehen worden. „Diese neuen Erkenntnisse könnte zehntausenden Patienten zugute kommen, deren Hirndurchblutung wieder hergestellt werden kann“, sagte der Leiter der Studie, Professor Dr. Werner Hacke, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg, der die Studie auf dem Weltschlaganfallkongress in Wien vorstellte.

Ingesamt 826 Patienten in 130 europäischen Schlaganfall-Zentren, die 3 bis 4,5 Stunden nach dem Schlaganfall in der Klinik behandelt wurden, erhielten entweder das Thrombolytikum Alteplase oder ein Plazebo gespritzt. Eine Hirnblutung als Ursache des Schlaganfalls war zuvor mit Hilfe der Computertomographie ausgeschlossen worden.

Je früher behandelt wird, desto besser das Ergebnis

Rund 52 Prozent der mit Alteplase behandelten Patienten sprachen gut auf die Therapie an und trugen keine oder nur geringfügige Behinderungen davon. Dagegen waren es in der Placebo-Gruppe nur rund 45 Prozent. Todesfälle nach drei Monaten traten in beiden Gruppen gleich häufig auf (8 Prozent).

Die Wissenschaftler empfehlen aufgrund dieser Ergebnisse, Schlaganfall-Patienten auch nach drei Stunden mit Thrombolytika zu behandeln. „Dass wir mehr Zeit haben, heißt jedoch nicht, dass wir uns mehr Zeit nehmen dürfen“, warnte Professor Hacke. Nach wie vor sollten Patienten mit Schlaganfall-Zeichen so schnell wir möglich in die Klinik gebracht und behandelt werden, denn die ECASS-Studie habe auch gezeigt, dass die Patienten um so mehr Behinderungen davon trügen, je später sie behandelt würden.

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