Krankentransport sollte Teil der Rettungsdienste bleiben


Mainz (IM RP) – Roger Lewentz, Innenminister von Rheinland-Pfalz, befürchtet negative Auswirkungen auf den Rettungsdienst in seinem Land durch die geplante EU-Richtlinie zur Vergabe von Dienstleistungskonzessionen.

„Werden die diskutierten Pläne vom Europaparlament verabschiedet, stellt das unser bewährtes System völlig auf den Kopf“, sagte Lewentz am Donnerstag (11.07.2013) in Mainz.

Nach Beratungen auf europäischer Ebene müsse mit hoher Wahrscheinlichkeit damit gerechnet werden, dass zwar die Notfallrettung nicht europaweit ausgeschrieben werden müsse, der Bereich der Krankentransporte aber sehr wohl, ließ der Minister mitteilen. Der Krankentransport mache zurzeit etwa zwei Drittel des gesamten Aufkommens des Rettungsdienstes aus. Sollte er künftig nach rein wirtschaftlichen Betrachtungsweisen organisiert werden, sei fraglich, ob er überhaupt noch in den Aufgabenbereich Rettungsdienst zähle oder als reine Transportleistung anzusehen sei.

„Eine solche Regelung ist schlecht für die kompetenten und zuverlässigen Hilfsorganisationen sowie für die künftige Leitstellenstruktur in Rheinland-Pfalz“, zeigte sich der Minister überzeugt. Die Regelung würde für das Land bedeuten, dass die Rettungsleitstellen und Integrierten Leitstellen künftig statt 900.000 nur noch 300.000 Einsätze pro Jahr zu disponieren hätten. „Eine derartige Reduzierung bleibt nicht ohne Folgen“, fügte Lewentz hinzu. Der Krankentransport würde dann rein privatwirtschaftlich organisiert.

Vor diesem Hintergrund appelliert der Minister in einem Schreiben an Hilfsorganisationen und entsprechende Verbände, sich an die Europaabgeordneten zu wenden und sie zu bitten, das in Kraft treten der Dienstleistungsrichtlinien in Bezug auf den Rettungsdienst und Krankentransport zu verhindern.

8 Responses to “Krankentransport sollte Teil der Rettungsdienste bleiben”

  1. Rolf Schmittat via Facebook on Juli 12th, 2013 16:00

    Der gesamte medizinische Transportbereich gehört zusammen … damit sich nicht einige Abzocker die Rosinen rauspicken können. Nur so kann das System noch halbwegs kostendeckend laufen.
    In dem Bereich ist Wettbewerb tödlich!

  2. Achim on Juli 13th, 2013 18:11

    Es ist fast nicht zum aushalten was für ein Blödsinn dieser Minister von sich gibt. Das was von der EU angesprochen ist, wird in Baden Württemberg bereits so seit Jahren praktiziert. Da herrscht im Krankentransport fast freier Markt, ohne kommunale Organisation. Und da muss dann nichts mehr ausgeschrieben werden! Und das Vermittlungsmonopol liegt kraft Landesrettungsdienstgesetz dennoch bei den ILS. Und fertig.
    Denn für alle die es immer noch nicht verstanden haben: Ausschreibungen muss es nur dann in allen Bereichen geben wenn die zu erbringende Leistung eine staatliche wäre aber private Firmen oder Organisationen zur Erfüllung, teilweise oder gänzlich, herangezogen wird.
    Lasst die öffentlichen Dienstleistungen einfach beim Staat oder privatisiert sie ganz, dann hat es sich auch mit der Aussschreiberei.
    Und somit halte ich das Einknicken der EU vor den Lobbyisten der HiOrgs aus unserem Lande nach wie vor für einen schweren Fehler, weil jetzt kein Zwang mehr zur Kommunalisierung und somit zu einer wirklichen staatlichen „Dienstleistung Rettungsdienst“ wie in etwa der Schweiz oder GB, besteht.
    Hier wiederum ist gerade Baden Württemberg als Negativbeispiel fehlender öffentlicher Organisation in der Notfallrettung zu nennen. Nahezu kein Wettbewerb sondern fast DRK Monopolstellung und nahezu keine kommunale Kontrolle. So sieht dann die reale Konzessionswelt aus. Hier haben fast ausnahmslos die Krankenkassen und die DRK Fürsten das sagen. Da wird dann eben nur mal rund 80 000 € für einen RTW Typ C bezahlt. Wer was besseres will muss eben aus eigener (Vereins)-Tasche drauflegen!

  3. Lars on Juli 16th, 2013 08:43

    Ressourcen der Notfallrettung sollten auf jeden Fall strikt vom Krankentransport getrennt werden. Weiter muss eine 24 Stunden Abdeckung mit KTW sichergestellt werden. Nur so lassen sich zum einen Hilfsfristen einhalten und zum anderen das Personal der Notfallrettung mit einer ausreichenden Anzahl an Notfällen zum Erhalt ihrer Kompetenzen versorgen. Weiter wäre es absolut notwendig, dass ein RTW vor Ort wieder gehen kann wenn ein KTW ausreichend ist. Und damit die Ärzte nicht mehr RTW bestellen schlicht weil sie nicht 2-3 Stunden auf einen KTW warten können ist eine KTW Hilfsfrist von 30 Minuten fest zu schreiben.

