Winnenden: Die Stunde der Betreuer


Winnenden (rd.de) – Das Entsetzen nach dem Amoklauf von Winnenden ist groß. Ein besonderes Augenmerk liegt nun auf dem Bereich der psychosozialen Unterstützung.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ist mit seinem Referat „Psychosoziale Notfallversorgung“ in die Fachberatung der Kräfte vor Ort eingebunden.

Der Leiter der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) am Unglücksort suchte nach den ersten Stunden der Lageeinschätzung und Akuthilfe für die Betroffenen und ihre Angehörigen den fachlichen Austausch mit den Experten des BBK. Im Gespräch zeigte sich schnell, dass regionale und überregionale Kräfte der Notfallseelsorge und Krisenintervention rasch verfügbar waren und die Zusammenarbeit der polizeilichen und zivilen Kräfte auch in der Chaosphase schon gut koordinierbar war.

Letzte Woche Übung, heute Ernstfall

Noch am letzten Samstag fand eine gemeinsame Übung von Polizei und Deutschem Roten Kreuz zur Betreuung Angehöriger und Überlebender statt, zu der Dr. Jutta Helmerichs, Leiterin des psychosozialen Krisenmanagements im BBK, als Übungsbeobachterin eingeladen war. „Die psychosozialen Teams vor Ort werden umfassende und fachgerechte Hilfe anbieten können“, so Helmerichs. Geraten wurde vor allem, auch in der Akutsituation schon die nächsten Tage und Wochen mit zu bedenken. Es werden zahlreiche Fachkräfte unterschiedlichster Fachrichtungen benötigt werden, die es zu koordinieren gilt. Das psychosoziale Management erhält damit neben der Betreuung eine Bedeutung.

Seit 2002 beschäftigt sich das BBK, eine Behörde im Geschäftsbereich de Bundesministeriums des Innern, mit dem Thema psychosoziales Krisenmanagement.

Das Zuhören steht im Mittelpunkt

Im Bereich der Krisenintervention und Notfallnachsorge sind zahlreiche Hilfsorganisationen beteiligt. Alleine das Rote Kreuz in Baden-Württemberg stellt 70 ehrenamtliche Helfer für die psychosoziale Unterstützung der Betroffenen. Geschulte Mitarbeiter der Notfallbegleitung und der Notfallnachsorge kümmern sich um Schüler und Passanten, die den Amoklauf unmittelbar miterlebt haben sowie um Angehörige der Opfer.

„In den ersten Gesprächen mit Betroffenen steht vor allem das Zuhören im Mittelpunkt. Danach geht es um pragmatische Hilfen wie Informationsbeschaffung, Notunterkünfte, Abschirmung vor Journalisten und die Begleitung bei der Identifizierung von Toten“, sagt DRK-Notfallseelsorger Michael Steil.

Betreuung beim Gottesdienst

Auch die Malteser stellen PSU-Kräfte zur Verfügung. Beim Trauergottesdienst am Abend des Unglückstages in der katholischen Pfarrkirche St. Karl Borromäus haben die Malteser aus Winnenden und Göppingen im Gemeindesaal unter der Kirche einen Behandlungsplatz zur Betreuung der Trauernden eingerichtet. „Es waren insgesamt zwölf Hilfeleistungen am Abend – darunter in sechs Fällen in Form von psychosozialer Unterstützung.“, erklärt Edmund Baur, Malteser-Einsatzleiter vor Ort. Die Malteser aus Kirchheim stellten zwei Helfer für die psychosoziale Unterstützung (PSU), die in Wendlingen zum Einsatz kamen.

Doch nicht nur die Augenzeugen und ihre Angehörigen bedürfen der Betreuung, auch die Einsatzkräfte selbst benötigen Unterstützung bei der Bewältigung ihres Einsatzes. Die Malteser Einsatzkräfte werden seit gestern von geschulten PSU-Fachleuten betreut.

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