Produkt: Rettungs-Magazin 5/2019
Rettungs-Magazin 5/2019
Interview zur Interschutz 2020+++Reportage Christoph Westfalen+++Drohneneinsatz im Katastrophenschutz+++Rettungsdienst in Bremerhaven+++Erster RTW von MAN

Extreme Hitze führt zu vielen Kohlenmonoxid-Einsätzen

(Bild: Feuerwehr Schwelm)Düsseldorf (ots) – Die extremen Temperaturen der vergangenen Tage bereiten einigen Gasthermen erhebliche Probleme und führen vor allem in Nordrhein-Westfalen zu vielen Einsätzen für Feuerwehr und Rettungsdienst. Die Wärme behindert den natürlichen Abzug des giftigen Gases durch den Kamin. Die Folge kann ein Abgasrückstau und damit das Austreten des Atemgiftes Kohlenmonoxid (CO) sein. In Betrieb gehen die Gastthermen meist durch das Erwärmen von Wasser.

Die Feuerwehr Bochum musste seit Mittwochabend (24.07.2019) bereits zu fünf Kohlenmonoxid-Einsätzen in Wohnhäusern ausrücken. Zum Teil wurden erhebliche CO-Konzentrationen gemessen. Verletzte gab es keine.

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Am Mittwochnachmittag und -abend kam es in kurzer Folge gleich zu vier Einsätzen, bei denen der Feuerwehrleitstelle ausgelöste Kohlenmonoxid-Melder gemeldet wurden. Um 17:20 Uhr ereignete sich der erste Einsatz in Eppendorf. Um 19:06 Uhr, um 19:07 Uhr und um 20:35 Uhr folgten vergleichbare Meldungen aus Wohnhäusern in Langendreer, Wattenscheid und Altenbochum. In allen Fällen wurden Messungen durchgeführt, die Räume belüftet und die Heizungsanlagen abgeschaltet.

Am Donnerstagmittag (25.07.2019) um 13:40 Uhr ging erneut ein CO-Alarm in der Leitstelle ein. Dieses Mal aus einem Wohnhaus im Ehrenfeld. Auch hier konnten die Einsatzkräfte das giftige Gas nachweisen. Das Haus wurde evakuiert und alle Räume belüftet. Vier Personen wurden vorsorglich vom Rettungsdienst untersucht, konnten jedoch zu Hause bleiben. Die Heizungsanlage wurde durch die Stadtwerke außer Betrieb genommen.

Auch in Schwelm mussten am Mittwochabend (24.07.2019) um 18:11 Uhr Feuerwehr und Rettungsdienst wegen eines CO-Alarms ausrücken. Als die ersten Einsatzkräfte eintrafen, war das fünfgeschossige Mehrfamilienhaus bereits geräumt. Der Einsatzleiter ließ einen Trupp unter Atemschutz mit Messgeräten in die betroffene Wohnung vorgehen. Die Einsatzkräfte stellten erhöhte CO-Werte fest, so dass die Therme in der Wohnung abgeschaltet und die Gaszufuhr gestoppt wurden. Anschließend erfolgte eine Belüftung des Gebäudes. Da eine Bewohnerin des Hauses ihre Wohnungstür nicht öffnete, verschaffte sich die Feuerwehr gewaltsam Zugang. Während des Einsatzes betreute der Rettungsdienst die Bewohner des Mehrfamilienhauses. Die Familie der betroffenen Wohnung brachte der Rettungsdienst mit einem Rettungswagen zur weiteren Untersuchung in ein Schwelmer Krankenhaus.

Am Donnerstagnachmittag (25.06.2019) rückte in Mülheim an der Ruhr der Löschzug der Feuerwache 2 in Heißen sowie der Rettungsdienst mit einem Rettungswagen und dem Notarzteinsatzfahrzeug zu einem ausgelösten Kohlenmonoxidwarnmelder aus. Eine Mieterin eines Mehrfamilienhauses wurde beim Baden ihres Kleinkindes durch CO-Melder gewarnt.

