Produkt: Rettungs-Magazin 5/2019
Rettungs-Magazin 5/2019
Interview zur Interschutz 2020+++Reportage Christoph Westfalen+++Drohneneinsatz im Katastrophenschutz+++Rettungsdienst in Bremerhaven+++Erster RTW von MAN

ADAC Luftrettung zieht Bilanz der Hochwasserkatastrophe

(Bild: ADAC Luftrettung)München (ADAC) – Die Unwetterkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hat selbst die erfahrenen Crews der ADAC Luftrettung emotional an ihre Grenzen gebracht. Dies erklärte das Unternehmen jetzt bei der Vorstellung seiner Hochwasser-Einsatzbilanz. Am Montag (30.08.2021) wurde der Windenrettungseinsatz der ADAC Luftrettung offiziell beendet.

In den Krisenregionen absolvierten die Luftretter bis Donnerstag (26.08.2021) mehr als 200 Rettungseinsätze, darunter 111 Windenrettungen. Auf dem Höhepunkt der Flutkatastrophe waren bis zu sechs ADAC-Rettungshubschrauber in den Hochwassergebieten aktiv. Unter ihnen befand sich auch „Christoph 1“ aus München, der als Sonderhubschrauber in „Christoph 23 Bravo“ umbenannt wurde. So konnten Menschen aus Lebensgefahr gerettet oder verletzt in Kliniken geflogen werden.

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Am 15. Juli, am ersten Tag der Hochwasserkatastrophe, hatte die ADAC Luftrettung zur Unterstützung der Rettungskräfte kurzfristig einen ersten Windenhubschrauber für Spezialeinsätze aus der Luft in die Krisenregion verlegt – ohne Unterbrechung der Einsatzbereitschaft in München.

Der ADAC Rettungshubschrauber „Christoph 23 Bravo“ flog in den ersten Stunden 36 Spezialeinsätze, um Menschen von Dächern oder aus von Wasser eingeschlossenen Häusern und Plätzen zu retten. „So viele Windeneinsätze hintereinander ist seit Bestehen der ADAC Luftrettung noch kein ADAC Rettungshubschrauber an einem Tag geflogen“, hob Geschäftsführer Frédéric Bruder die außergewöhnliche Leistung der Crew hervor.

Im Einsatz waren auch die ADAC-Rettungshubschrauber aus Wittlich und Koblenz in Rheinland-Pfalz sowie Köln und Aachen/Würselen in Nordrhein-Westfalen. „Christoph Europa 1“ aus Aachen war zum Beispiel einer der ersten Hubschrauber bei der Evakuierung des St. Antonius-Hospitals in Eschweiler.

Die Crews der ADAC Luftrettung hatten in den ersten Tagen auch überschwemmte Keller und Wohnungen nach Verletzten und Überlebenden durchkämmt sowie später Hundestaffeln der Polizei bei der Suche nach Vermissten unterstützt und von der Außenwelt abgeschnittene Bewohner mit Medikamenten versorgt. „Was uns die Crews von ihren Einsätzen berichtet haben, hat uns alle sehr bewegt und betroffen gemacht“, sagte Bruder.

Die Bedeutung von Rettungshubschraubern mit Winde und die Zahl derer Einsätze hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen. 2021 verzeichneten die vier „Winden“-Stationen der ADAC Luftrettung in München, Murnau, Straubing (alle Bayern) und Sande (Niedersachsen) mit 342 Windeneinsätzen ein Plus von zwölf Prozent – Tendenz steigend.

Vor dem Hintergrund, dass als Folge des Klimawandels weitere Wetterextreme und Unwetterkatastrophen vorausgesagt werden, bietet die ADAC Luftrettung ihre Expertise an, wenn die Bundesländer das Thema Luftrettung mit Winde neu bewerten möchten. Bei Bedarf könnten weitere Stationen auf solche Spezialeinsätze vorbereitet werden.

„Im Idealfall könnte jedes Bundesland auf mindestens einen Windenhubschrauber mit Notarzt und Notfallsanitäter an Bord zurückgreifen, um Verletzte oder Patienten ohne Zeitverlust vor Ort zu versorgen“, erklärte Geschäftsführer Bruder.

„Bei unserer Arbeit in der Krisenregion hat sich gezeigt, wie wichtig der einsatztaktische Vorteil eines notarztbesetzten Windenhubschraubers ist. So konnten wir Menschen nicht nur evakuieren, sondern auch medizinisch behandeln“, ergänzte Einsatzleiter Dr. Jens Schwietring.

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Wieso ist das so besonders? Haben die BW-Hubschrauber keine Winden, leistet die BW keine Katastrophenhilfe mehr ?
    Wir leben im 21.Jhdt. aber anscheinend verschwinden Selbstverständlichkeiten u.Visionen des der 80-iger Jahre im Niveau der späten 20-ger Jahre des vorherigen Jhdt. .
    Das Militär bekommt Luftschiffe für Materialtransport, Frühwarn-u.Luftabwehrsysteme oder als Schaltstation für die Nachrichtenübermittlung.
    Aber im Bevölkerungsschutz bei Katastrophenhilfe soll es nicht gehen , ein 100t Nutzlast tragendes Fluggerät,schwebeflugtauglich ohne Luftverwirbelungen, einzusetzen!?!
    Den moralisch-ethischen Rückschritt in unserer”modernen”Zeit empfinde ich nur noch als widerwärtig!
    Wir währen technisch in der Lage , jedes Rettungs-“problem” zu lösen,tun es aber nicht ,weil immer zuerst nach der “wirtschaftl.Wertigkeit” gefragt wird.

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