Zu lange auf den Rettungsdienst gewartet


stoppuhrBad Bertrich (rd.de) – In Bad Bertrich musste eine gestürzte 71-jährige unverhältnismäßig lange auf den Rettungsdienst warten. Der Rettungswagen hatte eine 27 Kilometer weite Anfahrt, konnte der Dame mit einem Oberschenkelhalsbruch ohne Schmerzmittelgabe aber auch nicht ausreichend helfen.

Wie die Zeitung Trierischer Volksfreund berichtet, hatte die Leitstelle Mühe einen freien Rettungswagen zu finden, der den Einsatz in Bad Bertrich übernehmen konnte.

Eine 71-Jährige war gestürzt und klagte über Starke Schmerzen. Nach Leitstellenangaben erreichte ein Rettungswagen aus dem 27 Kilometer entfernten Manderscheid den Einsatzort 33 Minuten nach der Alarmierung. Die Angehörigen wollen fast 90 Minuten Wartezeit festgestellt haben.

Da die Rettungsassistenten aber nicht zur Gabe von Schmerzmitteln berechtigt waren, blieb Ihnen nichts anderes übrig, als einen Notarzt nachzufordern. Leider war auch kein bodengebundener Notarzt verfügbar. Schließlich musste der Rettungshubschrauber aus Luxemburg den Einsatz übernehmen. Es dauerte weitere 25 Minuten bis der Notarzt des Hubschraubers vor Ort war. Der Hubschrauber übernahm auch den Transport der verletzten Dame nach Trier.

9 Responses to “Zu lange auf den Rettungsdienst gewartet”

  1. Bo. on August 22nd, 2011 17:56

    Wie peinlich! Und unsere Land soll einen der besten Rettungsdienste der Welt sein. Aber vermutlich wird es einfach nur ein Ausnahmefall und Systemimmanent gewesen sein, dass ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt keiner der „best-ausgebildeten“ Ärzte verfügbar war, um die aus ärztlicher Sicht nur „mäßig“ ausgebildeten Rettungsassistenten aus ihrem beruflichen Dilemma zu befreien. Kann ja mal passieren…vermutlich mehrfach täglich in Deutschland. Nur leider kommt es zu selten in die Presse!

  2. Daniel on August 22nd, 2011 19:18

    Ein Einsatz wie er fast jeden Tag in einem Flächenlandkreis passieren kann – leider!

  3. Dr. Reiner Martens on August 23rd, 2011 13:14

    Jedes System ist irgendwann einmal ausverkauft. Der frustrierten Argumentation des anderen Kommentators möchte ich bitte nicht gefolgt wissen. Will er nicht das Medizinstudium aufnehmen?

  4. locco on August 23rd, 2011 15:10

    Gut, das führt uns wieder zu der mittlerweile leidigen und ebenso berechtigten Diskussion um die Rahmenbedingungen im Rettungsdienst.

    Aus den letzten Diskussion lässt sich einiges Zusammenfassen:

    – mind. 3-jährige Ausbildung für Rettungsassitenten
    – stetige Weiterbildung der RA’s
    – Erweiterung der Handlungskompetenzen von RA’s
    – Professionalisierung des Rettungsdienstes
    – Rettungsdienst durch Hios nur noch in Ausnahmefällen und zur Unterstützung des Hauptamtes
    – Vernünftige Arbeitsbedingungen für RA’s

    Hat da noch jemand was dazuzufügen?

    Sich über Ärzte auszulassen ist völlig daneben. Es gibt garantiert auch dort schwarze Schafe. Aber der Weg zum Arzt fürhrt nicht über den Hauptschulabschluss, sondern man muss doch einiges mehr leisten und länger durchhalten, um am Ende seinen Doktortitel in der Hand zu halten. Als Facharbeiter und angehender Akademiker habe ich stets Verständnis für beide Seiten. Ich finde einen offenen Dialog ebenfalls sehr Sinnvoll, aber bitte nicht auf dem Niveau: „Das ist aber mein Spielzeug“ 😉

  5. Alex on August 23rd, 2011 15:19

    Natürlich ist es nicht so prickelnd, das der Dame erst nach so langer Zeit geholfen werden konnte. Aber das ist und wird auch in zukunft weiterhin Alltag im deutschen Rettungsdienst bleiben. Natürlich ist jedes Rettungsdienstmodell irgendwann ausgeschöpft. Dennoch sollte es möglich sein, wenn ein NA nicht zeitnah verfügbar ist, dem Rettungsdienstpersonal eine Handlungskompetenz an die Hand zu geben mit der Sie dem Patienten helfen. In wie weit das aussieht ist ja dem ÄLRD zugesprochen worden. Der Rettungsdienst verändert sich, also müssen sich auch die Strukturen ändern.
    Die einzelnen NA können nichts dafür, die Problematik sollte woanders angepackt werden. Also nicht über einzelne urteilen. Lasst uns gemeinsam Arbeiten, so wie im Einsatz auch, als gegeneinander.

