Getürkte Hilfsfristen


Schwäbisch Hall (rd.de) – Jahrelang schien der Rettungsdienst in Schwäbisch Hall zuverlässig schnell zu sein. Doch er war es nicht, wie das DRK Baden-Württemberg nun einräumen musste.

Systeme, die sich selbst überwachen, bergen Risiken, befand Joachim Spohn, Vorsitzender der Bürgerinitiative Rettungsdienst vor zwei Wochen im Gespräch mit Rettungsdienst.de. Wer diese Nachricht nun liest, könnte das für eine glatte Bestätigung halten: Das DRK musste einräumen, dass ein Rettungsdienstleiter offenbar seit 2006 die Einsatzzeiten für Schwäbisch Hall frisiert hatte. Der Verdacht der Manipulation bestätigte sich, nachdem die Hilfsfristen jetzt EDV-gestützt und automatisch in der Leitstelle erfasst werden. Plötzlich ist Rettungsdienst in Schwäbisch Hall deutlich zu langsam, erreicht die Hilfsfristen nur zu 90,8 Prozent.

„Einen Verdacht gab es schon bei der Kontrolle der Zahlen aus 2010. Die konstant guten Eintreffzeiten waren kaum vorstellbar“ erklärte Udo Bangerter, Pressesprecher des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg. Der Rettungsdienstleiter wurde von seiner Position entfernt und arbeitet wieder im Einsatzdienst. „Mit den EDV-ermittelten Zahlen für das Jahr 2011 haben wir die Hilfsfristen für Schwäbisch Hall nach unten korrigiert und diese Veränderungen mit der Manipulation begründet“, so der Sprecher weiter. In diesem Fall – so jedenfalls nach Aussage des DRK in Baden-Württemberg – hat das Transparenzgebot für die notwendige Aufklärung gesorgt.

Das DRK will nun zusammen mit einem externen Gutachter schnell in die Lage kommen, Verbesserungsvorschläge zu liefern, damit der Rettungsdienst in Hall wieder schneller beim Patienten ist.

One Response to “Getürkte Hilfsfristen”

  1. Achim on März 13th, 2012 08:20

    Da will man es sich gar nicht vorstellen was vor dem „Transparenzgebot“ so alles getrieben worden ist!
    Das ist mit Sicherheit nur die Spitze des Eisbergs.
    Und was lehrt uns dieser Vorgang noch? Es gibt zumindest schon zwei Berufe bei denen man ungestraft gegen geltendes Recht verstoßen kann: Bundespräsident und Rettungsdienstleiter!
    Warum im in diesem Fall arbeitsrechtlich so „behutsam“ verfahren wird kann man eigentlich nur spekulieren!
    Aber halten wir es am besten mal mit Xavier Naidoo: Deutschland ist noch nicht verloren!
    Echt klasse das Stück.

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