FDP sieht Mängel in der Luftrettung


Foto: DRF LuftrettungSchwerin (rd.de) – Die FDP-Landtagsfraktion machte wiederholt auf Mängel der Luftrettung in Mecklenburg-Vorpommern aufmerksam. Für dringende nächtliche Verlegungsflüge fehle geeignetes Fluggerät, und eine seit Januar geltende neue Leistungsrichtlinie stelle die Einsatzfähigkeit zusätzlich in Frage.

Der innenpolitische Sprecher der FDP im Schweriner Landtag, Gino Leonhard, kritisierte gegenüber der „Norddeutschen Neuesten Nachrichten“, dass es in Mecklenburg-Vorpommern keine Nachtflug-fähigen Verlegungshubschrauber gäbe. Dass die Johanniter in Rostock gemeinsam mit der Firma Rotorflug einen 24-Stunden-Intensivhubschrauber betreiben, scheint ihm entgangen zu sein.

Ein weiteres Problem sei nach Aussage des FDP-Innenexperten die Umsetzung der novellierten europäischen Joint Aviation Requirements (JAR) zum 1. Januar 2010. Dies führe dazu, dass der in Greifswald stationierte „Christoph 47“ nicht mehr mit vollen Tanks fliegen dürfe, um das zulässige Startgewicht nicht zu überschreiten. Die Folge sei eine Einschränkung der Einsatzreichweite.

Neue Richtlinie schränkt Einsatzfähigkeit bundesweit ein

Die von der FDP Mecklenburg-Vorpommern vorgetragene Gefährdung der Einsatzbereitschaft durch die verschärften technischen Anforderungen der „JAR OPS 3“ trifft derzeit allerdings ebenfalls nicht zu. Das Bundesverkehrsministerium hat die Regelung bis zur Jahresmitte 2010 ausgesetzt. Die Freien Demokraten haben aber zumindest insofern Recht, als dass es dauerhaft durch die „JAR OPS 3“ zu Problemen kommen könnte.

Zum Hintergrund: Die verschärften technischen Anforderungen dieser europäischen Sicherheitsvorschrift sieht Hubschrauber vor, die bei voller Zuladung und unter allen Einsatzbedingungen den Kriterien der so genannten Flugleistungsklasse 1 entsprechen müssen. Weil an vielen Krankenhäusern die Umgebung des Landesplatzes nicht völlig frei von Hindernissen ist, dürfen dort demnächst eigentlich nur noch Hubschrauber verkehren, die selbst mit voller Beladung beim Ausfall von einem der zwei Triebwerke sicher landen und starten können. Probleme bringt diese Leistungsrichtlinie auch in größeren Höhen wie Gebirgslagen und bei sehr warmer Luft.

Die bekannten Hubschraubermuster der deutschen Luftrettung wie EC 135 und BK 117 erreichen diese Zielvorgaben nicht ganz. Es gibt aber auch kaum andere in Frage kommenden Hubschraubermodelle, die diese technische Anforderungen zu 100 Prozent erfüllen können. Als Konsequenz werden Rettungshubschrauber tatsächlich nicht immer randvoll betankt.

Keine gravierende Einschränkung

„Der Mass-and Balance-Check ist bei jedem Dienstbeginn die übliche Routine“, erklärt hierzu Petra Hentschel, Pressesprecherin der DRF Luftrettung. Abhängig von Witterungsbedingungen und der geplanten Zuladung berechnen die Piloten, wie viel Treibstoff getankt werden kann. „Diese Maßnahme schränkt die Einsatzfähigkeit unserer Hubschrauber in keiner Weise ein“, stellt Hentschel klar. „Bei einem Einsatzradius von etwa 50 Kilometern ist es unerheblich, ob die maximale Reichweite des Hubschraubers nun 500 oder nur 450 Kilometer beträgt.“

Lösung dringend gesucht

Die möglichen Auswirkungen der verschärften europäischen Anforderungen der „JAR OPS 3“ sind damit noch nicht vom Tisch.

Bei den Krankenhauslandeplätzen gibt es noch Modernisierungsbedarf.

Bei den Krankenhauslandeplätzen gibt es noch Modernisierungsbedarf.

Klaus Steitmann, Plaungsingenieur für Luftverkehrs- und technische Infrastrukturplanung, sieht bei den Krankenhauslandeplätzen in Deutschland viel Modernisierungsbedarf: „Nach unseren Erfahrungen dürften zwei Drittel der Krankenhauslandeplätze den neuen Anforderungen nicht voll entsprechen.“

An dieser Stelle ist die Kritik der FDP an den Vorbereitungen in Mecklenburg-Vorpommern berechtigt: „Es stimmt. Hier hat das Land zu wenig getan“, bestätigt Uwe Knust, stellvertretender Stationsleiter der Ambulanzflug-MV in Rostock. Es gäbe kaum Landeplätze, die unter den verschärften Bedingungen der „JAR OPS 3“ angeflogen werden könnten. Der seit wenigen Monaten eingesetzte Verlegungshubschrauber vom Typ AS 365N in Rostock entspricht aber der Leistungsklasse 1 und kann dort weiterhin landen.

Ein Ausweg aus dem Dilemma wäre, die Krankenhauslandeplätze als Landesplätze von öffentlichem Interesse zu deklarieren. Im Anhang der „JAR OPS 3“ ist ausgeführt, dass solchen Landeplätze Ausnahmen zugesprochen werden können. Doch ob dieser Ausweg wirklich gangbar ist, bleibt fraglich. „Wenn ein Hubschrauber regelmäßig einen solchen Landeplatz anfliegt“, erklärt Klaus Steitmann, „muss der Platz den strengen Anforderungen entsprechen. Die Ausnahmeregelung gilt eben nur für Ausnahmen.“

Pikant allemal: Der umstrittene Regelungsentwurf der Joint Aviation Authorities (JAA) ist seit zehn Jahren bekannt.

One Response to “FDP sieht Mängel in der Luftrettung”

  1. Hubidet on April 23rd, 2010 13:03

    Hallo,

    irgendwie verstehe ich die ganze Diskussion nicht! Sicherheit an oberste Stelle ja. Aber wie weit wollen wir sie treiben. Zwei Triebwerke so dimensioniert, dass eins unter allen Bedingungen in der Lage ist den Flug fortzusetzen, ist ja von der Forderung in Ordnung. Was ist aber mit dem Getriebe, dem Heckrotor und allen übriegen Komponenten die nur einmal vorhanden sind?? Ausreichend groß mit einem sehr starken, technisch gut überwachtem Triebwerk so sollte ein Verlegungshubschrauber sein. Alles andere treibt nur die Kosten in exorbitante Höhen. Nun zu den Landeplätzen. In der Primär Rettung wird auf kleinstem Raum gelandet. Bei den Krankenhäusern sollen nun aber ausgewiesene und von der Regierung zugelassene Landeplätze installiert werden. Kostet auch nur viel Geld und muß von der Allgemeinheit bezahlt werden.

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