Wenn Helfer haften müssen


Osterholz-Scharmbeck (openPR) – Staatsanwalt macht 40 Vorstandsmitglieder aus 15 Ortsgruppen des DLRG-Bezirks Cuxhaven-Osterholz fit in Haftungsfragen.

Man stelle sich vor: Ein wild um sich schlagender Ertrinkender wird von einem DLRG-Retter ruhiggestellt und sicher an Land gebracht. Beim Rettungsvorgang wird dem Ertrinkenden versehentlich ein Arm ausgekugelt. Der Gerettete sucht unmittelbar nach seiner ärztlichen Versorgung einen Rechtsanwalt auf und verklagt seinen Retter wegen Körperverletzung. Dieser Vorfall ist kaum glaublich, aber unlängst im norddeutschen Raum geschehen und offensichtlich ein Zeichen unserer Zeit!

In Bredbeck sind 40 Vorstandsmitglieder aus 15 von 17 Ortsgruppen der Einladung des 6500 Mitglieder starken DLRG-Bezirks Cuxhaven-Osterholz gefolgt. Hier bringt es ein Referent auf den Punkt: „Stellt euch vor, ein Mensch stolpert über einen Stein und fällt in den Straßenstaub. Wäre dieser Mensch ein Franzose, würde er wild fluchend wieder aufstehen und weitergehen. Ein Engländer würde nicht weniger schimpfen und nach dem Aufstehen den Stein beiseite räumen. Der Deutsche aber bleibt liegen und überlegt sich, wen er wegen dieses Vorfalls verklagen könnte.“

Reinhard Meffert muss es wissen, er ist technischer Leiter des DLRG-Landesverbandes Niedersachsen und von Beruf Staatsanwalt in Hannover. In weiteren eindringlichen Worten schildert er den anwesenden Vorstandsmitgliedern die juristischen Gefahren, die Ausbildern, Ausbildungshelfern und Vorstandsmitgliedern von DLRG-Gliederungen drohen, wenn sie an Aktionen beteiligt sind, bei denen Menschen durch Nichteinhaltung von Vorschriften zu Schaden kommen. Er macht seinen gebannt lauschenden Zuhörern mit drastischen Worten klar, wo die Verantwortlichkeiten liegen, wenn es zu einer Gerichtsverhandlung kommt. Im oben geschilderten Fall wurde der Retter allerdings freigesprochen, da der Richter sehr wohl eine Güterabwägung zwischen dem Recht auf körperliche Unversehrtheit und einem bei Unterlassung drohenden Ertrinkungstod vornehmen musste.

Staatanwalt Meffert geht im Verlauf des Nachmittags auf einen anderen Fall ein, bei dem es tatsächlich zu einer Verurteilung eines unzulänglich ausgebildeten Schwimmkursleiters wegen fahrlässiger Tötung kam. Bei diesem tödlichen Schwimmunfall richteten sich die gerichtlichen Untersuchungen sogar gegen den geschäftsführenden Vorstand des verantwortlichen Vereins, da dieser nicht die nötige Sorgfalt bei der Auswahl des Schwimmausbilders aufgebracht hatte. In diesem Zusammenhang lobt Reinhard Meffert das Engagement und die hohe Qualität in der Ausbildungsarbeit des DLRG-Bezirks Cuxhaven-Osterholz und stellt sie als Spitzenreiter im landesweiten Vergleich dar.

Den Zuhörern wird neben anderen juristischen Tipps empfohlen, z. B. beim Einsatz von minderjährigen Ausbildungshelfern sich der schriftlichen Zustimmung der Eltern zu versichern.

Bezirksleiter Hans-Henning Reinsch dankt dem Referenten und mahnte aber gleichzeitig an, dass Mefferts Ausführungen nicht dazu führen dürften, aus Angst vor möglicher strafrechtlicher Verfolgung „vorsichtshalber“ nichts zu tun. Er leitete damit gleichzeitig zum nächsten Teil der Tagung über, in dem es um „Gewinnung und Erhalt“ von ehrenamtlicher Tätigkeit für die DLRG gehen sollte.

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