Produkt: Rettungs-Magazin 5/2019 Digital
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Intraossärer Zugang: Die EZ IO im Rettungseinsatz

Intraossaerer_ZugangBremen (rd_de) – Ein intraossärer Zugang (i.o.-Zugang) war lange Zeit eine Maßnahme, die in Deutschland nur bei pädiatrischen Notfällen zur Anwendung kam. Mehr als 400 wissenschaftliche Arbeiten haben sich in den letzten Jahrzehnten mit dem i.o.-Zugang beschäftigt. Erst die ERC-Guidelines von 2005 führten dazu, dass sich Notfallmediziner hierzulande stärker für diesen alternativen Zugangsweg zu interessieren begannen. Teilweise dürfen mittlerweile auch Rettungsassistenten den i.o.-Zugang nutzen. Am Beispiel des EZ IO-Systems erklären wir die korrekte Handhabung.

Und so wird’s gemacht:

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Intraossärer Zugang, hier die EZ IO von Fa. Vidacare.
Intraossärer Zugang, hier die EZ IO von Teleflex.

 

Ertasten der Punktionsstelle an der proximalen Tibia.
Ertasten der Punktionsstelle an der proximalen Tibia.

 

Die Haut wird nach der Desinfektion an der Punktionsstelle durchstochen, bis der Widerstand des Knochens gespürt wird.
Die Haut wird nach der Desinfektion an der Punktionsstelle durchstochen, bis der Widerstand des Knochens gespürt wird.

 

Die EZ IO wird senkrecht nach oben entfernt und zur Seite gelegt.
Die EZ IO wird senkrecht nach oben entfernt und zur Seite gelegt.

 

Der Trokar wird mit 2 - 3 Umdrehungen gegen den Uhrzeigersinn aus der i.o.-Nadel gezogen.
Der Trokar wird mit 2 – 3 Umdrehungen gegen den Uhrzeigersinn aus der i.o.-Nadel gezogen.

 

Aufspülen des Intraossärraums mit 10 ml Kochsalzlösung.
Aufspülen des Intraossärraums mit 5 – 10 ml Kochsalzlösung.

 

Intraossärer Zugang: 10 Tipps für die Praxis

  1. Alle kritisch kranken oder verletzten Patienten, die innerhalb kürzester Zeit Flüssigkeiten und/oder Medikamente benötigen und bei denen das Legen eines peripher-venösen Zugangs sehr zeitaufwendig ist bzw. nicht gelingt, benötigen einen i.o.-Zugang.
  2. Die benötigte Zeit bis zum Erreichen notwendiger Plasmakonzentrationen ist vergleichbar mit einer Medikamentengabe über einen zentralvenösen Katheter. In dieser Hinsicht ist ein intraossärer Zugang dem peripher-venösen Zugang also deutlich überlegen.
  3. Insbesondere im Hinblick auf den i.o.-Zugang wird die Epiphysenfuge häufig als besondere Gefahrenstelle hervorgehoben. Auch wenn nicht bekannt ist, dass es nach einer versehentlichen Punktion dieser Fuge zu Wachstumsstörungen oder Knochendeformierungen gekommen ist, sollte dieser Bereich zur Punktion gemieden werden.
  4. Dislokationen und eine nachfolgende Extravasation können vermieden werden, wenn die Intraossär-Nadel nach der Platzierung umgehend manuell fixiert und direkte Manipulationen an der Nadel unterlassen werden.
  5. Schmerzen entstehen beim i.o.-Zugang kaum. Auf einer Skala von 0 bis 10 wird der Punktionsschmerz bei Patienten (GCS ≥ 13) mit 3,3 bzw. 3,4 angegeben.
  6. Ein intraossärer Zugang darf nicht verwendet werden, wenn der für die Punktion vorgesehene Knochen frakturiert ist. Insbesondere dann, wenn die Fraktur proximal des geplanten Punktionsortes liegt.
  7. Untersuchungen haben gezeigt, dass beispielweise nach Punktion des proximalen Humerus höhere Infusionsraten, eine schnellere Wirksamkeit von Medikamenten und geringere Schmerzen bei der Applikation der Flüssigkeiten oder Medikamente erzielt werden konnten.
  8. Unabhängig, für welchen Punktionsort man sich entscheidet, direkt nach dem Aufsuchen muss der Punktionsort ausreichend desinfiziert werden. Es ist darauf zu achten, dass die Einwirkzeit des Desinfektionsmittels eingehalten wird.
  9. Zuerst durch die Haut stechen, bis der Widerstand des Knochens spürbar ist. Erst jetzt wird bei der EZ IO der Bohrerschalter bedient und die Nadel in den Knochen gedreht. Hierbei ist es wichtig, dass ohne Kraftaufwand gebohrt wird. Die EZ IO allein verrichtet die Arbeit.
  10. Während der Infusionstherapie sollte die Punktionsstelle immer wieder kontrolliert werden. So lassen sich Probleme frühzeitig erkennen und rechtzeitig beheben.

