Partydrogen: Symptome erkennen, richtig behandeln


Shooting für RettMag mit Gaby Schwarz, Nicole Seidens, Jasmin, Maggie Keltsch

Bremen (rd.de) – Waren es vor einigen Jahren Alkohol, Cannabis oder Kokain, die als „Partydrogen“ gehandelt wurden, rückten in den letzten Jahren wesentlich härtere Substanzen in den Fokus. Der Begriff „Partydroge“ verharmlost dabei die hohe Suchtgefahr und führt immer wieder dazu, dass die Wirkungen und damit auch die Risiken unterschätzt werden. Wir geben einen Überblick über aktuelle Substanzen und welche Maßnahmen vom Rettungsfachpersonal durchgeführt werden können. 

Eine so genannte Partydroge ist keinesfalls als Synonym für ein ungefährliches Rauschmittel zu verstehen. Die Bezeichnung geht vielmehr darauf zurück, dass die entsprechenden Drogen zumeist auf Partys bzw. in Discotheken, Clubs und Bars eingenommen werden. Die Konsumenten wollen durch die Substanzen in einen schwerelosen, ungehemmten Rauschzustand gelangen und Ermüdungserscheinungen des Körpers ausblenden, um möglichst lange feiern zu können.

Entsprechende Drogen finden aber auch bei anderen Gelegenheiten Verwendung, etwa um die Leistung zu steigern, sich sexuell zu stimulieren oder eine euphorische Stimmung zu entwickeln. Ein Konsumschwerpunkt ist erfahrungsgemäß vor allem in Discos und Clubs mit elektronischer Musik (Techno, Elektro, House) zu finden.

So erklärt sich auch, dass Cannabis nicht (mehr) zu den Partydrogen gezählt wird, obwohl der Konsum gerade im Rahmen von bzw. nach entsprechenden Feierlichkeiten stattfindet. Cannabis wirkt eher beruhigend und ermüdend, verfehlt also die gewünschte Wirkung. Gelegentlich wird Cannabis nach einer durchfeierten Nacht eingenommen, um den Körper nach Einnahme einer modernen Partydroge wieder „herunterzuregeln“ und so ein wenig Schlaf zu finden.

Auch Kokain ist nur noch eingeschränkt als Partydroge zu sehen. Zwar entfaltet Kokain eine entsprechende Wirkung. Doch letztendlich findet der Konsum in der Party-Szene erheblich seltener statt, da die Preise sehr hoch sind. Als typische Partydroge werden daher aktuell eher Speed, Ecstasy, LSD, GHB oder Crystal Meth bezeichnet.

Gerade – aber nicht nur – in Großstädten wird der Rettungsdienst immer häufiger mit Drogenintoxikationen konfrontiert. Auch der Sanitätsdienst, zum Beispiel bei Musikfestivals, muss sich vermehrt um entsprechende Patienten kümmern.

Crystal Meth

Crystal Meth gilt derzeit als eine der härtesten Drogen weltweit. 18 Millionen Menschen schniefen, rauchen oder spritzen den Stoff. Crystal Meth hat die USA bereits fest im Griff. Von Tschechien aus schwappt die Welle gerade nach Deutschland herüber.

Erstaunlicherweise handelt es sich bei Crystal Meth keineswegs um eine neue Substanz. Ein japanischer Chemiker synthetisierte sie im Jahr 1919 erstmalig; 1930 gelangte der Stoff dann nach Deutschland. Hier wurde er für den Einsatz im militärischen Bereich weiterentwickelt und kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs als Pervitin auf den Markt gebracht. Unter dem Begriff „Panzerschokolade“ konsumierten die Soldaten den Stoff, der sie zu immer neuen Höchstleistungen antrieb. Auch Hitler selbst soll regelmäßig Pervitin eingenommen haben. Erst 1988 wurde Pervitin vom Markt genommen.

