NotSanG: Erste Reaktionen zum Gesetzentwurf


Bremen (rd.de) – Der Referentenentwurf zum Berufsbild „Notfallsanitäter“ liegt vor. Noch aber wollen sich nur wenige Verbände öffentlich hierzu äußern. Doch jene, die sich für eine durchgreifende Veränderung des Berufsbildes stark gemacht haben, scheinen zufrieden mit der Arbeit der Referenten.

Beim Deutschen Berufsverband Rettungsdienst (DBRD) in Kiel ist man hocherfreut, dass sich einiges aus der Vorlage der DBRD-Arbeitsgruppe tatsächlich im Gesetzentwurf wiederfindet: „Das Bundesgesundheitsministerium bleibt mit dem Entwurf bei seiner Linie, dass die Erweiterung des Spektrums von Behandlungsmaßnahmen durch das nichtärztliche Rettungsdienstpersonal Dreh- und Angelpunkt der verlängerten Ausbildung ist“, erklärt der Vorsitzende Marco König. Er schätzt, dass es kaum möglich sein wird, diese Maßgabe jetzt noch zurückzudrängen.

Genau diesen Punkt hält Leander Strate, Referatsleiter Rettungsdienst bei der Johanniter Unfall-Hilfe, noch nicht für ausgemacht: „Ich sehe es kritisch, dass jetzt nochmals eine Runde für Einsprüche an die Fachverbände eröffnet wurde.“ Er befürchtet, dass die Ärzteschaft alle Kräfte zusammennehmen könnte, um gegen die eigenständigen invasiven Maßnahmen durch das Rettungsfachpersonal anzurennen.

Die erste Stellungnahme der Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte (BAND) nimmt zwar die Frage der invasiven Maßnahmen durch Notfallsanitäter ins Visier, aber nur um zu vermeiden, dass die künftigen Retter durch das Ausbildungscurriculum in eine Garantenstellung für Maßnahmen geraten, für die selbst Mediziner eine Sonderqualifikation benötigen. Maßnahmen wie Narkoseeinleitung, Thoraxdrainage und Koniotomie seien geeignet, den Zwiespalt der Notkompetenz neu aufleben zu lassen.

Ferner findet der BAND-Vorsitzende Dr. Michael Burgkhardt, dass eine Schule für Notfallsanitäter auch einen verantwortlichen Arzt erfordere, wie dies auch bei anderen Heilhilfsberufen üblich sei.

Ausbildung wird deutlich teurer

Die deutlich steigenden Ausbildungskosten könnten sich noch als problematisch erweisen. So wurde ursprünglich diskutiert, dass der Azubi nach Absolvierung der RS-Ausbildung auch eigenständig Krankentransport oder als Fahrer auf dem RTW einplanbar sein sollte. Nach jetzigem Stand ist er ausschließlich als dritter Mann auf dem RTW einsetzbar. „Das verteuert die Ausbildung nicht unerheblich“, gibt Leander Strate von den Johannitern zu bedenken, „ ist aber aus pädagogischen und qualitativen Aspekten eine gute Lösung.“

Die höheren Anforderungen an die Ausbildung werden auch an den Rettungsdienstschulen nicht spurlos vorbeigehen. Von ihnen erwartet das neue Gesetz einen hauptamtlich tätigen Schulleiter mit Hochschulabschluss und eine ausreichende Zahl pädagogisch qualifizierter Lehrkräfte mit entsprechender abgeschlossener Hochschulausbildung für den theoretischen und praktischen Unterricht.

Für die Arbeitsgemeinschaft Rettungsassistentenschulen Deutschland (AgRD) ist das nach Ansicht ihres Sprechers Ingo Kolmorgen kein Grund zur Beanstandung. Die Rettungsdienstschulen stellen allerdings fest, dass die Übernahme der Ausbildungskosten ebenso unklar ist wie die Frage, wer eigentlich als Träger der Ausbildung fungieren soll. „Nach unserem Verständnis sollen die Schulen Verantwortung übernehmen“, kommentiert Kolmorgen, „müssen hierzu aber in einer vertraglichen Verbindung mit allen Beteiligten stehen.“ Hier scheinen noch einige Fragen offen.

Notfallsanitäter: Mehrkosten gegen Mehrwert

Der Berufsverband für den Rettungsdienst (BVRD), die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und das DRK wollen erst in der kommenden Woche eine Einschätzung zum Gesetzentwurf abgeben. Offenbar möchte niemand das jetzige Entwurfsergebnis durch unbedachte Einlassungen in Gefahr bringen.

Die Notwendigkeit der verlängerten Ausbildung wird mit den neuen Handlungskompetenzen des Notfallsanitäters begründet. In den Erläuterungen zum Entwurf wird gleichwohl festgehalten: „Mit der vorgesehenen Regelung beabsichtigt der Gesetzgeber ausdrücklich keinen Einstieg in ein notarztfreies Rettungssystem.“ Der Anspruch des Patienten auf qualifizierte ärztliche Hilfe bleibe unberührt.

(Foto: Markus Brändli)

52 Responses to “NotSanG: Erste Reaktionen zum Gesetzentwurf”

  1. der Münchner on Juli 16th, 2012 10:38

    @ Norman Kalteyer
    Danke, hab ich dann wohl falsch verstanden. Nur wird es dann dazu führen, dass die Umstiegsregel zur Regel wird (wie beim RA Aufbaukurs für RS).

  2. SH on Juli 16th, 2012 11:34

    @Norman:
    Um einn Berufsverbot geht es mir ja gar nicht. Viel interessanter ist die Frage, ob jemand in einem Bereich eingesetzt werden kann, oder nicht. Im Zweifel fährt der Notfallsanitäter dann eben KTW.
    Das Problem hast Du ja selbst geschildert mit: „Ich bin in Hessen tätig“. Warum muss man sich in Hessen einer jährlichen Re-zertifizieung stellen, in Baden-Württemberg aber nicht (zumindest nicht einheitlich auf Landesebene)? Warum sollen hier unterschiedliche Maßstäbe angelegt werden? Das sehe ich als eines der großen Probleme im Rettungsdienst.

    Ein weiteres schwerwegendes Problem wird ebenfalls aus Deinen Ausführungen deutlich: „weil er in einer Prüfungssituation etwas nicht konnte, was er im richtigen Leben gar nicht darf“
    1. Wenn ich in einer Prüfungssituation etwas nicht hinbekomme, was ich aber können sollte, wie sieht es denn dan im echten Einsatz aus? Soll ich dann auch sagen:“ In Ruhe könnte ich das, aber das ist mir jetzt zu stressig?“ Eine gewisse Stressresistenz sollte man in dem Beruf schon erwarten können. Dieser Kuschelkurs ist ein typisches Phänomen in unserem Land jedoch meiner Meinung nach in einem Bereich, in dem es um die Gesundheit geht, völlig unangebracht.

    2. Wenn ein Patient eine Maßnahme braucht und ich diese beherrsche, dann stehe ich m.E. ganz klar in der Pflicht, diese auch durchzuführen. Das Problem ist leider, dass einen sagen: „Das darfst Du nicht“ und die anderen es blind glauben.

    Ob ein Patient kompetent versorgt wird darf in meinen Augen nicht davon abhängen, ob er zufällig im richtigen Bundesland, im richtigen Landkreis oder bei der richtigen RTW-Besatzung gelandet ist.
    Dazu gehört eben eine einheitliche Ausbildung, ein klar definierter Mindeststandard bei der Patientenversorgung, der regelmäßig überprüft wird und vor allem die entsprechende Konsequenz bei Nichterreichung dieses Standards.

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