Expertenanhörung zur NotSan-APrV


Bonn (rd.de) – Bis zum 12. Juli 2013 hatten Verbände und Organisationen Zeit, dem Bundesgesundheitsministerium Anmerkungen zum Entwurf der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Notfallsanitäter (NotSan-APvR) mitzuteilen. Zwischenzeitlich gab es zwei Anhörungen – je eine für die Bundesländer und Verbände. Dabei wurde deutlich, wo es im Entwurf noch Nachbesserungen geben könnte.

Nahezu einhellig wurde an dem Entwurf kritisiert, dass sich das NotSanG nicht ausreichend in der APrV wiederfindet. Der Deutsche Berufsverband Rettungsdienst (DBRD) hatte schon im Vorfeld bemängelt: „Ziel des Gesetzes und dem nun vorliegendem Entwurf der NotSan-APrV ist es, ein zukunftsfähiges Rettungsdienstsystem in Deutschland sicherzustellen. Aus unserer Sicht gelingt dies mit der vorliegenden APrV nicht. Sie bleibt deutlich hinter den Zielen des NotSanG zurück.“ Seitens des Bundesministeriums wurde angedeutet, den Entwurf in dieser Hinsicht nochmals zu überarbeiten.

Zahlreiche Interessenvertreter bemängelten auch die Absicht, wonach der Ärztliche Leiter Rettungsdienst (ÄLRD) eine zentrale Rolle in der Ausbildung einnehmen sollte. „Eine Ausbildungsordnung der angehenden Notfallsanitäter auf den Vorgaben eines Ärztlichen Leiters aufbauend zu gestalten ist jedoch nicht nur ungeschickt, sondern schlichtweg unmöglich“, schreibt der ASB in seiner Stellungnahme. „Der Ärztliche Leiter Rettungsdienst ist … jeweils für einen Landkreis oder eine kreisfreie Stadt zuständig. Daher ist zu befürchten, dass es zu gravierenden lokalen und regionalen Unterschieden in der Qualifikation der Notfallsanitäter kommen wird“, so der ASB. Stattdessen sollten nach Meinung verschiedener Verbände die Handlungsempfehlungen der medizinischen Fachgesellschaften zugrunde gelegt werden.

Rolle des Ärztlichen Leiters Rettungsdienst

Kritik von mehreren Seiten gab es auch an dem Plan, für die Ergänzungsprüfung nur einige Schulen zuzulassen. „Es ist nicht ersichtlich, welche besonderen Kriterien, außerhalb des Notfallsanitätergesetzes, die Durchführung der Ergänzungsprüfungen an bereits staatlich anerkannten Rettungsassistentenschulen nicht ermöglichen sollte“, heißt es seitens der Arbeitsgemeinschaft Rettungsassistentenschulen Deutschland (AgRD). „Sofern der Verordnungsgeber hier einen Marktbereinigungsprozess der freien Rettungsassistentenschulen anstrebt, sei … darauf hingewiesen, dass allein die 38 Mitgliedsschulen der AgRD zum gegenwärtigen Zeitpunkt über 2000 Schüler, also mehr als die Hälfte aller in Deutschland pro Jahr ausgebildeten Rettungsassistentinnen und Rettungsassistenten, ausbilden.“

Weitere Anhörungstermine sind nicht geplant. Ziel ist es, die NotSan-APrV noch in diesem Jahr zu verabschieden. Der Bundesrat wird sich voraussichtlich am 11. Oktober 2013 mit der Verordnung befassen.

(23.07.2013, Foto: Markus Brändli)

13 Responses to “Expertenanhörung zur NotSan-APrV”

  1. knut on Juli 23rd, 2013 17:37

    ich glaube es ja nicht.es scheint,das es immer schlimmer wird und zum schluss derselbe müll raus kommt,wie beim rett ass

  2. Mike on Juli 24th, 2013 13:54

    Die AprV ist in der Tat nicht so ausgefallen, wie sich das viele erhofft hatten. Ich drücke uns die Daumen, dass noch seitens der Politik nachgebessert wird und das Modell ÄLRD endlich überholt wird. Ein ordentlicher Ausbildungsberuf NFS kann nicht, wie das veraltete RettassG, allen 30km neuen regionalen Guidelinies unterliegen. Der aktuelle Zustand ist untragbar für Rd’ler und Patienten. Wobei die Patienten zum Glück nicht wissen, in was für einer kranken, kranken Welt sie leben.
    Grüße Mike

  3. Ingo on Juli 24th, 2013 16:23

    Ich denke da wird Knut recht haben.
    Zuerst Bundesgesetz.
    Jetzt werken die Länder, Rettungsdienst Organisationen (aller Art) und was weiß ich nicht noch alles dazwischen.
    Letztlich wird dies wieder eine Luftnummer ohne Erfolg!
    Gesetz soll Gesetz bleiben, da hat auch kein ÄLRD dazwischen zu funken!
    Wem es nicht passt, sollte mal überdenken, ob er richtig am Platz ist.
    Der Staat will es so, so soll er auch dafür sorgen, das alles passt.

