Retten-Extrem bei 40 Grad Celsius


Hoffen auf Abkühlung von oben: (Foto: Gongolsky)Bonn (rd.de) – In den Häuserschluchten der Innenstädte steht die Luft bei Temperaturen von über 40 Grad Celsius. Wohl dem, der in einem klimatisierten Rettungswagen arbeiten kann. Die hohen Temperaturen bestimmen auch das Einsatzgeschehen. Einsatzkräfte sollten jetzt besonders auf ihren Natrium-Wasserhaushalt achten.

Dramatische Szenen sollen sich am Wochenende in einem ICE-Zug zwischen Berlin und Düsseldorf abgespielt haben. In einem völlig überfüllten Zug streikte die Klimaanlage. Eine Schulklasse aus Willich war mit an Bord. Bei Temperaturen von über 45 Grad Celsius kollabierten die Fahrgäste reihenweise. Wie die „Welt“ berichtet, behandelten Schulsanitäter die Panikattacken der Mitreisenden per Tütenrückatmung. Die Mutter eines kollabierenden Kindes soll versucht haben, die ICE-Scheibe mit einem Nothammer einzuschlagen, was ihr jedoch nicht gelang.

Klimaanlage kaputt: Der ICE 3 heizte seinen Fahrgästen mächtig  ein. (Foto: DB AG / Wolfgang Klee)

Klimaanlage kaputt: Der ICE 3 heizte seinen Fahrgästen mächtig ein. (Foto: DB AG / Wolfgang Klee)

Der Zugführer wollte den Zug nicht auf offener Strecke stoppen und fuhr noch 30 Minuten weiter bis Bielefeld. Doch eine realistische Lageeinschätzung der dramatischen Situation an Bord des High-Tech-Zuges hatte die Fahrdienstleitung offenbar nicht, denn beim Eintreffen des Zuges stand der Rettungsdienst nicht am Bahnsteig parat.

Die Leitstelle löste einen MANV-Alarm aus. Aus gutem Grund: Insgesamt 27 kollabierte Fahrgäste mussten aus dem Zug geholt werden. Neun Personen wurden in Krankenhäuser transportiert.

Insgesamt sollen am Sonntag drei ICE-Züge mit 1000 Reisenden von einem Klimaanlagenausfall betroffen gewesen sein. Bahnchef Grube hat sich heute öffentlich für die „Unannehmlichkeiten“ entschuldigt.

17 Junghelfer brachen zusammen

Kritisch ist auch die Nachricht aus dem Kreis Bergheim. Auf einem Jungendfeuerwehr-Zeltlager sollte der Feuerwehrnachwuchs sein Leistungsabzeichen machen: Staffellauf, Kugelstoßen, ein Löschangriff in voller Montur, schreibt die Kölnische Rundschau über das stramme Programm. In der Folge sackten 17 Nachwuchskräfte hitzebedingt zusammen. Die Verantwortlichen zogen schließlich die Reißleine und brachen die Veranstaltung ab. Rettungsassistenten und drei Notärzte kümmerten sich um die Hitzeopfer.

Einsatzort Rhein

Suche nach gekentertem Boot bleib ergebnislos. (Foto: Gongolsky)

Suche nach gekentertem Boot blieb ergebnislos. (Foto: Gongolsky)

Jetzt, wo das Niedrigwasser am Rhein regelrechte Strandlandschaften erzeugt, zieht es immer mehr sorglose Schwimmer in den Fluss. Auch Sportboote fädeln sich zwischen der Personen- Berufsschifffahrt hindurch. Das vermeintliche Kentern eines mit mehreren Personen besetzten Bootes löste Sonntagmittag in Bonn einen Sucheinsatz mit Hubschrauberunterstützung aus. Neben dem Feuerlöschboot der Stadt Bonn waren Boote der DLRG und der Feuerwehr Königswinter im Einsatz, um die Havaristen aufzuspüren. Die Suche wurde schließlich ergebnislos abgebrochen; weder das gekenterte Boot noch Personen in Not wurden gesichtet.

Zwei Jugendliche sind am Samstag bei Krefeld beim Bad im Rhein tödlich verunglückt. Sie standen am Uerdinger-Ufer hüfttief im Fluss, als ein vorbeifahrendes Frachtschiff die beiden gegen 20:30 Uhr in den Strom zog und unter Wasser drückte. Trotz Suchmaßnahmen wurden die zwei jungen Leute im Alter von 18 und 19 Jahren nicht gefunden.

Natriumverluste ausgleichen

Die Rettungskräfte sollten in diesen Tagen mit ihren Ressourcen sorgfältiger Haushalten als sonst. Über das Schwitzen summiert sich der Natriumverlust. Es empfiehlt sich, natriumreiches Mineralwasser zu sich zu nehmen. Als natriumreich gilt ein Mineralwasser, wenn es mehr als 200 mg Natrium pro Liter enthält. Zum Vergleich, Vittel enthält nur 7,3 mg und Gerolsteiner liegt bei 12 mg pro Liter. Die preiswerten Mineralwassersorten sind jetzt einen genauen Blick wert.

Brie, Salami und Thunfischpaste: Wer viel schwitzt, darf mehr Natrium zu sich nehmen. (Foto: Gongolsky)

Brie, Salami und Thunfischpaste: Wer viel schwitzt, darf mehr Natrium zu sich nehmen. (Foto: Gongolsky)

Zum Frühstück eigenen sich derzeit besonders Käsebrötchen. Vor allen Dingen Camembert und Schnittkäse enthalten viel Natrium und Kalzium. Wer das nicht mag, kann sich vielleicht mit Salami oder Corned Beef anfreunden. Abends empfiehlt sich zum Beispiel ein Salat mit Oliven und Thunfisch. Oliven und Thunfisch gehören ebenfalls zu den besonders natriumreichen Lebensmitteln.

Immer kühlen Kopf bewahren

Im Verkehr ist die Hitze reiner Stress. Die Reaktionszeiten werden länger, das gilt für Autofahrer, die Platz machen sollen, und natürlich für den Einsatzwagenfahrer selbst. Es ist eine gute Idee, jetzt einen Gang zurückzuschalten und im dichten Verkehrsgewühl keinesfalls aggressiv auf Fahrzeugpulks aufzulaufen.

Feuchte Handtücher für Kopf und Nacken kann man im Einsatz stets mitführen. Davon sollte man einen ganzen Stoß auf der Wache haben, denn ganz sicher wird die kleine Erfrischung nicht nur dem Rettungsassistenten, sondern auch manchem Patienten zu Gute kommen.

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