Interview: Bürgerinitiative Rettungsdienst kämpft für die 112


Leinfelden-Echterdingen (rd.de) – In Baden-Württemberg leisten einige DRK-Kreisverbände immer noch Widerstand gegen die 112, obwohl nur diese Rufnummer als Notrufnummer ausgewiesen werden darf. Die Bürgerinitiative Rettungsdienst aus Leinfelden-Echterdingen macht Druck, damit die Rotkreuz-Nummer 19222 von den Fahrzeugen und aus den Köpfen der Bevölkerung verschwindet.

Aktuell sorgt die Bürgerinitiative Rettungsdienst in Pforzheim für Schlagzeilen. An den Fahrzeugen des DRK Pforzheim-Enzkreis prangt unbeirrt die Service-Nummer 19222. DRK-Geschäftsführer Werner Hänlein verteidigt diese Strategie. Da die 112 gar nicht in der Rettungsleitstelle aufläuft, findet das DRK, der Serviceruf 19222 sei im Notfall die bessere Nummer. Ändern will man das erst, wenn es in Pforzheim eine Integrierte Leitstelle gibt.

Ein starkes Stück, findet Joachim Spohn, Vorsitzender der Bürgerinitiative Rettungsdienst und droht dem DRK mit einer Anzeige. Rettungsdienst.de sprach mit Spohn über Ziele und Wirkungen des Einsatzes für den Europanotruf 112.

rd.de: Das DRK und die 19222 scheinen unzertrennlich. Ist Pforzheim inzwischen eigentlich eine Ausnahme?

Spohn: Nicht ganz, auch in Karlsruhe gilt es noch Widerstände zu überwinden. In deren Mitgliederzeitschrift werden 110 und 112 zwar aufgeführt, für Rettungdienst und Notarzt wird aber trotzdem noch die 19222 genannt. Nachdem die 19222 an vielen Einsatzfahrzeugen gegen die 112 getauscht wurde, gibt es jetzt offenbar einen Trend, gar keine Rufnummer mehr aufzuführen. Zu beobachten ist das im Rhein-Neckar-Kreis.

rd.de: Was treibt Sie zu dem Engagement, der 112 zur Geltung zu verhelfen?

Spohn: Der Bekanntheitsgrad der 112 in der Bevölkerung muss noch weiter verbessert werden. Da gilt es auch Irritationen zu vermeiden. Die Fahrzeugbeschriftung mit der 19222 ist ein Gesetzesverstoß. Selbst der Erlass des Sozialministeriums, mit dem das DRK aufgefordert wurde nur die 112 als Notrufnummer aufzuführen, wird nicht beachtet. Damit muss Schluss sein.

rd.de: Und deshalb die Drohung mit einer Anzeige?

Spohn: Ja, wir erhöhen den Druck. Bislang waren solche Androhungen erfolgreich. Inzwischen hat das Regierungspräsidium bereits eine Unterstützung der Forderung in Aussicht gestellt.

rd.de: Die Tatsache, dass die 112 in Pforzheim bei der Feuerwehr aufläuft und so ein Übermittlungszeitverlust entsteht, ist aber doch durchaus ein Argument.

Spohn: Nein, die 19222 ist keine echte Notrufnummer. Sie kann am Handy nicht ohne Vorwahl erreicht werden, sie ist auch nicht kostenfrei erreichbar. Die 19222 lässt sich nicht orten und es erfolgt keine Anrufpriorisierung?

rd.de: Was ist mit Priorisierung gemeint?

Spohn: Die Leitstellen sind in der Zeit von 8 bis 13 Uhr über die 19222 mit Krankentransportbestellungen stark belastet. Der Leitstellenmitarbeiter kann Notrufe und Transportbestellungen nicht unterscheiden. Da landet man in einer Warteschleife oder geht zurück an die Feuerwehr. Kämen die Anrufe direkt über die 112, könnte man die Leitung bevorzugt annehmen.

rd.de: Eine hohe Anruffrequenz auf der 112 würde auch den Druck erhöhen würde, die Leitstellenzusammenlegungen umzusetzen.