Laut Bundeskriminalamt wurde 2011 in Deutschland eine Rekordmenge von rund 1,4 Tonnen Amphetamin und Methamphetamin beschlagnahmt. Vor allem bei Crystal Meth fanden die Sicherheitsbehörden deutlich größere Mengen als im Jahr zuvor. Der Grund für den rapiden Anstieg liegt nicht zuletzt in Tschechiens Drogenpolitik. Seit 1. Januar 2010 dürfen die Bürger unseres östlichen Nachbarlandes zwei Gramm Crystal Meth legal bei sich führen.

Crystal Meth bzw. Methamphetamin ist ein starkes Psychostimulans auf Amphetamin- Basis. Im Vergleich zu gewöhnlichem Amphetamin (Speed) wirkt Crystal Meth etwa fünfmal stärker. Die Substanz ist in kristalliner Form oder als Pulver erhältlich, gelegentlich auch in Form von Kapseln. In kristalliner Form erinnert der Stoff an Eiskristalle oder Glassplitter, deshalb auch die Bezeichnung „Crystal“ (Kristall). Crystal kann geschnieft, geraucht, gespritzt und geschluckt werden. In Deutschland ist vor allem das Schniefen verbreitet.

Sindelfingen, Glaspalast, Day & Night TechnoeventDie Wirkung von Crystal Meth ist abhängig von Dosis, Wirkstoffgehalt, der individuellen Gewöhnung, der Verabreichungsform sowie der körperlichen und psychischen Verfassung des Abhängigen. Es bewirkt eine vermehrte Ausschüttung der Botenstoffe Adrenalin, Noradrenalin sowie Dopamin im Gehirn und führt dem Körper keine Energie zu, sondern täuscht eine plötzlich auftretende Gefahrensituation vor. Folglich steht der Organismus unter Dauerstress. Die körperlichen Warnsignale wie Hunger, Durst, Schmerzempfinden und Müdigkeit werden unterdrückt oder gar nicht mehr wahrgenommen.

Der Konsum von Crystal Meth führt sehr schnell zu einer schweren psychischen Abhängigkeit. Rasch werden hohe Konzentrationen im Körper und besonders im Gehirn erreicht. Nebenwirkungen wie beispielsweise Tachykardien nimmt der Betroffene deutlich weniger wahr. Crystal Meth kann also höher dosiert werden als herkömmliches Speed. Der Körper gewöhnt sich auch schneller an Methamphetamin als an Speed oder Kokain. Um die gewünschte Wirkung zu erzielen, muss folglich die Dosis stetig erhöht werden. Der Mediziner nennt dies Toleranzentwicklung.

Crystal Meth gilt als starkes Nervengift. Es zerstört Nervenzellen und führt zu Schädi-gungen im Gehirn. Das bedeutet, Abhängige bauen mit der Zeit nicht nur körperlich, sondern vor allem auch geistig ab. Da der Körper immer unter Dauerstress steht, kommt es in der Folge zu wesentlichen körperlichen Veränderungen: Anstieg der Körpertemperatur sowie des Blutdrucks, Tachykardie und -pnoe. Schmerzempfinden und Schlafbedürfnis werden unterdrückt, Hunger und Durstgefühl sind herabgesetzt. Es bestehen ein starker Bewegungsdrang, vermehrtes Schwitzen, aufgerissene Augen und ein ausgesprochener Rededrang. Typisch sind auch starke Euphorie, übersteigertes Selbstbewusstsein, erhöhte Risikobereitschaft, eine luststeigernde, enthemmende Wirkung, Gedankenflucht mit Gedankensprüngen, Wortfindungsstörungen und ein gestörtes Zeitempfinden.

Typische kurzfristige Nebenwirkungen einer Crystal-Meth-Einnahme sind Tachykardien, Schweißausbrüche, Zittern, Muskelkrämpfe, Mundtrockenheit, Appetitlosigkeit und Halluzinationen. Nach der euphorisierenden Wirkung kommt es zu ausgeprägten, oftmals tagelangen Nachwirkungen. Ursächlich sind vermutlich die leeren Dopamin- und Noradrenalin-Speicher im Gehirn, die sich nur sehr langsam wieder auffüllen. Diese Nachwirkungen werden von den Abhängigen oftmals als Entzugserscheinungen empfunden, was zu erneuter Drogeneinnahme führt.

