Produkt: Rettungs-Magazin 4/2019
Rettungs-Magazin 4/2019
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Neue Drohneneinsatzgruppe des ASB in Mannheim

(Bild: ASB-Region Mannheim/Rhein-Neckar)Mannheim (ASB) – Der Arbeiter-Samariter-Bund kann künftig die Notfallrettung und den Bevölkerungsschutz in Baden-Württemberg weiter mit Drohnen unterstützen. Am Standort Mannheim hat der ASB neben Karlsruhe nun ein zweites Drohneneinsatzteam aufgebaut. Es ist seit dem 1. Mai 2019 unter anderem bei Unfällen oder Bränden, zur Erkundung schwer zugänglicher Schadensstellen oder der Personensuche alarmierbar.

Nach erfolgreicher Ausbildung und bestandener Prüfung des Drohnenführerscheins sind mittlerweile 10 ehrenamtliche Mitarbeiter zu Drohnenpiloten ausgebildet worden. Der ASB Mannheim/Rhein-Neckar verfügt somit über ein kompetent ausgebildetes Team, das im Bedarfsfall ausrücken kann, um die Einsatzkräfte vor Ort zu unterstützen. Die Bilder aus der Luft helfen dabei den Rettern am Boden. Das Drohnenteam ist über die Integrierte Leitstelle Rhein-Neckar alarmierbar, aber auch in ganz Baden-Württemberg einsetzbar.

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Bei Drohneneinsätzen suchen die Retter mit Hilfe der ferngesteuerten Fluggeräte aus der Vogelperspektive nach vermissten Personen oder unterstützen Einsatzkräfte mit Bildern aus der Luft bei unübersichtlichen Großveranstaltungen oder Großschadenslagen. Eine sinnvolle Ergänzung zum Rettungsdienst am Boden ist dies vor allem bei der schwierigen Erkundung von Einsatz- und Schadensorten wie Wasserflächen, Waldgebiete oder auch Innenstädten und Industriegebieten.

Dreiköpfiges Team für den Quadrokopter

Das Drohnenteam besteht aus Drohnenpiloten, Auswertern und den Führungskräften. Neben der Drohne steht dem Einsatzteam ein Gerätewagen mit technischem Material zur Verfügung. Bei der Drohne handelt es sich um einen Quadrocopter der Firma DJI, Modell Matrice 210.

Die Drohne wiegt vollausgestattet rund 6 kg und verfügt über eine GPS-Verbindung, die eine nahezu punktgenaue Positionierung ermöglicht, sowie eine Zoom-, Sicht- und Wärmebildkamera.

Die anbaubare Zoomkamera ermöglicht mit 30-facher optischer Vergrößerung auch aus großer Entfernung Einsatzorte zu beobachten und kleinste Details zu erkennen. Die Matrice 210 kann zudem zusätzlich mit einer Sicht- und Wärmebilddualkamera ausgestattet werden, die insbesondere bei der Suche nach vermissten Personen und Glutnestern eine wichtige Rolle spielt.

Die wasserdichte und hochauflösende Wärmebildkamera vom Hersteller FLIR zeigt feinste Temperaturunterschiede an. Die Sichtkamera kann in 4K-Ultra-HD Videos aufnehmen und erstellt Fotos mit 12 Megapixeln Auflösung. Mit dieser Ausstattung sind insbesondere auch Flüge bzw. Einsätze in der Nacht und bei Regen möglich.

Wird während des Fluges permanent mit allen Kameras gefilmt, beträgt die Flugzeit des Quadrokopters bis zu 30 Minuten. Die Bilder des Fluges lassen sich in Echtzeit auf einem Bildschirm verfolgen. Dazu wird das Livebild in Full-HD-Auflösung sowohl zum Piloten als auch zum Auswerter an die Bodenstation kabellos übertragen.

Von Projektbeginn an mit dabei waren Steffen Schmid und Herwin Hadameck. Hadameck, der über jahrelange Erfahrung in der Notfallrettung und dem Einsatzleitdienst verfügt, weiß, wie wichtig es ist, sich bei Großschadenslagen wie größeren Veranstaltungen schnell einen Überblick zu verschaffen. Mit dem Know-how des IT-Fachmanns Schmid konzipierten die beiden in enger Abstimmung mit der Geschäftsführung das neue Projekt des Verbandes.

Drohne beim Großeinsatz

„Von oben“, sagt Hadameck, „lassen sich bei Großveranstaltungen auch Bewegungen von Menschenmengen in den Blick nehmen. So können wir, wenn Not am Mann ist, gezielt helfen.“

„Zudem lassen sich aus der Luft Gefahrenschwerpunkte frühzeitig finden und Schadensherde identifizieren, ohne dass sich die Einsatzkräfte selbst in Gefahr bringen müssen“, ergänzt Schmid die Vorteile der Drohne.

Was früher außerhalb militärischer Einsatzfelder als technische Spielerei galt, entpuppt sich mittlerweile als Instrument, das die Notfallrettung und den Bevölkerungsschutz sinnvoll ergänzen kann. Dank der Neuregelung der Drohnenverordnung durch den Bund im April 2017 wurden die Einsatzmöglichkeiten dieser Technik im Bevölkerungsschutz erweitert.

Hilfsorganisationen ist es demnach erlaubt, Drohnen ohne Sondergenehmigung der Luftfahrtbehörden einzusetzen. „Wenn man bedenkt, wie hoch die Kosten für einen Hubschrauber pro Minute sind, ist die Erkundung größerer Areale mittels Drohne auch aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll“, gibt Schmid zu bedenken.

„Wir vom ASB sind grundsätzlich offen für Neues und finden es wichtig, alle zur Verfügung stehenden Mittel und Techniken zu nutzen, um Menschenleben zu retten. Etwas stolz macht es uns, dass wir dabei neben der Region Karlsruhe sogar zu einer Art Vorreiter in Baden-Württemberg werden, um den Einsatz von Drohnen im Rettungsdienst alltagstauglich zu machen“, sagt Joachim Schmid, Geschäftsführer der ASB-Region Mannheim/Rhein-Neckar.

Mithilfe von Reserve-Akkus kann die ASB-Drohne über eine Dauer von etwa 1,5 Stunden am Stück eingesetzt werden. Ein Knopfdruck genügt und sie kehrt zur Bodenstation zurück. Fällt der Akkustand auf ein für den weiteren Flug zu geringes Niveau, kehrt sie automatisch zurück.

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Der “Fortschritt” zieht ein , wie schön !
    Als ich vor 10 Jahren Lageaufklärung und Rettungsmaßnahmen aus der Luft zu etablieren, wurde ich verspottet und als “Spinner” bezeichnet.
    Traurig nur , daß die zivilen Möglichkeiten immer hinter den militärischen “hinterherhinken” !

    Auf diesen Kommentar antworten

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