Spohn: Das ist vermutlich so. Der stärkste Leistungserbringer übernimmt die Leitstelle. Das ist in den meisten Fällen das DRK.

rd.de: Wenn man das so hört, könnte man meinen Sie haben etwas gegen das DRK.

Spohn: Ich habe gar nichts gegen das DRK. Das Problem sitzt in Baden-Württemberg tiefer. Die Politik überlässt das Feld den Akteuren in eigener Verantwortung. Es ist schwer die Hilfsfristen zu überwachen, die Leitstellen wickeln zugleich Hausnotrufe ab und bieten weitere Service-Dienstleistungen an. So gesehen, ist das Subsidiaritätsprinzip hier nicht mehr zeitgemäß. Für mich gehören die Leitstellen in eine öffentliche Trägerschaft.

24 Responses to “Interview: Bürgerinitiative Rettungsdienst kämpft für die 112”

  1. bärentreiber on Februar 29th, 2012 14:57

    Spohn: Die Leitstellen sind in der Zeit von 8 bis 13 Uhr über die 19222 mit Krankentransportbestellungen stark belastet. Der Leitstellenmitarbeiter kann Notrufe und Transportbestellungen nicht unterscheiden. Da landet man in einer Warteschleife oder geht zurück an die Feuerwehr. Kämen die Anrufe direkt über die 112, könnte man die Leitung bevorzugt annehmen.

    Wenn ich diesen Quatsch des Hr. Spohn lese! Ich arbeite selbst auf einer Rettungsleitstelle, wo von der Feuerwehr die Hilfeersuchen an uns durchgestellt werden. Es kommen doch sehr viele Krankentransportbestellungen über 112 rein – und nicht nur das: auch kommen viele Anfragen über Apothekennotdienst, Zahnärztenotdienst, kassenärztlicher Notdienst, tierärztlicher Notdienst etc. pp über die 112 rein.

    Warum wird nicht bundesweit eine einheitliche dreistellige Notrufnummer für medizinische Notfälle eingerichtet? Für so eine unsinnige Behördennummer 115 war ja auch Kohle vorhanden!

  2. Manfred on Februar 29th, 2012 22:33

    Da fragt bärentreiber: „Warum wird nicht bundesweit eine einheitliche dreistellige Notrufnummer für medizinische Notfälle eingerichtet?“
    Nun, was bitte ist denn die 112? Doch genau das, eine bundeseinheitliche Nummer für medizinische Notfälle!
    In meinen Augen haben die, die weiterhin die 19222 propagieren und sich zudem gegen eine Zusammenlegung von Feuerwehr und Rettungsdienst Leitstellen wehren nicht erkannt, worauf es in dem Job ankommt.

  3. bärentreiber on März 1st, 2012 10:20

    Ganz einfach: da z. B. bei Unwetterlagen die 112 von hunderten Bürgern wegen vollgelaufener Keller, runtergefallenen Dachziegeln, umgeknickten Bäumen etc. nur so glüht. Medizinische Notfälle können dadurch schnell mal in der Warteschleife hängen bleiben.

    Wie sagte Spohn so schön im Interview: der Leitstellenmitarbeiter kann Notrufe und Transportbestellungen nicht unterscheiden.

    Das gleiche gilt bei Unwetterlagen für den 112-Disponenten wohl doch auch – auch dieser erkennt mit Sicherheit nicht am Klingelton, ob der Anrufer nen Herzinfarkt hat oder ob seine Katze im Baum festsitzt!

    Daher wäre es nicht so verkehrt. wenn es für med. Nofälle eine eigenständige dreistellige Notrufnummer geben würde. Es soll ja auch alles in einer integrierten Leitstelle auflaufen – nur soll man gleich unterscheiden können, ob es sich um einen medizinischen Notfall handelt oder „nur“ um eine Ölspur, umgeknickter Baum, Schwan in Seennot oder ähnliches handelt.