Bericht auf rettungsmagazinTV zur EZ IO:

(Text und Fotos: Thomas Semmel, Notfallsanitäter, Dozent im Rettungsdienst, ERC Educator und ALS-Instruktor; zuletzt aktualisiert: 23.04.2018)[2671]

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Guten Tag.
    Ich möchte diese Gelegenheit nutzen um die Nachteile für den Patienten hervorzuheben!
    Ich rief vor einigen Tagen, wegen starker thorakaler Schmerzen den Notarzt. Verdacht auf Hinterwandinfarkt. Die eintreffenden Rettunssanutäter versuchten mir einen Venösen Zugang zu legen. Ohne Erfolg. Bei Eintreffen des Notarztes versuchte er es ebenfalls über die üblichen Venenverweikatheder. Ebenfalls ohne Erfolg. Dann entschloss er sich mir einen Zugang in das Knochenmark des r. Schienbein zu legen. Ohne Erfolg. Es war derart schmerzhaft das ich dachte er sägte an meinem Schienbein herum. Auch die Gabe von Medikamenten war überhaupt nicht zu ertragen und versagte zudem noch. Also ein 2. Versuch am li. Schienbein, mit dem gleichen Ergebnis.
    Daraufhin ging er dazu über mir einen Zentralen Venenkatheter in den Hals zu legen. Das hatte sofort Erfolg und mir konnten nun endlich alle benötigten Medikamente appliziert werden. Er legte mich dann umgehend in eine Narkose.
    Dieses System ist wohl das Mittel der Wahl wenn es schnell einen Zugang für Medikamente braucht.
    Allerdings nicht für Patienten die bei vollem Bewusstsein diese Prozedur miterleben müssen!!! Ich habe in meinem ganzen Leben er noch nie etwas schmerzhaftrres über mich ergehen lassen müssen. Was nutzt es wenn der Notarzt einen solchen Zugang wählt, der Patient aber schlimmeres ertragen muss. Und es hört ja nach der Platzierung dieses Zugangs nicht auf. Die gabe von Medikamenten ist noch schmerzhafter als die eigentliche Prozedur.
    Also liebe, hochgeschätzten Notfallärzte, genau abwägen was für den Patienten zu ertragen ist! Zu allem Übel habe ich nun auch noch eine schwere Entzündung der Punktionsstelle, die bereits die Krochenhaut meines Schiebeinsknochen erreicht hat.

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  2. Bei mir wurde am 30.10.2019 im Notarztwagen so ein Zugang gelegt. Ich war klinisch tot, musste reanimiert und defibrilliert werden. Ich habe zwar logischerweise nichts von dem Eingriff gemerkt aber das unfachmässige Entfernen später durch Pflegekräfte im KH tat höllisch weh. Jetzt, 6 Monate nach dem Eingriff, habe ich immer noch Schmerzen am Schienbein, zunehmend schlimmer, muss die Tage Arzt aufsuchen.

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