Bei Eintreffen der Feuerwehr hatten alle Bewohner des Hauses ihre Wohnungen bereits verlassen. Die umgehend durch die Einsatzkräfte im Haus durchgeführten Messungen ergaben erhöhte CO-Werte in der betreffenden Wohnung. Die Feuerwehr nahm die sich in der Wohnung befindliche Gastherme außer Betrieb. Eine notärztliche Untersuchung bei der Mutter und dem Kind ergaben keinen erhöhten CO-Gehalt. Nachdem das gesamte Haus mit Hilfe eines Überdrucklüfters der Feuerwehr belüftet wurde, konnten alle Personen wieder zurück in ihre Wohnungen.

Die Feuerwehr Mülheim an der Ruhr weist in diesem Zusammenhang auf die Aktion „CO macht KO“ hin und rät: „Beim Betrieb der Therme für Warmwasser auch im Sommer unbedingt Fenster und Türen zu dem Raum öffnen, in dem die Therme montiert ist, die gleichzeitige Nutzung der Dunstabzugshaube und der Klimageräte vermeiden – und für alle Fälle CO-Melder zu Hause installieren.“

Kohlenmonoxid-Austritt in Ratingen-Mitte. (Bild: Feuerwehr Ratingen)

In Ratingen wurden Feuerwehr und Rettungsdienst am Mittwoch (24.07.2019) noch während eines laufenden Einsatzes auf der A 52 um 20:37 Uhr zu einer Kohlenmonoxid-Freisetzung in einer Wohnung in Ratingen-Mitte alarmiert. Durch einen technischen Defekt war eine erhebliche Menge des giftigen, nicht wahrnehmbaren Gases in einer Wohnung freigesetzt worden. Die Brandschützer brachten die Bewohner ins Freie und überprüften neun Nutzungseinheiten in dem Mehrfamilienhaus. Entdeckt wurde die Gefahr durch einen neben der Gastherme angebrachten Kohlenmonoxid-Melder. Es war bereits das zweite Mal innerhalb weniger Tage in Ratingen, dass ein solcher Melder zum Lebensretter wurde.

Erik Heumann von der Feuerwehr Ratingen erläutert, wie es zu den vermehrten Kohlenmonoxid-Einsätzen in den letzten Tagen kommt: „Bei modernen Heizgeräten sind die Abgastemperaturen sehr niedrig. Gleichzeitig wird der Unterschied der Abgastemperatur zur Umlufttemperatur aber für die Funktion der Abgasabführung im Kamin benötigt. Unter ungünstigen Umständen kann es somit zu einer Anreicherung von Verbrennungsgasen in den Räumen kommen, in denen die Gas-Heizgeräte betrieben werden. Sollten im Zusammenhang mit dem Betrieb (!) von Gas-Heizgeräten Symptome auftreten wie Kopfschmerz, Müdigkeit oder Schwindel, zögern Sie im Zweifel nicht, die Feuerwehr zu informieren. Ein deutlich besserer Weg ist die Anschaffung eines CO-Warners, dieser überwacht auch außerhalb der derzeitigen, besonderen Witterungsbedingungen die Umgebungsluft auf Kohlenstoffmonoxid. Werden sicherheitsrelevante Werte überschritten, ähnlich wie bei einem Rauchmelder, wird Alarm ausgelöst.“

Am Dienstag (24.07.2019) wurden Feuerwehr und Rettungsdienst in Düsseldorf ebenfalls wegen eines CO-Alarm angefordert. Die Messtrupps konnten eine gefährliche Konzentration des hochgiftigen Gases in mehreren Wohnungen feststellen. Hier scheint es aber nicht (nur) an den extrem hohen Temperaturen gelegen zu haben, dass ein Kohlenmonoxid-Warngerät auslöste. Mitarbeiter der Netzgesellschaft fanden im Keller mehrere Undichtigkeiten an den Gasleitungen. Das Gebäude musste komplett von der Gasversorgung getrennt werden. Durch das umsichtige Handeln der Bewohner und das schnelle Eingreifen der Feuerwehr kamen keine Menschen zu schaden.

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