  4. Thomas on März 1st, 2012 12:49

    Diese Art der Diskussion ist weder den Aktueren noch den Hilfesuchenden dienlich. Es geht um viel mehr. Baden-Württemberg muss sich nunmehr Europa annähern und das geht nicht mit lokalen Interessen. Woanders z.B. in Hessen geht es ja auch und funktioniert hervorragend. Entscheidend ist welche Qualität ich möchte. Sollte ein Notruf innerhalb 60 Sekunden oder erst nach fünf Minuten entgegen genommen werden können. Wie schnell schafft es eine Leitstelle nach Entgegennahme das richtige Rettungsmittel oder Feuerwehren zu alarmieren. Benötige ich für die Entscheidung nicht länger als 30 Sekunden oder darf es auch länger sein. Führen die Verantwortlichen die strukturierte Notrufabfrage ein und gibt Handlungsanweisungen (z.B. Telefonreanimation). Also habe ich sehr gut in allen Leitstellenfragen ausgebildetes Personal (Gruppenführer der Feuerwehr, Rettungsassisten, Stabsarbeit im Katastrophenschutz, Fremdsprachenkenntnisse, EDV-Kenntnisse u.v.m.) oder belasse ich es beim Notwendigsten.
    Es liegt demnach an der Quantität als auch der Qualität der Akteure. Das Land Baden-Württemberg sollte nun endlich seiner Verpflichtungen nachkommen und gemeinsame Leitstellen für den Brand- und Katastrophenschutz sowie Rettungsdienst in regional verantwortbarer Größe einrichten und diese auch selbst betreiben. Dann würden diese Art der Diskussionen der Vergangenheit angehören. Konkurenzen im Rettungsdienst darf und kann nicht zugelassen werden, wo es um Menschenleben geht.

  5. Rettungsdienstler (Norddeutschland) on März 1st, 2012 13:56

    Wenn man diese Diskussion hier liest, muss man erst einmal in den Kalender schauen, ob auch wirklich schon das Jahr 2012 ist. Diese Diskussion gehört doch in die 90ger Jahre!

    In Süddeutschland hat sich die 19222 wie durch ein Wunder über Jahrzehnte erhalten, trotz der genannten Mängel als unechte Notrufnummer. Im Rest der Republik sind integrierte Leitstellen seit sehr langer Zeit etablierter Standard. Notrufe über die 112, Krankentransporte über die 19222 oder die Rufnummer privater Firmen. Hat eigentlich irgendjemand mal darüber nachgedacht, dass ein Nordrhein-Westfale, Hesse, Niedersachse, Hamburger, Bremer, Schleswig-Holsteiner, Thüringer, Sachse, Sachsen-Anhalter, Thüringer, Berliner, Brandburger, Mecklenburg-Vorpommer die Nummer 19222 überhaupt nicht mehr als Notrufnummer kennt? Bei Rheinland-Pfalz und dem Saarland bin ich nicht sicher. Auch die Tatsache, dass ein Handynotruf ohnehin automatisch auf der 112 landet, dass es eine EU weite Notrufnummer ist, wird völlig unterschlagen.

    Nördlich der „gallischen Dörfer“ diskutiert man schon nicht mehr über überregionale Leitstellen (integerierte Rettungsleitstellen, die mehr als ein Kreisgebiet versorgen), auch diese sind bereits vielerorts erfolgreich etabliert. Derzeit wird über „bunte Leitstellen“ (Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr) diskutiert. Nur damit sie sich schon mal auf die Aufschreie in den nächsten Jahrzehnten vorbereiten können.

    Es ist wirklich lächerlich, dass man über mögliche Probleme bei der Kapazität und Bürgerakzeptanz der 112 diskutiert. Städte wie Berlin und Hamburg bekommen dies vernünftig hin, im Bundesland Schleswig-Holstein gibt es insgesamt nur noch 4 integrierte Leitstellen. Das einzige Problem ist, dass einzelnen Lokalfürsten ihr Bagger aus dem Sandkasten gestohlen wird und das kann und darf kein Argument sein. Der Rettungsdienst muss weg vom Heimatverein und hin zu einem professionellen Instrument der Gefahrenabwehr.

    Mit freundlichen Gruß!

    PS: Meine Leitstelle versorgt mehr als 1,5 Millionen Bürger über die 112. Die Probleme halten sich sehr in Grenzen.

