Rettungsdienst: Sonnenstich? Hitzschlag? Hitzeerschöpfung?

Bremen (rd_de) – Die Hitzewelle sorgt gegenwärtig für viele wetterbedingte Einsätze. Die Rettungskräfte versorgen Patienten mit Kreislaufproblemen. Auch Feuerwehr und Polizei müssen helfen, um beispielsweise Tiere oder Kleinkinder aus Fahrzeugen zu retten, die in der Sonne abgestellt wurden. Nachfolgend unsere Tipps, wie die durch Hitze verursachten Krankheitsbilder behandelt werden können und wie sich Personen vor der Hitze schützen sollten.

Inhalt:

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Sonnenstich, Hitzschlag & Hitzeerschöpfung: Symptome und Folgen

Typische Symptome eines Sonnenstichs oder Hitzschlags sind unter anderem Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, erhöhte Körpertemperatur, Fieber, gegebenenfalls Krämpfe und sehr häufig Kopfschmerzen. Unbehandelt können diese Symptome im schlimmsten Fall zu Bewusstseinstrübung oder sogar Bewusstlosigkeit führen. Es besteht die Gefahr eines Kreislaufkollapses. All dies sind ernstzunehmende Alarmsignale, die lebensbedrohliche Situationen auslösen können.

Für Mitarbeiter im Rettungsdienst gibt die nachfolgende Tabelle einen Überblick über die verschiedenen Krankheitsbilder und deren Behandlung.

Hitzetabelle

Hitzenotfall: Erste Hilfe Maßnahmen

Nicht nur die Rettungsdienstmitarbeiter können etwas tun. Beobachten Sie bei einer Person eine oder mehrere der Symptome in der Tabelle, so können Sie Erste Hilfe leisten und wichtige Maßnahmen bereits vor Ort einleiten.

Wählen Sie in solche Fällen umgehend den Notruf 112. Erste Maßnahmen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes sind:

  • Die betroffene Person in den Schatten bringen. Sollte die Person sich nicht mehr selbstständig bewegen können, spenden Sie Schatten, zum Beispiel mit Hilfe von Kleidung.
  • Kühlen Sie den Patienten durch feuchte Tücher, die Sie auf die Beine, den Nacken und die Handgelenke legen können.
  • Geben Sie der Person etwas zu trinken (außer bei Trübung des Bewusstseins oder Bewusstlosigkeit).
  • Bewusstlose Patienten legen Sie in die stabile Seitenlage und überwachen die Atmung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes.
Wenn bei dem Patienten der Verdacht auf einen Hitzeschlag besteht und er noch ansprechbar ist,sollten die Beine hochgelagert werden. Symbolfoto: M. Brändli

Bestimmte Berufsgruppen und Personen gelten als besonders gefährdet. Als Angehöriger einer solchen Gruppe ist es ratsam, die oben angegebenen Maßnahmen besonders gewissenhaft zu befolgen. Für Rettungsdienstmitarbeiter kann die Zuordnung des Patienten zu einer der Gruppen ein Hinweis für die Diagnose sein.

  • Angestellte an überhitzten Büros/Arbeitsplätzen,
  • Freizeitsportler, die bei hohen Außentemperaturen aktiv sind (zum Beispiel Tennisspiel in der Mittagshitze),
  • Personen, die bei sommerlicher Hitze lange Autofahrten unternehmen,
  • Spaziergänger/Wanderer, die in der Sommerhitze unterwegs sind,
  • so genannte Hitzearbeiter (Bergarbeiter, Stahlkocher),
  • Personen, die unter Durchblutungsstörungen leiden, zum Beispiel Diabetiker,
  • Personen, die Hautkrankheiten mit verminderter Schweißproduktion haben, zum Beispiel die Fischschuppenkrankheit,
  • Übergewichtige,
  • Säuglinge, da sie noch nicht ausreichend viel Schweiß produzieren.

Hitzenotfall: Prävention

Meist reicht es, ein paar einfache Verhaltensregeln zu berücksichtigen. Damit kann vermieden werden, dass die Hitze zur ernsthaften Bedrohung für die Gesundheit wird.