Typische Nachwirkungen sind beispielsweise depressive Verstimmung, starke Müdigkeit, Erschöpfungs- und Katerstimmung, Antriebs- und Interessenlosigkeit, Schlafstörungen, die Tage bis Wochen dauern können, sowie Konzentrationsschwierigkeiten und generelle Gedächtnisbeeinträchtigungen. Crystal Meth ist eine hochpotente Substanz. Das Risiko lebensgefährlicher Überdosierungen ist sehr groß. Mögliche Anzeichen einer Überdosierung können Hyperthermie, starkes Schwitzen, starke Kopfschmerzen, trockener Mund, Übelkeit und Erbrechen, plötzlicher Blutdruckabfall, Lähmungserscheinungen, Bewusstlosigkeit oder eine Intoxikationspsychose mit einem Realitätsverlust und Angst sein. Im schlimmsten Fall kann es zum Herzstillstand kommen.

Wird Crystal Meth über einen längeren Zeitraum eingenommen, kommt es zu körperlichen Langzeitwirkungen. Fast alle chronisch Abhängigen leiden an starkem Gewichtsverlust, Störungen der Konzentrations- und Merkfähigkeit, chronischen Hautentzündungen („Crystal Akne“), Schädigungen der Zähne bis zum Zahnausfall, Magenerkrankungen (Magengeschwür bis hin zur Perforation), Herzrhythmusstörungen, Störungen des Monatszyklus, Schwächung des Immunsystems mit erhöhter Infektionsanfälligkeit, einem beschleunigten, vorzeitigen Alterungsprozess oder Nieren- und Leberschäden. Auch ein Apoplex kann sich im Rahmen der dauerhaften Einnahme entwickeln.

Mindestens ebenso gefährlich sind die psychischen Langzeitwirkungen wie Depressionen, Angstzustände und Panikattacken, aggressives Verhalten gegen sich selbst und andere, Verfolgungswahn, Halluzinationen, Zwangsgedanken und -handlungen, starke Persönlichkeitsveränderungen, ständige körperliche Unruhe, Schlafstörungen, Essstörungen und ein erhöhtes Suizidrisiko.

GHB/GBL – „Liquid Ecstasy“

Gamma-Butyrolacton (GBL) ist ein Grundstoff zur Herstellung von Gammahydroxybuttersäure (GHB). Die Substanz wird auch „Liquid Ecstasy“ genannt, obwohl es keinerlei chemische Verwandtschaft zu Ecstasy aufweist und auch von seiner Wirkung her Ecstasy nicht ähnelt. In der Vergangenheit wurdeGHB unter dem Namen „K.o.-Tropfen“ bekannt.

GHB wurde 1960 als verschreibungspflichtiges Medikament mit der Anwendung als Anästhetikum, Antidepressivum und Wachmacher zugelassen, aber auch als Entzugsmittel bei Suchtkrankheiten, vor allem bei Alkohol und Opiaten.

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Heute wird GBL als Lösungsmittel in der Industrie und als Ausgangsstoff zur Herstellung von Pharmazeutika und Chemikalien eingesetzt. Es ist in seiner Wirkung dem GHB sehr ähnlich. GBL wird im Körper zu GHB umgewandelt und kann daher dieselben tödlichen Vergiftungserscheinungen hervorrufen. GBL ist schwieriger zu dosieren als GHB, da die Substanz individuell unterschiedlich aufgenommen und unterschiedlich schnell umgewandelt wird.

GHB unterliegt seit März 2002 dem Betäubungsmittelgesetz. GBL zwar nicht, wurde jedoch als bedenkliches Arzneimittel eingestuft. GHB ist eine geruchs- und farblose Flüssigkeit. Selten taucht die Substanz in Pulverform auf.