  6. wolfschreiner on März 2nd, 2012 00:20

    Dem „Rettungsdienstler“ kann ich uneingeschränkt zustimmen. Bin als Rettungsdienst-Outsider, also eher als möglicher zu Rettender, entsetzt über das vornapoleonische Kleinfürstengehabe in Baden-Württemberg. Grün-Rot („Kretsch“) muss in seiner ersten(!) Legislaturperiode ein Machtwort pro überregionale integrierte Leiststellen sprechen. Das wäre leicht realisierbare Nachhaltigkeit, die ja das neue Politikprojekt im Ländle wie ein roter Faden durchzieht.

  7. onisepmac on März 6th, 2012 02:16

    Sie ärgern sich hier alle zurecht über diese Umstände. Es wurde auch zurecht angemerkt, dass dies eine Diskussion ist, welche eigentlich in die 90er gehört.

    Nun, seit einigen Monaten in Europas (EU) Süden in einer Großstadt eines Ballungsraumes lebend, mit Einblick ins örtliche medizinische Notfallversorgungs-System, kann ich nur sagen:
    Der deutsche Rettungdienst ist spitze. Es gibt einen Notruf. Es gibt eine Notrufabfrage. Durch ausgebildetes Personal. Es wird Hilfe geschickt, in jedem Fall. Meistens trifft sie innerhalb zehn Minuten ein, spätestens nach 15. Die geschickten Helfer sind ausgebildet und mindestens zu zweit. Sie sind ausgerüstet. Sie leisten medizinische Hilfe. Bei Bedarf kommt ein Arzt und leistet ärztliche Hilfe.

    Auf jeder dieser Stufen kann Versagen auftreten und tritt auf. Menschliches, fachliches, soziales, anderes Versagen. Aber in der Regel funktioniert es. Darauf sollten alle stolz sein. Vieles könnte besser funktionieren. Deshalb ist es gut, dass sich hier so viele über die Muffköppe mit ihrer 19222 ärgern. Aber es gibt keinen Grund zum Zynismus. I

  8. Sepp Daxberger on März 6th, 2012 18:29

    Bei einem persönliche Gespräch mit dem Landesbranddirektor, der für den Rettungsdienst im Ländle zuständig ist, habe ich den Eindruck bekommen, dass dieser Herr an der derzeitigen Situation nichts ändern will, respektive dem DRK nicht auf die Pelle rücken. Da er 49 Jahre alt ist, hat er sich einen Zeitraum von 11 Jahren, nämlich bis zu seiner Pensionierung, vorgegeben, um den RD im Ländle „behutsam“ wie er sagte zu ändern, natürlich ohne dem DRK zu schaden.

  9. Achim on März 8th, 2012 12:12

    @Sepp

    Nun gut falls dem so ist, hat er ja sich seine Daseinsberechtigung bis zur Pensionierung gesichert ;-))

    Aber im Ernst: Es kann nicht die alleinige Aufgabe eines Landesbeamten sein die „Unzulänglichkeiten“ des Rettungsdienstes in Ba.Wü. zu beheben. Das ist in erster Linie aufgabe der Politik, die dafür Sorge zu tragen hat, dass die Rahmenbedingungen im RD eingehallten werden. Die anstehenden Kürzungen bei der Besoldung und Pensionen usw. bei den Beamten werden ihr weiteres dazu beitragen dass da nicht allzuviel passieren wird!
    Auch darf es nicht ausgemachtes Ziel sein der einen oder anderen Hi.Org „zu schaden.“
    Es wäre nicht schlecht wenn sich weitere solche Bürgerinitiativen gründen würden um eine gewisse ausserbehördliche Kontrollfunktion des RD zu betreiben. Genauer sollte man auch einmal bei den Ausrüstungen der einzelnen RD Bereichen hinschauen ob hier nicht auch ein gewisses Defizit mit unter in Kauf genommen wird.

  10. Tscho on März 8th, 2012 16:44

    @ Sepp Daxberger

    Gemäß der Homepage des Innenministerium Ba.-Wü. ist der Landesbranddirektor seit 2005 im Dienst und derzeit 55 Jahre alt (wird am 1.12. 56 Jahre).