  • Vermeiden Sie in der Mittagszeit den Aufenthalt im Freien. Verlagern Sie anstrengende Tätigkeiten, zum Beispiel Sport, in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden und passen Sie so Ihren Tagesablauf dem Wetter an.
  • Viel Trinken ist absolut notwendig. Zwei bis vier Glas eines kühlen (nicht kalten), alkoholfreien Getränks pro Stunde gelten als Richtwert. Müssen Sie körperlich arbeiten oder nehmen Medikamente ein, die entwässernd wirken, sollten Sie noch mehr Flüssigkeit zu sich nehmen. Sprechen Sie mit ihrem Arzt über die ideale Menge, wenn Sie Nierenschädigungen oder eine Herz-Kreislauf-Erkrankung haben.
  • Kinder, geschwächte Personen und Tiere dürfen bei hohen Temperaturen niemals im Fahrzeug zurückgelassen werden. Die Temperaturen im Auto können innerhalb kurzer Zeit auf 60 Grad Celsius und mehr steigen. Es besteht die Gefahr eines Hitzschlags, der tödlich enden kann.
  • Halten Sie sich draußen nach Möglichkeit im Schatten auf und tragen Sie eine Kopfbedeckung und Sonnenbrille. Verwenden Sie Sonnenschutzmittel mit ausreichend hohem UV-Schutz. Leichte, helle Kleidung vermeidet den Hitzestau.
  • Leicht verdauliche und fettarme Nahrung entlastet den Körper. Salate, Gemüse und Obst sind am besten geeignet. Essen Sie über den Tag verteilt mehrmals kleine Portionen. Auch das erleichtert die Verdauung.
  • Erfrischen Sie sich regelmäßig. Eine kühle Dusche oder ein kühles Bad regulieren die Körperkerntemperatur und vermeiden so einen Hitzschlag. Auch kühle Umschläge um die Beine, Handgelenke oder den Nacken helfen dabei.

Natürlich kann es immer passieren, dass trotz aller vorbeugenden Maßnahmen ein Mensch in ihrem Umfeld Probleme mit den hohen Temperaturen bekommt. Achten Sie auf die oben aufgezählten Anzeichen. Sollten Sie eines oder sogar mehrere davon feststellen, ist es notwendig zu reagieren.

(Text: Michael Hoffmann, Redaktion; Informationen und Grafik: Dr. Ingo Blank, Notarzt; Symbolfotos: Markus Brändli; 30.07.2018)

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Hey, eine kurze Nachfrage:
    Bei uns im SanH Kurs wurde gelehrt das wir bei einem Hitzeschlag, wie bei einem Sonnenstich auch, eine Oberkörperhochlagerung herstellen sollen. Hier steht man solle die Beine hochlagern – was ist jetzt richtig bzw. was spricht für eine Hochlagerung der Beine (ein Hirnödem ist doch in diesem Fall gefährlicher als ein hypovolämischer Schock?).
    Liebe Grüße
    K.

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  2. Hey K.
    Ich recherchiere gerade recht viel zu dem Thema, da ich das für unsere Kurse mal korrekt aufbereiten will. Da herrscht viel Halbwissen.
    Der Sonnenstich ist ein lokales Problem am Kopf, eine Reizung der Hirnhäute. Also Kopf hoch.
    Eine Hitzeerschöpfung bzw. ein Hitzschlag ist ein Ganzkörperproblem. Es kommt zu einer Kreislaufstörung, der Puls steigt, der Blutdruck sinkt. Sei es durch den Flüssigkeitsmangel (Hitzeerschöpfung) oder durch die komplexen Problem im Körper durch den Totalausfall der Themoregulation (Hitzschlag). Das Hirnödem ist nur eines der vielen Probleme neben seiner Störung des Säuren-Basen-Haushalts, des ZNS, der Nieren, Leber etc.
    Ich würde so jemanden flach lagern, entkleiden, kalt-feuchte Umschläge überall hin. Kühlpacks in Achseln, Leiste und an den Hals und dann hoffen, dass die in der Klinik die komplexen Störungen in den Griff kriegen.
    Viele Grüße,
    F.

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