Nach der oralen Einnahme kommt es bereits nach fünf Minuten zu einer ein- bis dreistündigen Wirkung. In Einzelfällen kann die Wirkung auch bis zu einem Tag dauern. Der Effekt von GHB ist stark dosisabhängig und variiert darüber hinaus auch je nach individueller Empfindlichkeit von Mensch zu Mensch. Die Wirkung kommt einem Alkoholrausch sehr nahe: Es tritt ein Zustand der Entspannung, starker Euphorie, sexueller Anregung, Antriebssteigerung sowie intensiverer Wahrnehmung der Umwelt ein. Höhere Dosen führen zu Schläfrigkeit bis hin zum komatösen Tiefschlaf. Kurzeitig kann es zu Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Atemnot, Schwindelgefühl, Hypotonie, Benommenheit, Muskelverspannungen, Verwirrtheit sowie vorübergehendem Gedächtnisverlust kommen.

Wird der Rettungsdienst zu einer Person gerufen, bei der der Verdacht auf die Verabreichung von K.o.-Tropfen besteht, ist schnelles Handeln angesagt. Die Nachweiszeit von GHB/GBL im Blut beträgt lediglich zwölf Stunden für eine eventuell notwendige Untersuchung (Verdacht auf Vergewaltigung oder ähnliches). Bei häufigem Konsum kann die Leber- und Nierenfunktion beeinträchtigt werden. Nicht selten kann es bei langfristiger Einnahme zu anhaltenden Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen kommen. Wird die Substanz abgesetzt, kommt es zu starken Entzugserscheinungen, ähnlich einem Benzodiazepin-Entzug.

Speed

Speed ist eine Mischung verschiedener Amphetamine mit unterschiedlichen Verschnittstoffen. Meistens wird Speed als weißes, gelegentlich eingefärbtes Pulver angeboten. Seltener wird es in Tabletten- bzw. Kapselform oder als Tropfen in Umlauf gebracht.

Speed wird häufig mit Koffein, Milchpulver, Ephedrin oder Paracetamol gestreckt. Es ist ein indirektes Sympathomimetikum und hat somit eine anregende Wirkung auf das Zentralnervensystem.

Die Erstsynthese des Amphetamins gelang 1887 an der Berliner Humboldt-Universität. Ursprünglich wurde es als Bronchospasmolytikum und zur Gewichtskontrolle eingesetzt. Die heutige medizinische Verwendung beschränkt sich auf die Behandlung der Narkolepsie und der Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADS/ADHS).

Seit den 1960er-Jahren wurde das Amphetaminderivat Fenfluramin als Appetitzügler eingesetzt, ehe es 1997 aufgrund von Nebenwirkungen vom Markt genommen werden musste. Amphetamin wird im Sport auch als Dopingmittel verwendet.

Die pulverförmige Substanz wird üblicherweise geschnieft, kann aber auch oral eingenommen werden. Viel seltener wird es geraucht oder injiziert. Bei der Injektion von Amphetamin kann es sehr schnell zu einer akuten Vergiftung durch Überdosierung kommen.

Durch die Freisetzung der Botenstoffe Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin steigt die Körpertemperatur, Puls und Atmung werden beschleunigt, der Blutdruck erhöht. Schmerzempfinden, Hunger und Schlafbedürfnis werden unterdrückt.

Speed steigert die körperliche Leistungsfähigkeit und ermöglicht so ein nächtelanges Durchtanzen, ohne subjektiv empfundene Ermüdungs- und Erschöpfungszustände. Wichtige Signale wie Hunger, Durst und Müdigkeit werden unterdrückt. Kontaktfähigkeit und Rededrang sind erhöht. Bei höherer Risikobereitschaft ist die Kritikfähigkeit herabgesetzt. Es kann aufgrund des Schlafmangels zu visuellen und akustischen Halluzinationen kommen. Die Wirkdauer von Speed beträgt durchschnittlich vier bis zehn Stunden.