    Sind Sie sicher, daß Sie sich mit der richtigen Person unterhalten haben?

    http://www.innenministerium.baden-wuerttemberg.de/de/Der_Landesbranddirektor/82848.html

  11. Achim on März 9th, 2012 14:29

    Ganz interresant die aktuelle Problematik im RD Bereich Ludwigsburg:

    LKZ KREIS LUDWIGSBURG

    Initiative: Leitstelle in öffentliche Hand

    http://www.lkz.de/home/lokales/stadt-kreis_artikel,-Initiative-Leitstelle-in-oeffentliche-Hand-_arid,46113.html

  12. locco on März 10th, 2012 13:03

    Oh ihr ewig gestrigen.

    Als Großstädter wird man im Erste-Hilfe-Kurs stets darauf hingewiesen, das Europaweit die 112 oft schon DIE Notrufnummer sei, aber auf dem Lande in Deutschland da gilt noch eine Andere. Die 19222. Welch Irrsinn, wenn man doch erwartet, dass auf jedem Gebiet im Rettungswesen die gleichen Standarts gelten sollten. Ich würde in ländlichen Gebieten nie auf die Idee kommen, die +49017719222 o.ä. zu wählen.

  13. Tscho on März 12th, 2012 11:00

    @ Iocco

    Nicht nur in Großstädten wird hoffentlich die 112 als Notrufnummer vermittelt, da sie seit 2009 verbindlich umzusetzen ist. Lieber wird der Bürger bei einem Notfall weiter verbunden, wie daß er sich verschiedene Nummern merken muß und diese im schlechtsten Fall in der Aufregung miteinander vermischt.

    Die 19222 hat schlicht und einfach nur Nachteile, auch wenn das einige regionale DRK „Häuptlinge“ nicht einsehen wollen. Da diese Kreisverbände in Ba.-Wü. nun aber auch von DRK LV Ba.-Wü. Gegenwind bekommen wird sich das Problem hier wohl auch in absehbarer Zeit endlich erledigt haben.

    Hier das Positionspapier des DRK LV Ba.-Wü. zur Weiterentwicklung des Rettungsdienstes:
    http://www.drk-bw.de/pressebereich/downloads_presse2012-03-08_rd_positionspapier_drklvbw.pdf

    Mit der +49017719222 kämen Sie im Übrigen nicht bei einer Rettungsleitstelle an.

  14. Getürkte Hilfsfristen » rettungsdienst.de on März 12th, 2012 22:59

    […] Risiken, befand Joachim Spohn, Vorsitzender der Bürgerinitiative Rettungsdienst vor zwei Wochen im Gespräch mit Rettungsdienst.de. Wer diese Nachricht nun liest, könnte das für eine glatte Bestätigung halten: Das DRK musste […]

  15. Jörn on März 20th, 2013 15:19

    @all: Unter dem Az. 25a-5461.3-212 des Regierungspräsidiums Karlsruhe ist aktenkundig geworden, dass der DRK-Kreisverband Karlsruhe e. V. von den zuständigen Behörden (Landkreis und kreisfreie Stadt Karlsruhe) angewiesen wurde, seine Rettungsmittel gesetzes- bzw. erlasskonform mit dem EURONOTRUF 112 zu bekleben. Das plakative Bewerben der NICHT-Notrufnummer 19 222 bzw. des HausNotRuf-Angebots des DRK Karlsruhe wurde untersagt. Zwischenzeitlich konnte von den Behörden Vollzug gemeldet werden, wie mir das RP Karlsruhe am heutigen Vormittag schriftlich mitteilte.

    Ein weiterer Sieg für die Vernunft!

    Regnerische, aber frühlingshafte Grüße aus dem Südwesten

  16. Achim on März 20th, 2013 23:13

    @Jörn

    112 auf den Autos.

    Mission accomplished?

    Ich hoffe nicht!

