Mobile-Retter-App: Ersthelfer kooperieren mit Björn Steiger Stiftung

Bremen (rd_de) – Durchschnittlich benötigt eine Rettungswagen-Besatzung knapp 10 Minuten, bevor sie am Einsatzort ankommt. Der Verein Mobile Retter bietet seit mehr als 5 Jahren eine Alternative: Ersthelfer, die sich in der Nähe des Patienten befinden, werden via App alarmiert. Nun soll ein Zusammenschluss mit der Björn Steiger Stiftung das Projekt weiter voranbringen.

Ob Krankenpfleger, Sanitäter, Ärzte oder Feuerwehrleute – jeder mit einer Notfallausbildung kann sich registrieren. Meldet ein Anrufer der Leitstelle einen Notfall – Herz-Kreislauf-Stillstand oder Bewusstlosigkeit – erfolgt über die Mobile-Retter-App eine GPS-Abfrage. Befindet sich ein qualifizierter Ersthelfer in der Nähe, kann er den Auftrag annehmen oder abgeben.

Zwischen 4 und 5 Minuten benötigen die Ersthelfer bis zur Einsatzstelle. Deutlich schneller als der Rettungsdienst. Mittlerweile hat sich das System deutschlandweit in zehn Regionen etabliert und 5.300 Mitglieder haben sich registriert. Das eigentliche Ziel des Vereins ist jedoch noch lange nicht erreicht: 100.000 ehrenamtliche Helfer im ganzen Bundesgebiet.

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Der Verein plant noch weiter: Mit Defibrillatoren ausgestattete Drohnen könnten den Ersthelfern vorauseilen, denn der Weg zum nächsten Gerät ist oftmals weit. Auch eine Ausweitung der App auf Europa ist denkbar.

Ein Zusammenschluss mit der Björn Steiger Stiftung soll nun helfen, diese Ziele zu erreichen. Zum Europäischen Tag des Notrufs am 11. Februar 2019 gaben die beiden Organisationen ihre Kooperation bekannt. „Das Projekt fußt auf moderner Technik und passt inhaltlich perfekt zu unserer Stiftung,“ freut sich Pierre-Enric Steiger, Präsident der Stiftung.. Auch Dr. Stefan Schmitgen, 2. Vorsitzender des Vereins Mobile Retter, ist zuversichtlich: „Wir teilen diese Motivation und freuen uns darauf, zukünftig gemeinsam weitere Erfolge in diesem Bereich zu erreichen.“

Ersthelfer-App: Die Erfahrungen mit „Mobile Retter“

Bremen (rd_de) – In Gütersloh (NRW) entwickelt, hat das „Mobile Retter“-Konzept zwischenzeitlich bundesweite Nachahmer gefunden. Wir sprachen mit Dr. Ralf Stroop, der maßgeblich an der Entwicklung beteiligt war.

Welche Indikationen zur Alarmierung haben Sie definiert und wie ist die Umsetzung im Alltag?
Dr. Stroop: Zwei Bedingungen: Es muss erstens ein zeitkritischer Einsatz sein, in dem es um Minuten oder gar um Sekunden geht; in erster Linie also der Mensch mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand. Zweitens aber Einsätze mit bewusstloser Person. Denn der Disponent kann nicht immer sicher klären, ob die Person nicht nur bewusstlos, sondern vielmehr auch reanimationspflichtig ist. Nicht selten kommt es nach der initialen Bewusstlosigkeit auch zum Herz-Kreislauf-Stillstand. Die zweite Bedingung ist, dass der Retter am Einsatzort auch ohne Equipment sinnvolle Erste-Hilfe-Maßnahmen ergreifen kann.

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Welche Kontraindikationen liegen in den Alarm- und Ausrückeordungen vor?
Dr. Stroop: Der allererste Einsatz des Mobilen-Retter-Systems war ein schwerer Verkehrsunfall mit einer eingeklemmten, reanimationspflichtigen Person. Zufällig wurde ich damals selber alarmiert und traf auch vor allen anderen Kräften am Einsatzort ein. Dennoch war mir schnell klar, dass ich mit meinen Bordmitteln – der Beatmungsfolie und einem Paar Einmalhandschuhen – nichts bewegen konnte. Schwere Verkehrsunfälle außerhalb der geschlossenen Ortschaft sind daher nicht geeignet für den Einsatz der Mobilen Retter. Wird bei einem Unfall innerhalb der geschlossenen Ortschaft ein bewusstloser Patient oder gar ein Patient im Kreislauf-Stillstand gemeldet, dann hat das vielleicht eine internistische oder neurologische Ursache und ist somit möglicherweise nicht die Folge, sondern der Grund des Unfalls. Hier macht dann die Mobile-Retter-Alarmierung natürlich Sinn.

Warum die Angst bei offiziellen Vertretern, „Mobile Retter“ könnte die Vorhaltung von Rettungsmitteln negativ beeinflussen?
Dr. Stroop: Was wir immer gerne und ganz klar betonen, ist, dass wir nur eine Ergänzung sind und in keinem Fall den Rettungsdienst substituieren werden. Durch Funklöcher und örtliche Gegebenheiten kann die App den Rettungsdienst in keiner Weise kompensieren. Wir haben Urlaubs- oder Nachtzeiten, da ist die Resonanz nicht so hoch wie tagsüber oder am Wochenende. Es ist ein freiwilliges, ehrenamtliches System. Natürlich gibt es immer Angst vor Verteilungskämpfen, aber diese Angst teile ich überhaupt nicht. Mittlerweile ist es im Kreis Gütersloh so, dass die RTW-Besatzungen fragen, ob der „Mobile Retter“ schon alarmiert ist, weil sie wissen, dass die Erfolgschancen ihrer Arbeit steigen.

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Wie wird sich Ihr System in Deutschland erweitern?
Dr. Stroop: Neben den Kreisen Gütersloh und Germersheim (Rheinland-Pfalz/d. Red.) sind zwei weitere Regionen dabei. Im Spätsommer 2016 startete die App im Kreis Unna (NRW/d. Red.), und in der Region Ingolstadt (Bayern/d. Red.) läuft die Registrierung der Helfer. Mit etlichen weiteren Kreisen und Städten sind wir in Verhandlungen.

Titel-6_2016Das vollständige Interview mit Dr. Ralf Stroop zu “Mobile Retter” lesen Sie im Rettungs-Magazin 6/2016. In unserem Online-Shop können Sie es versandkostenfrei bestellen.

(Das Interview führte Jan C. Behmann, freier Journalist, Lehrrettungsassistent; Foto: Mobile Retter; 08.11.2016)

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Immer noch nur in wenigen Orten verfügbar- schade.
    Der Bericht ist von November 2016, jetzt 02/2019
    Sowas sollte viel schneller vorankommen

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  2. Mich würde es auch freuen wenn im Großraum Erlangen Nürnberg das System eingeführt wird da wir auch Bayernweit die größte Rettungsleitstelle haben. Außerdem sind Erlangen und Nürnberg Städte die viele Universitäten haben.

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