Rettungsdienst klärt jugendliche Komasäufer auf


Infokarte für Jugendliche (Bild: Jugendamt Landkreis Oldenburg)Wildeshausen (rd.de) – Zurückgehend auf eine Anregung der am Rettungsdienst beteiligten Hilfsorganisationen, hat der Landkreis Oldenburg (Niedersachsen) ein Informationspaket für Jugendliche und deren Eltern geschnürt. Es kommt zum Einsatz, wenn der Alkoholkonsum eines Jugendlichen den Rettungsdienst auf den Plan gerufen hat.

„Wir waren einigermaßen schockiert über die Zahlen, die der Rettungsdienst zu den Vergiftungsnotfällen bei Jungendlichen bis 18 Jahre zusammengetragen hat“, gesteht Mareike van ‚t Zet vom Jugendamt des Kreises Oldenburg in Wildeshausen. Dem Kreis standen bislang nur Rückmeldungen aus den Krankenhäusern zur Verfügung. Die Einsatzzahlen des Rettungsdienstes für solche Fälle lagen deutlich höher.

Der Rettungsdienst im Landkreis zählte 776 Einsätze für Intoxikationen bei Patienten zwischen Null und 18 Jahren. „In dieser Zahl sind alle Vergiftungen enthalten“, schränkt Jörn Kaminski, Leiter Rettungsdienst im Kreis Oldenburg, ein. Doch ein Großteil dieser Einsätze geht auf das Konto eines übermäßigen Alkoholkonsums. „Ich muss Ihnen nicht sagen, dass diese Einsätze nicht gerade beliebt sind“, erläutert Kaminski. „Die Einsatzkräfte des Rettungsdienstes kommen immer erst dann, wenn es schon zu spät ist. Das ist unbefriedigend.“ Jetzt will sich der Rettungsdienst auch ein Stück weit in die Präventionsarbeit einbringen und bei den Jugendlichen, die im Rettungswagen landen, ein Bewusstsein dafür schaffen, dass der übertriebene Alkoholkonsum ein Problem darstellt.

Gemeinsam mit den Landkreis wurde ein Informationspaket geschnürt, das sich sowohl an die Jugendlichen als auch deren Eltern wendet. „Das Informationspaket wird in den kommenden Tagen auf allen Rettungswagen vorgehalten“, so Kaminski. Es erklärt den Jugendlichen plakativ, was ihnen bei einem verantwortungsbewußten Umgang mit Alkohol alles erspart bleiben kann. Die Argumente reichen von Albtraumnächten auf der Intensivstation über ungewollten Sex bis zum Lieblings-T-Shirt mit Resten von Erbrochenem drauf. Eltern wird vorgerechnet, dass der Einsatz von Rettungswagen, Notarzt und die „Übernachtung“ im Krankenhaus die Krankenkassen mit knapp 1.200 Euro belastet.

Das Jugendamt sucht den Kontakt zu den Kliniken im Kreis und bespricht mit ihnen, ob sie die Weitergabe der Informationen an die Eltern der jugendlichen Patienten unterstützen können. „In einigen Krankenhäusern gibt es ebenfalls Beratungsangebote“, erklärt Mareike van ‚t Zet. „Unsere Kampagne soll nicht als Konkurrenz zu den dort bestehenden Angeboten verstanden werden.“

Ob die gemeinsame Maßnahme von Kreis und Rettungsdienst erfolgreich sein kann und die Jugendlichen sowie ihre Eltern anspricht, ist noch nicht abzusehen. Handlungsbedarf besteht aber ohne Zweifel: „Unsere Statistik zeigt, dass in der Altersgruppe bis 18 Jahren die Frauen mächtig aufgeholt haben. Sie liegen heute praktisch gleichauf mit den Männern“, warnt Kaminski. Alkoholexzesse sind demnach offenbar kein männliches Problem mehr.

3 Responses to “Rettungsdienst klärt jugendliche Komasäufer auf”

  1. Markus on Juni 1st, 2011 16:21

    Hallo,

    eine super Sache. Wo kann man mehr Info zu dem Thema bekommen?

    VG

  2. Nico Schmitt on Juni 6th, 2011 09:50

    Hört sich super an – über mehr Infos würde ich mich dehr freuen!!!

  3. Mario Gongolsky on Juni 7th, 2011 12:45

    Auskünfte zum Projekt gibt es beim Jugendamt des Landkreis Oldenburg unter der Rufnummer 04431 / 85-323 oder beim Leiter Rettungsdienst im Kreis Oldenburg, Herrn Kaminski, unter joern.kaminski(ätt)oldenburg-kreis.de

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