Wer hat Angst vorm kleinen Piks?


Bonn (rd.de) – Am 26. Oktober 2009 beginnt die Impfkampagne gegen die Schweinegrippe. Mitarbeiter von Feuerwehr und Rettungsdienst stehen gemeinsam mit Ärzten und Pflegekräften ganz vorne in der Impfreihe. Die Diskussionen um die Impfsicherheit und den „richtigen Impfstoff“ sorgen für Unbehagen.

Die Ständige Impfkommission beim Robert-Koch-Institut in Berlin hat festgelegt, dass zunächst nur Beschäftigte mit beruflichem Kontakt zu Patienten, chronisch Erkrankten oder infektiösem Material geimpft werden sollen. Außerdem soll für Personen ab einem Alter von sechs Monaten mit eigenen chronischen Grundleiden, welche die körpereigene Abwehr schwächen, eine Impfung angeboten werden. Nach einer Empfehlung des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte sollten Kinder ab drei Jahren gegen die Schweinegrippe geimpft werden.

In den Städten, Kreisen und Gemeinden laufen die letzten Vorbereitungen auf Hochtouren: Welche Apotheken werden den Impfstoff bekommen, wie viele Impfärzte benötigt man? Da der Impfstoff in Zehner-Einheiten geliefert wird und sich nach Anmischung nur kurz lagern lässt, wird nicht jeder Hausarzt selbst impfen können.

Kein Wunder-Impfstoff für Merkel und Westerwelle

Die Akzeptanz der groß angelegten Impfaktion ist durch die Diskussion um die Sicherheit des Impfstoffs deutlich gesunken.

Schwangeren empfiehlt die Impfkommission einen Spaltimpfstoff ohne Wirkverstärker. Ein Spaltimpfstoff besteht nicht aus abgetöteten Viren, sondern aus inaktiven Virenbestandteilen.

Doch genau einen solchen Impfstoff gibt es nicht. Bei dem angeblichen Wunder-Impfstoff, den die Regierung für seine Bediensteten bestellt hat, handelt sich um Cevlapan von Baxter. Es ist der einzige in der EU zugelassene Impfstoff ohne Wirkverstärker, besteht jedoch aus abgetöteten Viren. Bei diesen Impfstoffen besteht jederzeit die Gefahr eines Fieberschubes. Somit ist dieser Stoff keineswegs besser geeignet als das für die Bevölkerung beschaffte Panderix von GSK.

Bei Panderix handelt es sich um einen Spaltimpfstoff, der allerdings die umstrittenen Adjuvantien enthält, die dazu dienen, die Impfwirkung zu verstärken. Die in Panderix als Konservierungsmittel verwendete Quecksilberverbindung Thiomersal steckt mit 2,5 Millionstel Gramm in einer Impfdosis. Jedes Thunfischsandwich kann da eine höhere Dosis bieten.

Falsch ist auch die Behauptung, die Impfstoffe seien ungeprüft und es gäbe keine Information über Verträglichkeit und Nebenwirkungen. Bei der European Medicines Agency (EMEA), dem Institut zu Arzneimittelsicherheit der EU, gibt es so etwas wie einen Beipackzettel zu Panderix, der die Zulassung des Impfstoffs begründet.

Insgesamt halten Experten die Irritationen um die Sicherheit des Impfstoffes für weit übertrieben. Hautrötungen Gliederschmerzen und andere grippeähnliche Symptome seien kaum ein Grund, sich gegen eine Impfung zu entscheiden.

Mehr Information: „Beipackzettel“ Panderix (PDF, deutsch)

(20.10.2009)

2 Responses to “Wer hat Angst vorm kleinen Piks?”

  1. Mario Gongolsky on Oktober 20th, 2009 14:15

    Gerade erreicht uns eine Pressemitteilung des Deutschen Feuerwehrverband: „Der Impfschutz ist wichtig und richtig“, gibt Prof. Dr. Peter Sefrin, Bundesfeuerwehrarzt des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), eine klare Empfehlung für die in diesen Tagen anlaufende Schutzimpfung gegen die Neue Grippe. „Die Feuerwehrangehörigen sind durch ihre Aufgaben naturgemäß einem erhöhten Risiko ausgesetzt und sollten die kostenfreie Impfung nutzen“, erklärt Sefrin. Der DFV und seine Mitgliedsverbände hatten sich im August massiv dafür eingesetzt, dass die kostenfreie Impfmöglichkeit allen Feuerwehrangehörigen – ehren- wie hauptamtlichen – offen steht.

  2. thomaswagner on Oktober 20th, 2009 20:26

    Die Diskussion um die Schweinegrippe und ihre Folgen bzw. Auswirkungen erreichen langsam absurde Ausmaße.
    Oft genug wurde von sog. Experten betont, dass die Ähnlichkeit des Schweinegrippe-Impfstoffes mit dem herkömmlichen, saisonal jedes Jahr neu entwickelten Grippe-Impfstoffes sehr hoch sei. Andere sog. Experten werden hingegen nicht müde zu betonen, wie wichtig und gut doch der neue Impfstoff gegen Schweinegrippe-Viren ist.
    Es entsteht der Eindruck, dass es sich hier wieder um eine künstlich aufgebauschte Panikmache der Pharma-Industrie handelt, um den Umsatz und den Gewinn zu erhöhen. Und deshalb teile ich die Auffassung zunehmend mehr Hausärzte, die die Impfung nicht empfehlen. Obwohl auch ich im Gesundheitswesen tätig bin, werde ich mich nicht impfen lassen. Natürlich bleibt es jedem selbst überlassen wogegen er oder sie sich impfen oder nicht impfen lässt. Auch die Kostenfreiheit für Angehörige von Berufsgruppen mit erhöhtem Expositionsrisiko, die sich freiwillig impfen lassen wollen, halte ich für gut und richtig. Aber man kann den Impfwahn auch übertreiben… Und welche furchterregende Erkrankung, die die Menschheit an den Rande des Abgrunds bringt, kommt als nächstes? Elch-Husten? Storchen-Diarrhoe? Ich bin gespannt…

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