Malteser-Fachkongress: Schnittstellen aufgezeigt


Bonn (MHD) – Mit über 150 Teilnehmern, darunter mehreren Ärzten, konnte der 9. Malteser Fachkongress im Haus der Geschichte in Bonn nahtlos an seine Vorgängerkongresse anknüpfen. „Wir sind absolut mit dem Verlauf des Kongresses zufrieden“, bilanziert Malteser-Diözesanarzt und Kongressleiter Dr. Michael Schaal dieses Forum, zu dem die Malteser alle zwei Jahre einladen.Großes Lob gab es auch schon vor Kongressbeginn von Kölns Regierungspräsident Hans Peter Lindlar, der als Schirmherr den Maltesern eine hohe Fachkompetenz bescheinigte. „Ihr Engagement und Ihre Mitwirkung stellen wichtige Grundlagen dar, mit denen das anerkannt hohe Niveau des Gesundheitsschutzes und der Gefahrenabwehr in unserem Land erreicht werden konnte.“

In diesem Jahr standen die Schnittstellen im Rettungsdienst und Entscheidungshilfen für Rettungsfachpersonal bei besonderen Rettungsdienstlagen auf dem Kongressprogramm. Die Namen der Referenten lasen sich wie das „wer ist wer“ im Bevölkerungsschutz in NRW. Sicher auch ein Grund dafür, dass der 9. Fachkongress wieder auf so ein großes Publikumsinteresse gestoßen ist, wenngleich in den vergangenen Jahren Symposien und Kongresse zu ähnlichen Themen wie Pilze aus dem Boden geschossen sind.

Kongressorganisator Daniel Veldman von der Rettungsdienstschule der Malteser in Bonn führt den großen Erfolg des Malteser-Fachkongresses auf das funktionierende Netzwerk innerhalb der Organisationen und Behörden im Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz zurück. „Gerade die vergangenen fünf Jahre haben uns mit den gemeinsamen Großeinsätzen beim Weltjugendtag, der Fussball-WM, Loveparade und realen Großschadenslagen eng zusammengeführt. Nur wer die handelnden Personen und Schnittstellen kennt, kann solchen Ereignissen entschlossen entgegen treten.“

So trat unter anderem der Ärztliche Leiter Rettungsdienst des Rhein-Sieg-Kreises, Frank Riebandt, vor das Fachpublikum, um Einsätze bei der Deutsche Bahn AG zu beschreiben. Spätestens seit dem ICE-Unglück von Eschede vor 10 Jahren oder dem Zugunglück von Brühl vor acht Jahren gehörten solche Einsatzszenarien für den Rettungsdienst im Einsatz mit vielen unterschiedlichen Partnern am Einsatzort zum Alltag.

Das gelte auch für die Flughäfen in NRW, betonte der Leiter der Flughafenfeuerwehr des Flughafens Köln-Bonn, Reinhard Vosswinkel. „Das Spanair-Unglück in Madrid vor wenigen Wochen hat uns das noch einmal drastisch vor Augen geführt.“ Auch die vielen Fernsehberichte über die Flugschaukatastrophe von Ramstein, die sich in diesem Jahr zum 20. Mal jährte, hätten solche Szenarien in den Köpfen der Verantwortlichen geschärft.

Dr. Peter Vogt, Leiter Rettungs- und Sanitätsdienst der RWE Power AG, beschrieb in seinem Vortrag Einsätze mit der Werkfeuerwehr. Erst im vergangenen Jahr ereignete sich auf der Großbaustelle der RWE in Neurath/ Grevenbroich ein schwerer Unfall, der Feuerwehren und Hilfsdienste in großer Masse auf den Plan rief.

Darüber, wenn zivile Hilfs- und Rettungsdienste an ihre Grenzen stoßen und die Bundeswehr zu Unterstützungsleistungen im Inland herangezogen werden können, berichtete der Chef des Stabes des Landeskommandos NRW, Oberst Jürgen Bergmann. Gerade die Bundeswehr verfüge über Möglichkeiten der Amtshilfe, die nicht nur bei Hochwasser- oder Schneekatastrophen zum Einsatz kommen könnten. „Aber nur dann, wenn alle anderen zivilen Möglichkeiten ausgeschöpft sind“, betonte der Stabsoffizier.

Spezielle Entscheidungshilfen für die Rettungsdienstler boten im zweiten Kongressblock unter anderem Dr. Jost Kaufmann von der RWTH Aachen, der auf Kindernotfälle im Rettungsdienstalltag einging. Der Allgemeinmediziner Joachim Berg aus Zülpich beschrieb Möglichkeiten der Optimierung in der Zusammenarbeit des Rettungsdienstes mit dem hausärztlichen Notdienst. „Auch hier müssen die Schnittstellen deutlicher herausgearbeitet werden, um das Rettungsdienstsystem weiter optimieren zu können“, ist sich Berg sicher. Besonderheiten geriatrischer Notfälle trug der Chefarzt der Abteilung Geriatrie des Mechernicher Kreiskrankenhauses, Dr. Michael Münchmeyer, vor.

„Nach wie vor ist es für Rettungsfachpersonal schwierig, selbst externe Hilfe an den Einsatzort hinzuzurufen“, weiß Dr. Schaal aus langjähriger Erfahrung. Deshalb informierte auch Bonns Erster Polizeihauptkommissar Siegfried Vogel das Fachpublikum, ab wann es sinnvoll sein kann, Polizei einzubinden. Dr. Jutta Helmerich vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe aus Bonn beschrieb den Einsatz für die Psychosoziale Unterstützung – sowohl für das Rettungsfachpersonal als auch für Opfer und Angehörige.

„Sowohl das Gefahrenpotenzial unserer Industrie als auch die Großveranstaltungen zwingen uns, uns dem Schutz unserer Bevölkerung und der Hilfe in Unglückfällen in ganz besonderem Maße zu widmen. Wir haben Vorsorge zu treffen, dass bei Notfällen unseren Bürgern schnell und professionell geholfen wird“, gab Regierungspräsident Lindlar den Kongressteilnehmern mit auf den Weg. Der Fachkongress war dazu ein weiterer Schritt.

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