  6. Michael Kraus on August 23rd, 2011 17:24

    Da kann jeder sagen was er will, aber so was ist einfach nicht angemessen.
    Da muss dann der RTH kommen, um ein Spritzchen zum Umlagern zu geben. Wenigstens hat er dann auch noch transportiert, was ja oft nicht der Fall ist, da man einen RTH wohl eher für andere Verletzungs – und Krankheitsbilder braucht.
    Hier geht es doch nur um das Wollen. Wer wirklich hier Verbesserungen will, der macht es auch – siehe Marburg / Hessen (http://www.springermedizin.de/analgesie-beim-extremitaetentrauma-durch-rettungsfachpersonal/345320.html) oder in Reutlingen/Baden-Württemberg (http://www.drk-reutlingen.de/rd/service/gutachten.htm)! Hier wird patientenorientiert und verantwortungsvoll gehandelt.
    Statt das Geld für unnötige RTH-Einsätze auszugeben, ist es im Sinne der betroffenen Patienten, wohl wesentlich vernünftiger es in die Fortbildung von Rettungsfachpersonal zu investieren – natürlich unter ärztlicher Leitung – wie sonst?
    Da muss man nicht erst auf eine dreijährige oder sonstige Ausbildung warten. Der Schlüssel zu kontinuierlicher Qualität ist, meiner Meinung und Erfahrung nach (30 Jahre berufliche Tätigkeit im RD), in unserer schnelllebigen Zeit, nicht in der Erst-/Grundausbildung zu suchen,sondern in der strukturierten, zertifizierten und kontinuierlichen FORTBILDUNG.
    Aber wie gesagt: Man muss es auch WOLLEN!

  7. Anonym on August 27th, 2011 09:43

    In diesem Landkreis werden in drei Ortsvereinen des DRK jeweils ein RTW vorgehalten! Diese sind jeweils für rettungsdiensliche Einsätze zu alamieren;

    Manderscheid liegt im Nachbarlandkreis;

    BadBertrich liegt Im Leitstellenbereich Koblenz, AirRescue 3 Und RTW Manderscheid sind Leitstelle Trier;

    Ob hier evlt. irgendwo was falsch gelaufen sein könnte?

  8. Micha on September 18th, 2011 07:34

    Nach genauer Recherche im Originalartikel des Trierischen Volksfreundes entdeckte ich im ersten Abschnitt folgende Aussage: „Ein herbeigerufener KurARZT gibt in der Zwischenzeit eine SCHMERZSTILLENDE Spritze.“

    Bei der ganzen Sache ist doch verblüffend wo dieser Kurarzt verblieben ist. Hat er den Unfallort nach Schmerzmittelgabe verlassen? Welches Schmerzmittel wurde verabreicht? In welcher Dosierung?

    Juristisch und ethisch betrachtet wäre ein Verlassen des Geschehens inakzeptabel! Warum wusste der RD nichts von besagtem Kurarzt? Fand da eine Übergabe statt? Und warum konnte der RD nicht auf diesen Arzt zurückgreifen?

    In der dargestellten Situation sollte es eigentlich egal sein, ob ein Notarzt die Schmerztherapie fährt oder ein Kur- bzw. niedergelassener Arzt. Hauptsache der Patient ist schmerzfrei. Der Arzt müsste den Transport evtl begleiten, dies dürfte aber doch das geringere Übel sein.

    Mir sind hier einfach zu viele Ungereimheiten im Spiel. In meiner 11-jährigen Berufspraxis habe ich wiederholt auf niedergelassene bzw. Kurärzte zurückgegriffen und das ohne Beanstandung. Dann und wann musste man den ein oder anderen Mediziner an seine ethische und juritische Verpflichtung zur Hilfeleistung erinnern, aber dies waren eher Ausnahmen als die Regel.

    Wer Medikamente verabreicht muss auch in der Lage sein auf Nebenwirkungen medikamentös reagieren zu können. Es mag ja schön sein diverse Medikamente in ausgewählten Situation als Ultima Ratio (wie die ÄLRD RLP immer wieder betonen) zu geben, aber alle Kollegen sollten sich dann bitte auch der Verantwortung bewusst sein, wenn mal etwas schief geht. Wir sind keine Mediziner – wer einer werden will, sollte ein Studium beginnen.

    Jedes System hat seine Tücken! Leider werden diese grundsätzlich bei den hier stattfinden Diskussionen ignoriert. Jeder der unseren Beruf ausübt kennt die Regeln. Sie sind nicht immer perfekt, aber was auf dieser Welt ist jemals perfekt?

  9. charlie-zulu on September 19th, 2011 14:36

    „aber alle Kollegen sollten sich dann bitte auch der Verantwortung bewusst sein, wenn mal etwas schief geht.“

    Wieso wird das nur im Zusammenhang mit Medikamenten gebracht? Das gilt _immer_ und _überall_ und sollte auch „für jeden“ gelten.

    In diesem Zusammenhang sollte viel mehr auch den Ärzten mal auf die Finger geschaut werden. Probleme gibt es _da_ genug. Nur macht da keiner den Mund auf wenn mal was schief gelaufen ist. „Ist halt so“.

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