Hilfsfristen 2012 häufiger eingehalten


Stuttgart (IM-BW) – In Baden-Württemberg wurden die Hilfsfristen 2012 im Bereich Rettungsdienst häufiger eingehalten. Das gab das Innenministerium am Dienstag (09.07.2013) bekannt. Allerdings relativierten zunehmende Einsatzzahlen die Erfolge, so Innenminister Reinhold Gall (SPD).

Gall räumt ein: „Die demografische Entwicklung und steigende Einsatzzahlen […] bedeuten für den Rettungsdienst jedoch eine enorme Herausforderung.“ Daher seien zum Beispiel im Landkreis Sigmaringen 20 Prozent mehr Notarzteinsätze angefallen, wodurch höhere Vorhaltungen aufgezehrt würden. Insgesamt sei die notärztliche Hilfsfirst in acht, die Hilfsfrist für Rettungswagen in 25 Bereichen eingehalten worden. Im Vorjahr waren es noch sieben beziehungsweise 24 Bereiche.

Auf ganz Baden-Württemberg hochgerechnet wird die Hilfsfrist bei 87,4 Prozent der Notarzteinsätze und bei 94,7 Prozent der RTW-Einsätze eingehalten – angepeilt sind 95 Prozent. Das Innenministerium hofft, unter anderem durch die Einbindung des vertragsärztlichen Bereitschaftsdienstes in die Leistellen-Einsatzsteuerungen die Hilfsfristen häufiger einhalten zu können. Auch seien die Zuschüsse für die Luftrettungsstationen aufgestockt worden.

6 Responses to “Hilfsfristen 2012 häufiger eingehalten”

  1. marcus on Juli 9th, 2013 16:06
  2. Jörn on Oktober 21st, 2013 18:18

    Dass die DRK-Rettungsdienste im so genannten Ländle chronisch unterfinanziert sind, ist längst ein offenes Geheimnis.

    Zuletzt musste der DRK-Kreisverband Rems-Murr e. V. ein Defizit von rund 1,3 Millionen Euro in seiner Abteilung Rettungsdienst einräumen (vgl. aktuell http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.waiblingen-das-drk-sieht-sich-gut-geruestet.f5e9ecf6-c291-4ba6-9c9d-c91cbffb4da0.html vom 17.10.2013 und http://www.bkz-online.de/node/551953 vom 18.10.2013). Und auch der benachbarte DRK-Kreisverband Ludwigsburg e. V. (vgl. http://www.lkz.de/lokales/stadt-kreis-ludwigsburg_artikel,-Das-DRK-sieht-Licht-am-Ende-des-Tunnels-_arid,84460.html vom 13.09.2012) rechnete für 2012 mit einem Defizit von rund
    500.000 Euro. Auch hier war es (und ist es weiterhin) der Betriebszweig Rettungsdienst, der rote Zahlen schreibt.

    Eine Folge der chronischen Unterfinanzierung: Trotz Nichteinhaltung der gesetzlichen Hilfsfristen für Rettungswagen und Notarzt werden insbesondere auf dem flachen Land nur kosmetische Korrekturen vorgenommen – mehr ist bei dem Leistungserbringer DRK, der zugleich auch die Funktion des Rettungsdienstträgers (nach § 2 RettDG BW „Leistungsträger“ genannt) wahrnimmt, nicht drin.

    Jetzt hat eine Erhebung der „Stuttgarter Nachrichten“ ergeben, dass die landesweit vorhandenen Probleme in der Tat strukturelle Ursachen haben. Sie liegen demnach auch in der Finanzierung.