  17. Jörn on März 21st, 2013 16:41

    @Achim: Errichten weiterer Integrierte (Regional)-Leitstellen, Schaltung aller 116117-Hilferufe auf I(R)LS, Verabschiedung des NFSG durch den Bundesrat, Weitere (Re-)Kommunalisierungen des Rettungsdienstes, Etablierung weiterer Ärztlicher Leiter Rettungsdienst, bundeseinheitliche Standards im Rettungsdienst… – what ever you want! 🙂

    Sonnige Grüße aus dem Südwesten

  18. Jörn on März 23rd, 2013 11:20

    @Achim und @all: NACHTRAG zu meinem Post vom 21.03.2013 – 16:41 Uhr:

    Und natürlich auch GPS-Ortungsfähige Rettungsmittel:

    Vgl. http://www.badische-zeitung.de/freiburg/notfalleinsatz-mit-navi-problem–70271905.html vom 23.03.2013 🙂

    Was der fehlende BOS-Funk in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren war, scheint die fehlende GPS-Ortungsfähigkeit der Rettungsmittel in den frühen 2010er Jahren zu sein…

    Vgl. http://www.steiger-stiftung.de/Historie.118.0.html

    ZITAT hieraus gefällig? „1969 haben fast alle Taxis Sprechfunk – Krankenwagen aber nicht. Die Björn Steiger Stiftung bietet den Landkreisen in Baden-Württemberg an, ein Drittel der Gerätekosten zu übernehmen – der Beginn des flächendeckenden Funksprechverkehrs im deutschen Krankentransport. Am 7.11.1969 wird das erste Geräte an das Deutsche Rote Kreuz übergeben.“

    Björn-Steiger-Stiftung, übernehmen Sie?! 😉

    Frühlingshafte Grüße aus dem Südwesten

  19. Sargnagel on März 23rd, 2013 15:25

    Wenn es das DRK KA jetzt auch noch schafft das neu erlangte Wissen auch auf der Homepage umzusetzen…

    Dort steht heute unter der Rubrik Rettungsdienst heute noch die (0721) 19222 als Nummer für Rettungsdienst & Krankentransport. Die 112 wird ledilich als „Europa-Notruf“ genannt.

    http://www.drk-karlsruhe.de/angebote/erste-hilfe-und-rettung/rettungsdienst.html

    Warum soll der Bürger Europa unter einer Notrufnummer anrufen 😉 Meines Erachtens ist die Bezeichnung der 112 als Europa-Notruf oder auch Euronotruf denkbar ungünstig. Wie soll der Laie hier erkennen, daß er in der EU sowie weiteren Staaten Rettungsdienst, Notarzt, Feuerwehr, Polizei… unter dieser Rufnummer erreichen kann?

  20. Jörn on Dezember 17th, 2013 06:22

    @Sargnagel: Es geschehen noch Zeichen und Wunder – auch im nordbadischen Karlsruhe: vgl. aktuell http://www.drk-karlsruhe.de/angebote/erste-hilfe-und-rettung/rettungsdienst.html. Das blau-gelbe Logo „Notruf 112 europaweit“ prangt dort an prominenter Stelle. 🙂

    Und auch wenn das Foto auf der Unterseite „Notrufnummern“ (siehe http://www.drk-karlsruhe.de/angebote/erste-hilfe-und-rettung/rettungsdienst/notrufnummern.html) noch immer einen reinweißen RTW des DRK Karlsruhe mit (1)9 222-Beklebung zeigt, hat man offensichtlich auch dort erkannt, dass im richtigen Leben „gallische Dörfer kaum Chancen gegen das Römische Imperium haben“… 😉

    Übrigens teile ich Ihre Kritik nur in Teilen: Denn Hilfeersuchen der Bürgerinnen und Bürger sollten weltweit nur an einer Stelle auflaufen – egal ob polizeilich oder nicht-polizeilich. Schließlich entscheidet der Disponent darüber, was entsendet wird! Der Hilfe(er)suchende ist damit nämlich überfordert… 😉 Von daher: JA zum Euronotruf 112 !!!

    Frühmorgendliche und momentan noch eiskalte Grüße aus den Südwesten – in den Südwesten

    PS: Asterix-Bände lesen bildet! 🙂 🙂 🙂

  21. Sargnagel on Dezember 17th, 2013 12:56

    @Jörn,
    Danke für die News. Ich bin quasi (fast) sprachlos. Daß das DRK KA auch noch neue Bilder macht war ja kaum zu erwarten. Soviel Nostalgie sollte man den DRK schon zugestehen.