  4. Ronny on Juli 25th, 2013 22:27

    Ich denke das da viel zu viel auf Unterschiede gespielt wird. Die einheitliche Ausbildung in allen Ehren, aber zu viele Köche verderben den Brei.

    Das wird wohl wieder werden wie beim RettAss das regional mächtige Unterschiede entstehen.

    Na dann Prost Mahlzeit.

  5. Nico on August 8th, 2013 23:48

    das Gesetz ist sowas von undurchdacht……
    ich(Urkunde 01/11 bekommen) habe am Ende der Frist(der anrechnungsfähigen Arbeitsjahre) keine 3 Jahre Berufserfahrung vorzuweisen. Das heisst für mich ich muss die 960std Ausbildung SAMT RW- und KH-Praktikum absolvieren. meine alten Kollegen wurden noch vom RS übergeleitet, haben praktisch eine Uraltausbildung bekommen und können jetzt sofort die Prüfung absolvieren……

  6. doggi on August 9th, 2013 11:07

    @Nico: so ist das Leben eben. vergiss bitte nicht, sehr viele der betreffenden Kollegen/innen machen aber auch schon seit 1989 Dienst und verfügen über einen großen Erfahrungsschatz.

  7. Olaf on August 9th, 2013 16:04

    Viele vergessen den Erfahrungsschatz und woher Sie gekommen sind.

  8. S. Knist on August 10th, 2013 17:12

    „Erfahrung“ ersetzt nicht aktuelle Traumaausbildung. „Erfahrung“ lehrt einen keine neuen Therapierichtlinien für Krankheitsbilder. „Erfahrung“ kann nicht die Rechtfertigung sein, mehr Kompetenzen ohne Überprüfung auszusprechen.

    Entweder werden alle nachgeschult, oder keiner. Erfahrung in allen Ehren, aktuelle, fachliche Ausbildung darüber!

  9. doggi on August 12th, 2013 11:25

    @ S. Knist : im Rahmun unserer regelmäßigen Fortbildungen unter ärztlicher Leitung sind aktuelle Traumaausbildung, neue Therapierichtlinien für Krankheitsbilder neben vielen anderen Themen regelmäßige Inhalte. Ich wehre mich auch gar nicht gegen Nachschulungen, finde die jetzigen, mir bekannten, Nachschulungsmodalitäten aber vollkommen korrekt. jeder aktiv tätige Kollege / in wird mir Recht geben, das ein RA frisch von der Schule in der Praxis noch viel lernen muss und das nennt man meines Wissens Erfahrung.

  10. Hanseretter on August 12th, 2013 15:11

    Zu S. Knist

    Ich kann mich doggi nur anschließen und ergänzen.
    Ich muss regelmäßig Fortbildungen machen um auf den neuesten Stand des regelgerechten Rettungsdienstes gebracht werden.
    Sollte ich jetzt einmal zwischendurch eine Prüfung machen müssen, um mich NS schimpfen zu dürfen, ändert das nix daran, dass auch dieser Stoff schon ein Jahr später wieder überholt sein kann und man was Neues lernen muss.

  11. tangotango on August 12th, 2013 18:05

    Genau Hanseretter, du sagst es, wenn auch ungewollt. Erfahrung ist relativ wenig wert, zumindest in dem Sinne, wie es hier gemeint ist.
    Es spielt kaum eine Rolle, ob jemand 20 Jahre oder 20 Tage dabei ist.. _aktuelles_ Wissen zählt.

  12. Hanseretter on August 14th, 2013 11:21

    Wenn es um den Besitz einer Urkunde geht, zählt Erfahrung fast nie was….

    All die Autofahrer, die eine Fahrerlaubnis besitzen, und trotzdem nicht fahren können, belegen dass!

  13. Nico on August 21st, 2013 22:41

    Ihr habt alle nicht unrecht, doch kennt sicherlich auch jeder ein Beispiel für die 2 Seiten der Medaille: den erfahrenen, gut aus und fortgebildeten(wir haben einen, der nebenbei seinen US-Paramedic, ITLS,PHTLS, Heilpraktiker, selbst NAs fragen ihn bei Medikamentendosierungen nach Rat) Kollegen, doch auch die andere Seite: den Kollegen, der jährlich die 2 Wochenenden FoBi als Urlaub sieht und sonst nix macht….es geht mir auch nicht um die RD- Erfahrung, sondern um die Tatsache, dass ich als „frischer“ RA, der erst vor 5 Jahren im KH Praktikum war, dort nochmals hin muss……und da darf ich behaupten, dass ich, wenn es um neue Techniken/Gerätschaften/auch OP-Techniken sicherlich auf einem aktuelleren Stand bin, als so mancher übergeleiteter!

Möchten Sie einen Kommentar schreiben?