Produkt: Rettungs-Magazin 5/2019 Digital
Rettungs-Magazin 5/2019 Digital
Interview zur Interschutz 2020+++Reportage Christoph Westfalen+++Drohneneinsatz im Katastrophenschutz+++Rettungsdienst in Bremerhaven+++Erster RTW von MAN

Richtiges Verhalten bei Augenverletzungen

(Bild: Daniil Kuželev/unsplash.com)Stuttgart (DOG) – Bis zu 95 Prozent der Augenverletzungen sind leicht und können meist ambulant behandelt werden. Die restlichen fünf Prozent führen allerdings häufig zu einer lebenslangen Behinderung. Darauf wies die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) auf ihrem diesjährigen Online-Kongress (09. – 11.10.2020) hin.

„Wie stark die Verletzung Berufsfähigkeit und Privatleben beeinträchtigt, hängt davon ab, wie schnell die Behandlung erfolgt“, erläutert Professor Dr. med. Wolfgang Schrader, Chefarzt der Abteilung für Augenheilkunde an der Rotkreuzklinik Würzburg. Deshalb sollten Unfallopfer umgehend einen Augenarzt aufsuchen. „Nur am Untersuchungsmikroskop kann entschieden werden, ob es sich um eine leichte oder eine ernsthafte Verletzung handelt.“ Auch eine scheinbar glimpflich verlaufende Augenverletzung noch Jahre später zu Folgekomplikationen wie Grünem Star, Grauem Star oder Netzhautablösung führen kann.

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Bei Verätzungen sofort Augen spülen

Verätzungen zählen zu den besonders ernsten Verletzungen, bei denen oft noch Jahre später Folgeoperationen nötig sind. Auslöser von Verätzungen sind heute neben Kalk und Natronlauge vor allem Industriereiniger, hochkonzentrierte Waschmittel und hochgiftige Flusssäure, die in Industrie und Wissenschaft Verwendung findet. „Im Fall von Verätzungen sind Erstmaßnahmen am Unfallort entscheidend“, erklärt Schrader. Das bedeutet: Den Rettungsdienst rufen und möglicherweise ätzende Partikel mechanisch aus dem Augen entfernen. „Dann sofort das Auge ausgiebig mit Wasser spülen, notfalls auch mit Limonade oder Bier“, erläutert der DOG-Experte. Wenn anschließend das Auge noch 15 Minuten in der Klinik gespült wird, reduziert sich die Rate an schweren Verätzungen um 75 Prozent.

Schutzbrille bei Squash und Golf

Während sich noch vor 100 Jahren die meisten Augenverletzungen am Arbeitsplatz ereigneten, passieren Unfälle heute zum überwiegenden Teil bei Freizeitaktivitäten, im Sport oder bei Heimwerkertätigkeiten. „In diesen Bereichen ließen sich durch relativ einfache Sicherheitsmaßnahmen 90 Prozent der Augenverletzungen vermeiden“, erklärt Schrader. „Motorbetriebene Geräte für die Werkstatt und den Garten beispielsweise sollten nur mit geeignetem Augenschutz und Sicherheitshandschuhen verkauft werden.“

Im Sportbereich gilt Squash als besonders gefährlich für die Augen. „Das liegt am ungünstigen Größenverhältnis des Balls, der nicht am Knochen aufprallt, sondern ungehindert zum Augapfel vordringen kann“, erklärt Dr. med. Ameli Gabel-Pfisterer vom Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam. „Wir empfehlen deshalb eine Schutzbrille beim Squash, aber auch beim Golfen – wie es etwa in England oder in den USA bei Turnieren schon zwingend vorgeschrieben ist“, setzt die DOG-Expertin hinzu. Opfer von Sportverletzungen der Augen sind zu 75 Prozent Männer.

Bleibende Sehschäden durch Feuerwerkskörper

Kinder und Jugendliche wiederum werden besonders häufig Opfer von Augenverletzungen durch Feuerwerkskörper. „Der Anteil der Heranwachsenden an diesen Unfällen beträgt 40 Prozent“, berichtet Gabel-Pfisterer. „Bei Kindern sind meist Knallkörper die Ursache.“ Ebenfalls alarmierend: Etwa die Hälfte aller Unfälle durch Böller & Co. trifft Zuschauer und Passanten – also Unbeteiligte.

Rund ein Viertel aller Feuerwerks-Augenverletzungen sind schwer und müssen stationär behandelt werden. „Durch die Kombination von mechanischen, chemischen und thermischen Einwirkungen können Feuerwerkskörper zu schweren Oberflächenverletzungen, stumpfen Augenprellungen oder Zerreißungen des Augapfels führen, die trotz intensiver Therapie nur mit bleibenden Schäden abheilen“, erläutert Gabel-Pfisterer. Eine Auswertung der Leipziger Universitäts-Augenklinik zeigt, dass Patienten mit schweren Feuerwerks-Augenverletzungen nach Abschluss der Behandlung nur eine mittlere Sehschärfe von 20 Prozent blieb.

Diskussion über Verbot von privatem Feuerwerk

Aus diesem Grund plädieren die deutschen Augenärzte wie viele ihrer internationalen Kollegen für Präventionsmaßnahmen. „In Holland hat schon allein eine Verkürzung der Zeiten, in denen private Feuerwerke gezündet werden dürfen, zu einer Halbierung der Verletztenzahlen geführt“, berichtet Gabel-Pfisterer. „Wir setzen uns für die Abgabe von Schutzbrillen beim Kauf von Feuerwerkskörpern ein, aber vor allem für eine Diskussion über ein Verbot privat genutzter Pyrotechnik“, ergänzt DOG-Präsident Professor Dr. med. Hans Hoerauf. „Feuerwerk gehört in die Hände von Profis, dort ist es sicher.“

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