    Aber wir sollten die Euphorie ein wenig dämpfen, denn:
    http://www.drk-karlsruhe.de/fileadmin/Angebote/Dateien_zum_Herunterladen/Rettungsleitstelle_neu%20112.pdf

    http://www.drk-karlsruhe.de/fileadmin/Angebote/rettung/DRK-Forstrettungsschilder-Flyer2.pdf

    Ich kritisieren übrigens nicht die 112, da bin ich voll bei Dir. Was mir missfällt ist die Bezeichnung Europa-Notruf bzw. Euronotruf. Diese Bezeichnung halte ich für unglücklich gewählt. Manchmal sind Abkürzungen eben doch nicht die Beste Wahl.

    Ein Blick in die Notruftafeln vieler Zeitungen verrät uns auch, daß u.a. bei der Presse der Sinn dieses Euro-Notrufs nicht verstanden wurde, denn vielerorts findet sich weiterhin die 19222 als DRK-Leitstelle. Gleiches Gilt für Homepages von Ärzten und Apotheken.

    Die 112 wurde m.E. einfach viel zu lautlos in ihre „neue“ Bestimmung überführt, so daß die Bevölkerung sie als zusätzliche Rufnummer neben 19222, 19240, 19292, 110, 116117, 115 usw. wahrnimmt. Spätestens wenn dann noch zwischen Notruf (Rettungsdienst & Notarzt) 112 und Krankentransport 19222 unterschieden wird blickt kaum noch jemand durch. Wer soll denn ohne stetige Aufklärung hier als Laie den Überblick haben und sich im Falle eines (medizinischen) Notfalls für die ideale Rufnummer entscheiden? Zudem wird der Begriff Notruf (Behörden-Notruf, Giftnotruf, Handwerker-Notruf, Internet-Notruf…) geradezu inflationär genutzt.

  22. Jörn on Dezember 17th, 2013 16:01

    @Sargnagel: Sie haben den (Sarg-)Nagel auf den Kopf getroffen! Die „Notrufe“ bzw,. Notrufnummern sind inflationär… Wir haben es selbst in der Hand, in unserer eigenen Erfahrungswelt für korrekte Notruftafeln und Beschriftungen zu sorgen. Ich für meinen Teil mache das seit Ende der 1980er Jahre…. (Hierzu und zum organisierten Widerstand der örtlichen Duodezfürsten im Roten Kreuz, aber auch in den Medien und der Ärzteschaft, vielleicht später einmal mehr.)

    Was indes die weitere Bewerbung der kostenpflichtigen und im Fest- sowie Mobilfunknetz nicht-priorisierten Servicenummer (07 21) 19 222 durch den DRK-Kreisverband Karlsruhe e. V. auf seiner Website und seinen Medien angeht, so habe ich heute Nachmittag die zuständigen Behörden über diesen eklatanten Verstoß gegen den ministeriellen Erlass der (seinerzeitigen) Sozialministerin Dr. Monika Stolz informiert. Diese werden umgehend für Abhilfe sorgen (müssen)!

    Sonnige, aber weiterhin eiskalte Grüße aus dem Südwesten

  23. Sargnagel on Dezember 17th, 2013 17:33

    Jörn, Sie wissen wahrlich wie man Geschenke macht.

  24. Jörn on Dezember 25th, 2013 07:03

    @Sargnagel (17.12.2013 – 17:33 Uhr): Es kommt noch besser! 😉

    Am 24.12. teilte mir der zuständige Referatsleiter im Stuttgarter Innenministerium per E-Mail mit, dass der DRK-Kreisverband Karlsruhe e. V. ab sofort den KORREKTEN Notruf auf seiner Homepage bewirbt. – und dies auch bei den so genannten Forstrettungsschildern!

    Einfach mal die Links ausprobieren… (PS: Die beiden PDFs werden allerdings noch überarbeitet.)

    Na, wenn das kein Weihnachtsgeschenk FÜR UNS ALLE ist… 🙂 🙂 🙂

    Weihnachtliche Grüße aus dem hohen Norden

Möchten Sie einen Kommentar schreiben?