Corona: Rettungsdienste warnen vor Überlastung

(Bild: Thomas Häfner/Malteser)Stuttgart/München (DRK/BRK) – Angesichts der hohen Infektionszahlen und der zunehmenden Beanspruchung des Gesundheitssystems warnen die Hilfsorganisationen vor einer Überlastung des Rettungsdiensts.

„Wir alle haben es noch in der Hand, einen schlimmen Verlauf der Pandemie in der Adventszeit zu verhindern“, so Marc Groß, Geschäftsführer des DRK-Landesverbands Baden-Württemberg. Die Pandemie warte nicht auf einen Regierungswechsel. „Leidtragende sind die Patienten und das medizinische Personal.“ Gebot der Stunde sei das Impfen. Daneben brauche es klar kommunizierte, nachvollziehbare Regeln, deren Einhaltung sowie den Verzicht auf Großveranstaltungen.

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Das DRK in Baden-Württemberg garantiere mit einem leistungsstarken Rettungsdienst eine zuverlässige Notfallversorgung der Bevölkerung, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes. Die Einsatzkräfte stünden dabei unter einer großen Belastung. Bereits im Frühjahr 2020 sei deutlich geworden, wie schnell das System an die Belastungsgrenze kommen könne, wenn sich die sogenannten Infektionsfahrten häuften und auch Einsatzkräfte durch Patienten infiziert würden.

„Wir stehen in der Verantwortung, sowohl für die Patienten als auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, so Marc Groß. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis auch der Rettungsdienst mit dieser zusätzlichen Belastung wieder an seine Leistungsgrenze komme. Groß appelliert an Politik und alle Bürgerinnen und Bürger, ihrer Verantwortung nachzukommen: „Impfen ist jetzt das entscheidende Mittel der Wahl. Menschen müssen aufgeklärt werden, Impfangebote müssen flächendeckend sein – ebenso wie Schnelltests.“

Eindringlicher Appell der bayerischen Hilfsorganisationen

„Das Personal ist physisch wie psychisch am Limit, zutiefst frustriert und auch verärgert, dass der fast zweijährige und kräftezehrende Einsatz mangels Impfbereitschaft immer noch nicht beendet werden kann“, beobachtet BRK-Präsident Theo Zellner.

Die Infektionstransporte im bayerischen Rettungsdienst seien in den letzten vier Monaten um fast das Vierfache gestiegen. „Mir fehlt die Solidarität der Ungeimpften gegenüber unseren Rettungs- und Pflegekräften. Es ist längst keine Privatsache mehr, sich nicht impfen zu lassen. Vielmehr ist das Impfen ein notwendiger Akt zur Aufrechterhaltung des Gesundheitssystems. Die Freiheit des Einzelnen, sich nicht impfen zu lassen, hört dort auf, wo die Gesundheit des anderen gefährdet ist“, so Zellner.

Obwohl im Dezember 2020 ein historischer Höchststand an Infektionstransporten erreicht wurde, konnten sie vergleichsweise besser bewältigt werden. Die derzeitige Überlastung der Intensivstationen und Notaufnahmen, die zu einem überwiegenden Teilen durch ungeimpfte Patienten belegt seien, mache die Situation heute deutlich dramatischer, teilte das BRK stellvertretend für die Hilfsorganisationen in Bayern mit. Schwer erkrankte oder verletzte Notfallpatienten müssten teilweise stundenlang in weit entfernte Kliniken transportiert werden.

Auch die Gesamtzahl der Einsätze scheint zu steigen: So ist beispielsweise die Zahl der Einsätze in der 43. Kalenderwoche (25. – 31. Oktober 2021) in Schwaben um 15 % und in Oberbayern-Ost um 18 % im Vergleich zum sonstigen Durchschnitt gestiegen.

„Krankheits- und quarantänebedingte Ausfälle bei Mitarbeitenden im Rettungsdienst und die wieder sehr hohe psychische Belastung, lange Transportzeiten und insgesamt höhere Schutzmaßnahmen stellen eine außerordentliche Belastung des Rettungsdienstes dar“, so BRK-Präsident Theo Zellner. „Die schwierigste Phase der Pandemie steht uns in den kommenden Wochen bevor.“

Die bayerischen Hilfsorganisationen, der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), das Bayerische Rote Kreuz (BRK), die Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) und der Malteser-Hilfsdienst (MHD), sind wichtige Partner in der Bewältigung der Coronavirus-Pandemie. Die angespannte Lage in der Pflege und auch dem Rettungsdienst verfolgen die Organisationen mit Sorge.

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