Cardio Angel für den Landkreis Kronach


Kronach (pm) – Die Frankenwaldklinik Kronach und der Kreisverband Kronach des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) haben gemeinsam das Konzept „Cardio Angel“ etabliert: Bereits vom Notfallort aus übermittelt der Rettungsdienst ein 12-Kanal-Elektrokardiogramm (EKG) sowie wichtige Informationen über den Zustand des Patienten per GPRS-Verbindung an die Frankenwaldklinik. Das dortige Ärzteteam kann so bereits vor Eintreffen des Notfallpatienten in der Klinik die individuelle Versorgung des Patienten optimal vorbereiten.

Mehrjährige Erfahrungen mit diesem Konzept in anderen Regionen in Deutschland belegen wissenschaftlich fundiert, dass auf diese Weise wertvolle Zeit bei der Versorgung von Herzinfarktpatienten gewonnen werden kann.

„Wir freuen uns sehr, dass es der Frankenwaldklinik Kronach und dem BRK gemeinsam gelungen ist, dieses Konzept für die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Kronach aufzubauen“, erklärte Oswald Marr, Landrat und 1. Vorsitzender des BRK Kreisverbands Kronach. „‚Nur Engel fliegen schneller’ – so lautet zu Recht das Motto des Cardio Angel. Das Konzept bedeutet eine wesentliche Verbesserung der Versorgung von Herzinfarktpatienten in unserem Landkreis.“

Unter Leitung von Projektkoordinator Uwe Kippnich wurde Cardio Angel seit September vergangenen Jahres schrittweise aufgebaut. Neben der technischen Installation wurden Schulungen und Simulationsübungen durchgeführt und die Behandlungsstrategie erarbeitet. So sind alle Maßnahmen der an der Herzinfarktversorgung beteiligten Partner optimal aufeinander abgestimmt.

Patientenversorgung ohne Zeitverlust

Im Rahmen des Cardio Angel kommt ein mobiler Computer zum Einsatz, mit dem künftig alle Rettungswagen des BRK im Landkreis Kronach ausgestattet sind. Wird der Rettungsdienst zu einem Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt gerufen, gibt er noch am Notfallort alle Informationen – unter anderem Beginn und Stärke der Schmerzen, eingenommene Medikamente, bestehende Vorerkrankungen sowie die aktuellen Blutdruckwerte – in den Computer ein, die für die medizinische Einschätzung des Notfalls relevant sind. Zusätzlich wird das vor Ort erstellte 12-Kanal-EKG an die Klinik übertragen.

Der Empfang der Daten löst in der Klinik einen „Cardio Angel Alarm“ aus. Auf der Basis der gesendeten Informationen leitet der diensthabende Kardiologe alle notwendigen Vorbereitungen ein. Hierfür kann er zusätzlich per Telefon Rücksprache mit der Besatzung im Rettungswagen halten, deren Kontaktdaten zeitgleich übermittelt werden. Die Rettungsleitstelle wird über den Datenversand informiert und stellt sicher, dass die Kommunikation und der Transport einwandfrei verlaufen.

Bei Eintreffen des Patienten kann ohne Zeitverlust mit Diagnostik und Therapie begonnen werden. Stellt der Kardiologe anhand des übertragenen 12-Kanal-EKG fest, dass ein Verschluss bzw. eine starke Verengung einer Koronararterie sofort behandelt werden muss, wird der Patient vom Rettungsteam direkt ins Herzkatheterlabor gebracht.

Überregionaler Erfolg

Das Konzept wurde 2005 als Gemeinschaftsprojekt der Neurologischen Klinik Bad Neustadt, des Forschungszentrums Informatik Karlsruhe (FZI), des BRK und der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ins Leben gerufen und kommt seitdem unter dem Namen „Stroke Angel“ für die Schlaganfallversorgung erfolgreich zum Einsatz. Im Rahmen der Versorgung von Herzinfarktpatienten wird es seit 2008 angewandt. Mit dem System wurden bereits Patienten in fünf deutschen Regionen (Bad Neustadt a. d. Saale, Bad Kissingen, Dachau, Fulda und Uelzen) versorgt.

Die zeitlichen und qualitativen Verbesserungen der Notfallversorgung durch Cardio Angel belegen die Ergebnisse des FZI, das die Entwicklung des Konzepts kontinuierlich evaluiert. Im Sinne eines integrierten Qualitätsmanagements werden Daten zum Rettungseinsatz, zum stationären Verlauf und Gesundheitsverlauf des Patienten anonymisiert erhoben und analysiert. Die Auswertungen werden mit den Rettungsteams und allen Beteiligten im Rahmen von Feedbacksystemen und Workshops diskutiert und bilden die Basis eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses.

Im Rahmen der Herzinfarktversorgung konnte bereits gezeigt werden, dass der Patient bei Einsatz von Cardio Angel deutlich schneller im Herzkatheterlabor eintrifft als ohne telemedizinische Anbindung des Rettungsdienstes. Wissenschaftlich begleitete Prozessanalysen haben gezeigt, dass sich eine Zeitersparnis von bis zu 50 Prozent ergibt.

„Dieser Zeitgewinn kann für den Erfolg der Therapie entscheidend sein“, erklärt Dr. Petra Wacker, Chefärztin der Abteilung für Kardiologie an der Frankenwaldklinik. „Bei der Herzinfarktbehandlung zählt jede Minute. Das Zeitintervall zwischen dem Erstkontakt des medizinischen Personals mit dem Patienten und der Wiedereröffnung der Herzkranzarterie im Herzkatheterlabor sollte 90 Minuten nicht überschreiten.“

Zusammenarbeit zum Wohle der Patienten

„Mit der Frankenwaldklinik Kronach als wichtigster Einrichtung im Landkreis für die stationäre Leistungserbringung und dem BRK-Kreisverband mit seinem landkreisweiten Netzwerk für Rettung, Betreuung, Beratung und Pflege kooperieren zwei starke Partner für noch mehr Sicherheit“, so BRK-Kreisgeschäftsführer Roland Beierwaltes. „Das Cardio Angel-Projekt schafft vor allem die technischen Voraussetzungen, das Wissen und die Erfahrung gut ausgebildeter Rettungskräfte und Ärzte vor Ort schnellstmöglich an das Mitarbeiter- und Ärzteteam in der Klinik weiterzugeben und damit entscheidende Zeit für den Patienten zu gewinnen.“

„Allen Beteiligten gebührt großer Dank für das große persönliche Engagement, das hinter dem Aufbau des Cardio Angel steht“, so Geschäftsführer Marcus Plaschke. „Das Konzept ist ein weiterer Baustein in der sehr engen und guten Zusammenarbeit unserer Klinik mit dem BRK, die in direkter Weise den Patienten zugute kommt.“

 

(Foto: Frankenwaldklinik / Rhön-Klinikum AG)

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