Chirurgen nähen abgetrennte Hand wieder an


Hannover (idw) – In einer neunstündigen Operation ist es den Ärzten der Klinik für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gelungen, die abgetrennte Hand eines 53-jährigen Mannes aus St. Andreasberg erfolgreich wieder anzunähen.

„Dem Patienten geht es sehr gut, auch weil er so rasch aus dem Harz in unsere Spezialklinik geflogen wurde“, sagte Dr. Max Meyer-Marcotty, Oberarzt der Klinik und Operateur des Mannes. Der Elektroingenieur hatte sich am Abend des 16. April die linke Hand beim Holzsägen mit der Kreissäge abgetrennt.

Heimwerken als Hauptgefahrenquelle

Professor Dr. Peter Vogt, Direktor der Klinik für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, machte darauf aufmerksam, dass die Zahl der schweren Handverletzungen als Folge von Freizeitunfällen beim Heimwerken stark zugenommen hat. „Von 70 derartig schweren Handverletzungen, die wir seit2006 in der MHH behandelt haben, waren 49 die Folge von einem Unfall beim Heimwerken“, betonte Professor Vogt, das sind knapp 70 Prozent. Er warnte davor, die Gefahren zu unterschätzen, die von Heimwerkergeräten ausgehen. „Die Maschinen sind oft schon so leistungsstark wie im Profi-Bereich, die Heimwerker aber überhaupt nicht im Umgang damit geschult.“ Professor Vogt, der auch Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) ist, riet dazu, besser einen Handwerker zu beauftragen, als die eigenen Heimwerkerfähigkeiten zu überschätzen.

„In den vergangenen drei Jahren hatten wir nur drei Verletzungen dieser Art. In diesem Fall, wie auch in den beiden vorangegangenen Fällen, waren die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Replantation zum Glück gegeben“, betonte Professor Dr. Peter Vogt. Die Verletzungen der abgetrennten Hand ließen ein Wiederannähen zu und der Patient aus dem Harz lag vier Stunden nach dem Unfall auf dem Operationstisch.

Vor lauter Schreck die Hand vergessen

„Ich bin noch heute ärgerlich, weil ich einen Moment lang nicht richtig aufgepasst habe“, sagte Elektroingenieur Vasile Neagu. Er wickelte sich ein Tuch notdürftig um den Stumpf und bat einen Nachbarn, ihn ins Krankenhaus in das 17 Kilometer entfernte Bad Harzburg zu bringen. „Erst unterwegs gestand ich ihm, dass ich mir die gesamte linke Hand abgesägt hatte“, erinnerte sich der 53-Jährige. Sein Nachbar wollte sofort umdrehen und die Hand holen. „Doch mittlerweile hatten die Schmerzen begonnen und ich bat ihn, mich erst in der Klinik abzuliefern und dann den Handschuh mit der Hand zu holen.“ In Bad Harzburg wurde der Verletzte erstversorgt. Als der Nachbar die Hand geholt hatte, wartete schon ein Rettungshubschrauber, der den Patienten in die MHH flog.

Bei einer Replantation werden zunächst Knochen und Sehnen wieder miteinander verbunden, dann Arterien, Nerven und Venen. Bei den Blutgefäßen kann man sofort sehen, ob die Durchblutung wieder funktioniert. „Die Hand war sehr schnell wieder rosa und die Heilung verläuft bislang ohne Störungen“, erklärte Dr. Meyer-Marcotty. „Die Prognose ist sehr gut.“ Bereits kurz nach der OP sei mit ersten Übungen begonnen worden, mittlerweile erhalte der Patient eine ambulante Rehabilitationsmaßnahme in Bad Lauterberg.

Im November 2008 hatten die MHH-Mediziner schon einmal einem 25-jährigen Mann aus Polen eine ausgerissene Hand erfolgreich replantiert. Der Mann, der im fleischverarbeitenden Gewerbe tätig war, hatte sich seine linke Hand in einem riesigen Fleischwolf abgetrennt.

Weitere Information: http://www.mh-hannover.de/

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