Wie viele Notfälle landen bei der Patientenservice-Nummer 116 117?

(Bild: Markus Brändli)Berlin (Zi) – 2021 sind 1,2 Millionen Anrufer, die sich an die Patientenservice-Nummer 116 117 wandten, mittels Software ersteingeschätzt worden. Wie das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) jetzt mitteilt, wurden etwa drei Prozent als medizinischer Notfall klassifiziert und an den Rettungsdienst übergeben.

Das Informationssystem bietet einen transparenten Einblick, bei welchen akuten Gesundheitsbeschwerden und von welchen Altersgruppen die bundeseinheitliche Rufnummer des Patientenservice kontaktiert wird.

Anzeige

2021 sind 1,2 Millionen Anrufende bei der 116 117 mit der Strukturierten medizinischen Ersteinschätzung in Deutschland (SmED) ersteingeschätzt worden. Im Durchschnitt dauerte die telefonische Ersteinschätzung 150 Sekunden. In dieser Zeit stellten die Fachpersonen mit Unterstützung der SmED-Software durchschnittlich 17,8 Fragen und dokumentierten durchschnittlich 1,5 Beschwerden pro Anrufer.

Im Ergebnis sind 2021 rund drei Prozent der Anrufenden als medizinische Notfälle erkannt worden. Dies zieht in der Regel die sofortige Weitergabe an den Rettungsdienst (Rufnummer 112) nach sich. Aufgrund der am Telefon geschilderten Symptome ist bei der Mehrheit der Anrufenden eine vertragsärztliche Abklärung innerhalb von 24 Stunden als sinnvoll erachtet worden. Lediglich bei 19,5 Prozent der Anrufenden konnte keine dringliche Behandlungsbedürftigkeit festgestellt werden. Eine Zusammenführung mit den Daten der nachfolgenden medizinischen Versorgung ist noch nicht möglich.

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) stellt ab sofort unter https://smed.ziapp.de bundesweit aggregierte Auswertungen der medizinischen Ersteinschätzungen bereit, die über die Patientenservice-Nummer 116 117 ausgeführt worden sind.

Damit stehen erstmals deutschlandweit Informationen zu den Symptomen für die Inanspruchnahme der Akut- und Notfallversorgung in monatlicher und wöchentlicher Auflösung öffentlich zur Verfügung. Für das 1. Quartal 2022 können die Daten zunächst nur mit einer mehrwöchigen Verzögerung abgebildet werden. Ab Mai 2022 ist die Umstellung auf eine tägliche Aktualisierung der Daten geplant.

„Die strukturierte medizinische Ersteinschätzung unterstützt Fachpersonen dabei, bei der 116117 Anrufende schnell und zuverlässig eine angemessene medizinische Versorgung zu vermitteln. Monatlich finden derzeit rund 130.000 telefonische Einschätzungen statt, Tendenz steigend. Auf dieser Grundlage können wir mit unserem neuen Informationssystem nahezu in Echtzeit Veränderungen bei gesundheitlichen Beschwerden erkennen, wegen der sich die gesetzlich Versicherten an die Rufnummer 116117 wenden“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried. „So lassen sich zum Beispiel Rückschlüsse auf das Infektionsgeschehen in Deutschland ziehen. Zudem sind tageszeitliche und saisonale Muster erkennbar. Wir hoffen deshalb, dass diese Daten in Zukunft auch genutzt werden können, um relevante Entwicklungen frühzeitig zu erkennen. Dadurch könnten Einrichtungen der medizinischen Versorgung wirksam vorbereitet werden.“

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Man sollte eine Umfrage in der Bevölkerung starten , in der Patienten ihre Erfahrungen mit der 116117 bewerten.
    Auf das Ergebnis wäre ich gespannt.
    Leider wird der Rettungsdienst immer wieder (und immer mehr) als Ersatz für den ÄNB mißbraucht.

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.