    Welches Emblem dann auf welchem Auto klebt und ob es ein e.V., eine gGmbH, eine GmbH oder AG ist spielt letztlich keine Rolle. Wichtig wäre ein flächendeckender, allgemeinverbindlicher Tarifvertrag.

  4. Stefan on Juli 16th, 2013 10:20

    @Lars

    Stimme dir vollkommen zu! Vor allem dein letzter Satz! 100 Punkte!

  5. Kranker Pfleger on Juli 16th, 2013 13:32

    Lieber Achim. Wenn man schon davon redet, daß irgendwer Blödsinn verzapft, dann sollte man selbst mit gutem Beispiel vorangehen.

    Ja es gibt bei Neuanschaffung eines RTW ca 80.000€ dazu aber es ist mitnichten so, daß der Rest aus Spenenaufkommen finanziert werden muß. Im regulären Entgelt für jeden RTW-Einsatz ist ein Teil für die Abschreibung, bzw. Neuanschaffung von RTW enthalten, so daß nach erfolgter Abschreibung des RTW die 80.000€ eine zusätzliche Unterstützung sind um nun einen neuen RTW (auf dem Stand der Technik) anzuschaffen.

    Alles andere ist billigste DRK Propaganda um Spenden einzutreiben. Hat sich denn noch niemand überlegt warum ASB, JUH, MHD, Promedic nicht über die geringe Kostenbeteiligung jammern und dennoch im Regelfall eher großzügig ausgestattete Fahrzeuge (v.a. hinsichtlich Fahrzeuggröße, bzw. Gewichtsreserven) bereitstellen können?

    Wenn DRK Rettungsdienste jedoch, den Anteil für die Fahrzeugneuanschaffung anderweitig verjubeln muß man sich nicht wundern wenn neue RTW angeschafft werden, in denen die Gewichtsreserve schon dann erreicht ist, wenn 2 Kollegen RTW Besatzung + 1 Praktikant + Notarzt jeweils nicht vollschlank sind.

  6. Achim on Juli 16th, 2013 15:19

    @Kranker Pfleger

    Ich sage nur die Weisheit der Vielen!
    Ich erhebe für mich nicht den Anspruch alles ganz genau zu wissen. Im Prinzip ist es im Ländle ja so, dass es leichter ist bei den Freimaurern einzutreten, als richtige, ich betone richtige, Informationen über Belange im Rettungsdienst zu erhalten. aber ich lasse mich gerne fundiert aufklären!

    Aber gerade mit deinen letzten zwei Absätze unterstreichst du meiner Ansicht nach meine Aussage.
    Ich hoffe wir verstehen uns 😉

  7. Kranker Pfleger on Juli 17th, 2013 02:52

    Achim, so gesehen verstehen wir uns (wieder).

    Ich bin ohnehin schon lage überrascht wie lange sich das Gerücht des 75.00 – 80.000€ RTW hält obwohl um diese Enklaven herum, auch von anderen DRK-Rettungsdiensten, problemlos größere und besser ausgestattete Fahrzeuge angeschafft werden.

    Wenn man dann noch den kleinen Landkreis findet in dem das DRK im Krankentatransport ausschließlich RTW (als MZF) einsetzen kann, muß man doch spätestens ins Grübeln kommen. In besagtem Landkreis wurden erst kürzlich von den Krankenkassen CO2-Warner für alle Fahrzeuge des RD (DRK, JUH, MHD) angeschafft. Allein 20 dieser Geräte erhielt das DRK.

  8. Achim on Juli 18th, 2013 12:10

    @Kranker Pfleger

    Zum Thema Informationen über RD Belange. Ich musste ein weile überlegen bis mir dies wieder eingefallen ist:

    http://m.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.waiblingen-rotes-kreuz-wieder-gut-auf-kurs.9ec7b403-7109-47c7-b0c5-927137ade17c.html

    Auszug:
    „…Positiv bemerkbar mache sich auch ein neues „Fahrzeugbeschaffungskonzept“. Der Kreisverband habe die Anschaffungskosten durch den Flottenkauf eines preisgünstigeren Typs und durch harte Verhandlungen mit dem Hersteller um rund 10 000 Euro pro Auto gesenkt. Trotzdem fehlte noch einmal die gleiche Summe zu jenem Betrag, den die Krankenkassen auszugleichen bereit seien. Für die aktuell neu beschafften fünf Fahrzeuge springt zwar in diesem Jahr die Frida-und-Fritz-Häbich-Stiftung ein. Doch das sei eine einmalige glückliche Fügung. Grundsätzlich sei das Budget der Kostenträger völlig unrealistisch bemessen, sagt Bohn. Was die Kassen mit ihrer Unterfinanzierungsstrategie machten, sei ein „Ritt auf der Rasierklinge“…..

    Das wiederspricht aber deiner Erklärung!

    http://www.rems-murr-kreis.de/2355_DEU_WWW.php?&publish%5Bid%5D=304809&publish%5Bstart%5D=

Möchten Sie einen Kommentar schreiben?