Als Kurzzeitwirkung tritt beim Schniefen ein starkes Brennen an der Nasen- und Rachenschleimhaut auf, bei langfristiger Einnahme kann es zu einer Schädigung bis zur Auflösung der Nasenscheidewand kommen, ähnlich wie bei Kokain.

Zusätzlich können auftreten: Pupillenweitung, Tachykardie, Zittern, Muskelkrämpfe, Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Übelkeit, erhöhte Körpertemperatur sowie Rhythmusstörungen. Auf psychischer Ebene finden sich Unruhe, Nervosität, Angstzustände, Verfolgungswahn, Aggressionen und Schlafstörungen.

Medizinische Maßnahmen

Nach dem Abklingen der Rauschwirkung treten starke Erschöpfungszustände und ein großes Schlafbedürfnis, Konzentrationsmangel, Gereiztheit und Heißhunger auf. Möglich sind auch Depressionen. Dauerkonsum führt zu massiven Schlaf- und Kreislaufstörungen, Nervosität, Unruhe, Gewichtsverlust sowie Magenschmerzen. Durch die starke Belastung des Herzens ist eine dauerhafte Blutdruckerhöhung möglich. Die Schwächung des Immunsystems bewirkt eine gesteigerte Infektionsanfälligkeit. Das Hirn wird langfristig geschädigt, es kann zu paranoiden Wahnvorstellungen bis hin zur Amphetaminpsychose kommen.

10/10 Rauschgift Drogen Aggression Angriff Abwehr Eigengefährdung 29.08.2007

Die wichtigste Erstmaßnahme beim Eintreffen am Einsatzort ist der Selbstschutz. Dieser umfasst die Beurteilung der Umgebungssituation, hier vor allem mögliche anhaltende Gefahren für Patient und Retter. Zum Selbstschutz gehören in solchen Situationen besonders die Beurteilung des Einsatzortes und das Erkennen möglicher Gefahren, beispielsweise durch umherliegende Gegenstände wie gebrauchte Spritzen. Zu achten ist auch auf mögliche aggressive Drittpersonen sowie eine zusätzlich Gefährdung, beispielsweise durch Suizidabsichten des Patienten.

Das Risiko kann im Einsatz zwar nie gänzlich ausgeschlossen werden. Umso wichtiger ist es daher, durch ein kurzes Innehalten beim Betreten des Einsatzortes mögliche Gefahren und Risiken aktiv zu suchen und entsprechende Bedenken auch zu äußern.

Als Konsequenz kann es unter Umständen zu einer zeitlichen Verzögerung der Patientenversorgung kommen. Beispielsweise, weil erst die Polizei zur Sicherung der Situation erforderlich ist. Derartige Verzögerungen müssen im Interesse des Eigenschutzes in Kauf genommen werden.

Der chronische Konsum von Drogen führt zu pathophysiologischen Veränderungen zahlreicher Organsysteme. Für die präklinische Notfallmedizin sind vor allem Beeinträchtigungen des zentralen Nervensystems, des Herz-Kreislauf-Systems und der Atmung von Bedeutung.

Am Einsatzort steht in den meisten Fällen kein Drogenschnelltest zur Verfügung. Der Rettungsdienst ist deshalb auf die Eigen- und Fremdanamnese angewiesen. Die Einsatzkräfte sollten zum Beispiel möglichst genau erfragen, wann welche Drogen in welcher Menge eingenommen wurden. Nicht selten liegen Mischintoxikationen vor – beispielsweise GHB/GBL mit Alkohol oder Amphetamine mit Marihuana. Deswegen wird die Therapie im Rettungsdienst in den meisten Fällen symptomorientiert erfolgen.

Die initiale Therapie beginnt damit, dass die Vigilanz des Patienten überprüft wird. Dies geschieht durch steigende Reizintensität:

  1. Ansprechen
  2. Berühren
  3. Setzen eines Schmerzreizes

Aus der Reaktion hieraus resultiert der erste Eindruck zur Bewusstseinslage. Oberste Priorität hat die Sicherung der Vitalfunktionen. Bei Bewusstseinsminderung und Koma ist die Gefahr eines verlegten Atemweges und fehlenden Schutzreflexen mit erhöhter Aspirationsgefahr besonders groß.

