Bodylanguage: Mehr Sicherheit im Dunkeln


Bodylanguage-Konzept sorgt für Sicherheit im Dunkeln. Foto: 3M

Bodylanguage-Konzept sorgt für Sicherheit im Dunkeln. Foto: 3M

Gütersloh (pm) – Bis vor kurzem galt für Schutzkleidung eine Zertifizierung nach EN 471:2001 + A1:2007. Diese wurde nun abgelöst durch die ISO 20471. Ein Vergleich der beiden Normen macht die Neuerungen klar.

Im Anwendungsbereich wurde der Zusatz „Situationen mit hohem Risiko“ aufgenommen – was besonders für den Rettungsdienst relevant ist. Erweitert wurden vor allem die Anforderungen an das Design der Kleidung. So gelten für Reflexmaterialien auf Ärmeln neue Designanforderungen, während Reflexstreifen am Bund der Latzhose nicht mehr für die Erfassung der Gesamtflächen für Reflexmaterial mitgezählt werden. Fluoreszierendes Hintergrundmaterial muss in einer Breite von mindestens 50 mm Torso, Ärmel oder Hosenbeine umschließen; es sind mehr als zwei Reflexstreifen auf Ärmeln und Hosenbeinen erlaubt.

Die Anforderungen an das fluoreszierende Material sind ebenfalls gestiegen. So wird eine Minimum-Zugfestigkeit von 100N unabhängig vom Gewicht gefordert. Die Weiterreißfestigkeit soll 20N betragen (vorher 25N). Diese Zahl hat sich aus einer anderen Methode ergeben und bedeutet kein verringertes Limit.

Weiterhin muss die Berstfestigkeit an bestehende Textilstandards angepasst werden. Die Anforderungen der Schweißechtheit wurden erhöht. Nicht verändert hat sich dieser Faktor: Bei einlagigen oder mehrlagigen Bekleidungskonstruktionen darf der Wasserdampfdurchgangswiderstand nicht höher als 5 m²Pa/W sein. Spezifiziert wurde jedoch: Wenn dieser höher liegt, muss der Wasserdampfpermeabilitätsindex ermittelt werden und darf nicht größer als 0,15 sein.

Für eine größere Designfreiheit sorgt der Passus: Bekleidungen mit unterschiedlichen fluoreszierenden Hintergrundfarben können zertifiziert werden.

Wichtige Neuerungen betreffen auch die Pflegeanforderungen der Schutzkleidung. So soll der Hersteller grundsätzlich die Pflegehinweise vorgeben, und die fluoreszierenden Materialien müssen nach der Wäsche auf die Farbwerte geprüft werden.

Retroflexion für bestmögliche Sichtbarkeit

Der Gesetzgeber hat damit die Anforderungen an Schutzkleidung mit Reflexmaterialien erhöht, was für den Träger ein Plus an Sicherheit bedeutet. Dennoch gilt nach EN 471 zertifizierte Schutzkleidung durch die neue ISO nicht mit einem Mal als potenziell unsicher. Alle Zertifikate vor Juli 2010 haben weiterhin unbegrenzte Gültigkeit. Zertifikate nach Juli 2010 besitzen eine Gültigkeit von fünf Jahren. Langfristig werden sich die Hersteller von Schutzkleidung jedoch auf die neue ISO umstellen, um den Trägern eine bestmögliche Sichtbarkeit zu garantieren.

Insbesondere im Dunkeln sind retroreflektierende Materialien essenziell für die Sicherheit der Rettungsdienst-Mitarbeiter. Während am Tag rund 90 Prozent der verkehrstechnischen Informationen vom menschlichen Auge aufgenommen und registriert werden, sinkt die Sehleistung des menschlichen Auges in der Nacht auf etwa fünf Prozent des Tageswertes. Retroreflektierende Materialien steigern die Auffälligkeit bei Dämmerung und Dunkelheit.

Das Prinzip der Retroreflexion funktioniert wie folgt: Der auftreffende Lichtstrahl wird durch verspiegelte Glaskugeln umgeleitet und in Richtung der Lichtquelle zurückgestrahlt. Die Reflexstreifen von 3M zum Beispiel sind mit rund 30.000 Glaskügelchen pro Quadratzentimeter ausgestattet. Diese Kügelchen lenken das einfallende Licht zum Reflektor und anschließend zurück zum „Versender“ des Lichts.

Bodylanguage-Konzept sorgt für Sicherheit im Dunkeln

Die Technologie allein reicht jedoch nicht als Schutz aus. Wichtig ist zudem die optimale Platzierung der Reflexstreifen. Untersuchungen zeigen, dass Fahrzeugführer bei einem Menschen anders reagieren als bei einem Schild. Während sie bei einem Schild den Zusammenstoß auch mal in Kauf nehmen, versuchen sie einem Menschen auf jeden Fall auszuweichen. Funktionierende Warnkleidung sollte deshalb immer die Silhouette des Menschen nachzeichnen.

Die Reflexstreifen sollten so auf der Bekleidung platziert werden, dass eine 360-Grad-Sichtbarkeit der Person gegeben ist und diese auch noch in ihrer typischen Arbeitshaltung gut zu erkennen ist. 3M nennt dieses Designkonzept „Bodylanguage“. Die Reflexstreifen können sowohl vernäht als auch verklebt werden.

Reflexstreifen können den Träger aber nur schützen, wenn sie auch ordnungsgemäß gereinigt werden. Die Berücksichtigung der Pflege- und Reinigungszyklen ist essenziell, da sie die Lebensdauer des Reflexmaterials entscheidend beeinflussen.

(Sebastian Schöbben, Produktmanager für Schutzkleidung mit Reflexmaterialien bei 3M; Foto: 3M; 08.08.2014)

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