    ZiITATANFANG: „Demnach hat die AOK, bei der fast jeder dritte Deutsche krankenversichert ist, im Jahr 2012 in den einzelnen Ländern äußerst große Unterschiede vorzuweisen. In Baden-Württemberg hat sie lediglich gut 29 Euro pro Versichertem in die Notärzte und Rettungswagen investiert. In allen anderen Ländern war es teils deutlich mehr. Die Spitzenreiter bringen es auf 60 bis 70 Euro pro Kopf. Fachleute kritisieren, dass damit auch Qualitätsunterschiede verbunden sein müssen.“ ZITATENDE

    Für die Beteiligten scheinen diese Zahlen allerdings neu zu sein, und offenbar sind sie zuvor noch nie erhoben worden.

    Vgl. http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.lokales-alarm-in-der-kasse-notfallrettung-fehlt-geld.707b0199-213e-450e-8ef3-ec30e99a1713.html vom 21.10.2013

    Eine mögliche Konsequenz könnte sein, den Rettungsdienst auch im Ländle zu kommunalisieren…

    Herbstliche Grüße aus dem Südwesten

  3. Sepp Daxberger on Oktober 21st, 2013 19:44

    Als ich zu Beginn der Übernahme des Rettungsdienstes durch das Innenministerium zu einem informellen Gespräch bei Landesbrandirektor Schröder war, konnte ich den eindruck gewinnen, dass man „ALLES“ möglichst so lassen wollte wie bisher, vor allem aber wollte man nicht mit dem DRK anecken.
    Anstatt die Trägerschaft des RD im Ländle auf die Kommunen, bzw. das Land zu verlagern, ist weiterhin das DRK Träger.
    Die enge Verflechtung zwischen DRK und Politik, auch in anderen Bundesländern, ist ein Hemmschuh für einen funktionsfähigen Rettungsdienst, weil die Politiker, auch die beim DRK nur von 11.59 bis 12.00 denken können!!
    Es braucht schon mehr Druck um die Lage zu ändern, aber solange das DRK in seiner Machtstellung bleibt, wird sich nicht tun, schade.

  4. Achim on Oktober 21st, 2013 23:07

    Der erste Schritt um die Situation bezüglich der materiellen Qualität zu verbessern ist die verbindliche Festschreibung der DIN, EN, Iso Normen im Landes RD Gesetz bzw . im Landesbereichsplanes von Ba. Wü. Damit wäre schon mal erreicht dass die Leistungsträger zum einen gefordert werden diese einzuhalten sowie überhaupt eine verbindliche Grundlage erhalten diese Ausstattung finanziert zu bekommen. Stichwort RTW Finanzierungspauschale von ca. 80.000 €
    Fahrzeugbeschaffungen unter den Gesichtspunkten von Ergonomie und Mitarbeiterzufriedenheit sind sowieso im Ländle die allergrößte Ausnahme.

  5. Jonas on September 8th, 2014 16:25

    Im vergangenen Jahr haben sich die Einhaltungsquoten der Hilfsfristen allerdings wieder verschlechtert: https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/hilfsfristen-fuer-rettungswagen-und-notaerzte-veroeffentlicht/

    Und so titelte kürzlich die Stuttgarter Zeitung treffend: „Schwachstellen des Rettungsdienstes – Der Frust mit den Fristen“ – und trifft damit den Nagel auf den Kopf: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.schwachstellen-des-rettungswesens-der-frust-mit-den-fristen.2a6ceafd-adf2-4beb-95fa-8aa42ce126b5.html

    Kürzere Eintreffzeiten sind das eine, gute medizinische Versorgung das andere!

  6. Jörn on September 8th, 2014 16:52

    @Jonas: Interessanter Zeitungsartikel. Passend dazu ist jüngst der zweite „Qualitätsbericht für den Rettungsdienst“ der Stelle zur trägerübergreifenden Qualitätssicherung im Rettungsdienst (SQR) erschienen.

    Den 66-seitigen Bericht für das Jahr 2013 findet der geneigte Leser hier:

    http://www.sqrbw.de/docs/SQR-BW_Qualitaetsbericht_2013.pdf

    Spätsommerliche Grüße in den Südwesten

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