Bei vorhandener Spontanatmung kann der Patient in die stabile Seitenlage gebracht werden. Tief komatöse Patienten (GCS ≤ 8) müssen in der Regel wegen erhöhter Aspirationsgefahr und insuffizienter Atmung intubiert werden. Bei unklarer Bewusstlosigkeit muss stets eine Blutzuckerbestimmung erfolgen.

Drogen_Notfall_Behandlung_Rettungsdienst_PartydrogenNach der Vigilanzprüfung werden die Vitalparameter (Blutdruck, Puls, O2-Sättigung) gemessen und ein EKG abgeleitet. Wünschenswert ist es, wenn ein venöser Zugang gelegt und eine Ringer-Laktat-Lösung (500 ml) zum Offenhalten angeschlossen wird. Einen i.v.-Zugang zu legen, wird bei diesen Patienten nicht immer gelingen. Grund: Eine mögliche Nebenwirkung der Drogeneinnahme ist aggressives Verhalten. Auch durch beruhigendes Zureden wird sich das nicht immer abbauen lassen. Im Zweifelsfall sollte der Versuch unterlassen werden, einen venösen Zugang zu legen. Anschließend sollte nach den ABC-Regeln untersucht und symptomatisch behandelt werden.

Durch Partydrogen kommt es zu „erregenden“ somatischen Begleiterscheinungen. Stellt sich zum Beispiel ein Hyperventilationssyndrom ein, resultiert daraus, dass das Kohlendioxyd im Blut zunimmt und der pHWert steigt. Als Folge entwickelt sich eine respiratorische Alkalose mit relativer Hypokalziämie. Begleitend treten oft Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen, Parästhesien und sogar Lähmungen der Extremitäten auf.

Möglicherweise kann dem Patient durch beruhigendes Zureden und der Anleitung, langsam zu atmen, geholfen werden. Eventuell hilft auch die Rückatmung in eine Plastiktüte. Helfen diese einfachen Maßnahmen nicht, können Benzodiazepine wie Diazepam 1-mg-weise bis zur gewünschten Wirkung verabreicht werden. Dabei ist vorsichtig vorzugehen, da die Gefahr einer Atemdepression besteht.

Intoxikationen mit Sympathomimetika, wie sie Amphetamine darstellen, können eine Bronchialobstruktion bis hin zu schwersten Asthma bronchiale-Anfällen auslösen. Therapeutisch stehen dann die Behandlung der Hypoxie und die Reversion der Bronchialobstruktion im Vordergrund. Der Patient sollte mit erhöhtem Oberkörper gelagert werden, um die Atmung zu erleichtern. Sauerstoff sollte am besten über eine Maske mit dem Zielwert SpO2 > 92 Prozent angeboten werden.

Zur Bronchodilatation erfolgt die Aerosol- Gabe eines rasch wirkenden Beta-2-Sympathomimetikums, zum Beispiel 2 bis 4 Hübe Fenoterol, Salbutamol oder Terbutalin. Zur Therapie gehört auch die Gabe von 50 bis 100 mg Prednisolon i.v.

Tachykardien zählen zu den häufigsten somatischen Begleiterscheinungen im Rahmen von Drogennotfällen. Liegen Zeichen einer Kreislaufinstabilität vor, muss eine entsprechende Therapie erfolgen.

Unser Autor: Dr. Ingo Blank (Jg. 1963), Chirurg und Notarzt/LNA, Dozent und EH-Ausbilder, Fachjournalist, diverse Buchveröffentlichungen (Text), Markus Brändli (Fotos); zuletzt aktualisiert: 18.03.2016

One Response to “Partydrogen: Symptome erkennen, richtig behandeln”

  1. Christian on Oktober 18th, 2015 10:47

    Bei einer Hyperventilation SINKT das CO2 im Blut 😉

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