Bayern: Notarzthonorare werden gekürzt


München (pm/rd.de) – Im Rahmen einer dringlichen Sitzung hat die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) in München über die massiven Probleme im ärztlichen Bereitschaftsdienst sowie im Notarztdienst in Bayern debattiert.

Dr. Wolfgang Krombholz, Vorstandsvorsitzender der KVB, sprach in seinem Vortrag von einer „verkehrten Welt“: So befänden sich die gesetzlichen Krankenkassen momentan zwar in einer komfortablen wirtschaftlichen Situation, würden diese Versichertengelder jedoch nicht in deren Versorgung investieren.

Aktuell würden nicht einmal alle geleisteten Notarzteinsätze überhaupt vergütet, da deren Notwendigkeit von den Krankenkassen angezweifelt würde. In der Praxis, so erläutert die KVB, wird ein Notarzteinsatz immer nur zusammen mit einem RTW-Einsatz vergütet. Wenn nach einer erfolglosen Reanimation Angehörige behandelt werden müssten, sei nur ein RTW-Einsatz angefallen. Die Zentrale Abrechnungsstelle (ZAST) bezahlt nur eine Notarztbehandlung, obwohl der Arzt bei zwei Patienten tätig werden musste. Auf diese und ähnliche Weise ist bei der KVB in den Jahren 2009 bis 2011 ein Defizit in Höhe von knapp elf Millionen Euro entstanden.

Um dieses Minus nicht weiter zu erhöhen, sah sich die Vertreterversammlung der KVB gezwungen, eine Absenkung der Vergütung der im Notarztdienst erbrachten Leistungen ab dem vierten Quartal 2012 zu beschließen. „Diese Entscheidung ist uns schwergefallen und widerspricht unserer Überzeugung, dass die von Bayerns Notärzten geleistete Arbeit anständig vergütet gehört. Doch solange die Krankenkassen berechtigte Honorarforderungen der Notärzte nicht anerkennen, bleibt uns keine andere Wahl. Damit wird es künftig noch schwieriger werden, die Dienste zu besetzen“, sagte Enger.

Hintergründe zur Situation des Notarztdienstes in Bayern (PDF)

3 Responses to “Bayern: Notarzthonorare werden gekürzt”

  1. Sepp Daxberger on August 1st, 2012 18:07

    Im bayrischen Rettungsdienst ist viel „Faul“ und das nicht erst seit gestern. Hier ist eine grundlegende Reform notwendig, insbesondere die Krankenkassen gehören auf Normalmaß gestutzt, denn den Kassen, allen voran der AOK ist es schlichtweg egal wie die Patienten versorgt werden.

  2. Wieser on August 5th, 2012 11:15

    Dann sollen kümftig die Kaffeetassenschlepper der Aok zu jeder Tages- und Nachtzeit aufstehen und Schwerverletzte. Brandopfer oder eingeklemmte Leute aus dem Auto schneiden! Bin gespannt wie lang das dumme deutsche Volk sich noch von den Krankenkassen gängeln und regieren lässt!!!

  3. Jörn on August 6th, 2012 10:00

    In Visselhövede (Nds.) betrieb die AOK GESUNDHEITSKASSE mal eine Rettungswache – und konnte zeigen, dass sie es NICHT kann…

    Regnerische Grüße aus dem Südwesten, wo die KRAnkenKAssen auch ihre Spielchen treiben – insbesondere mit klammen Rotkreuzverbänden und privaten KTP-Unternehmern

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