Verwechslung ausgeschlossen: Medikamente sollen Farbcode erhalten


Foto: MediaformHomburg (DIVI) – Um Patienten vor unbeabsichtigten Medikamentengaben zu schützen, hat die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) eine Empfehlung zur einheitlichen farblichen Kennzeichnung von Medikamenten in Spritzen erarbeitet. Dafür werden Medikamentengruppen mit eigener Farbkennung etabliert. Diese Kennungen werden per Aufkleber auf den Spritzenpumpen angebracht und sollen Verwechslungen von Medikamenten verhindern.

Mit einer Empfehlung zur Kennzeichnung von Spritzenmedikamenten in der Intensiv- und Notfallmedizin will die DIVI für diesen Bereich einen neuen Standard setzen. Dafür werden Medikamentengruppen mit eigener Farbkennung etabliert. Die DIVI ist ein Zusammenschluss von persönlichen Mitgliedern, wissenschaftlichen Gesellschaften und Berufsfachverbänden mit dem Ziel der Förderung der Intensiv- und Notfallmedizin in Deutschland.

Das Konzept wurde von der Kommission Arzneimittelsicherheit der DIVI in Kooperation mit der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (AKdÄ), der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA), dem Verband der forschenden Pharmaindustrie (VFA), der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin (DGAI) und den Fachgruppen der DIVI erstellt.

„Medikationsirrtümer kommen immer noch viel zu häufig vor – gerade auch in der Intensivmedizin“, begründet Prof. Dr. Gerhard Walter Sybrecht, Präsident der DIVI, die neue Empfehlung. „Deshalb hat die DIVI mit großem Aufwand diese Empfehlung und die Wirkstoffeinteilung geschaffen.“

Eine multinationale europäische Studie (Valentin et al.) belegt etwa 75 „Ereignisse“ falscher Medikation pro 100 intensivmedizinische Patiententage. Knapp ein Prozent der untersuchten Patienten erlitten bleibende Schäden oder starben infolge eines Medikationsirrtums. „Die Schaffung von Wirkstoffgruppen war notwendig, um Verwechslungen zu verhindern“, erläutert Prof. Sybrecht. „Dabei gehen wir davon aus, dass Verwechslungen innerhalb einer Wirkungsgruppe , etwa bei den Hypnotika (Schlafinduktion), weniger schwerwiegende Folgen hat, als Verwechslungen zwischen den Gruppen. Wenn etwa ein Hypnotikum mit einem Relaxans (Muskelerschlaffung) vertauscht wird, hat das fatale Folgen.“

Ohne die neue Einteilung wären zu viele der in der Intensivmedizin eingesetzten Medikamente in die Gruppe „Diverse Medikamente“ mit einheitlichem Layout gefallen, wie sie in der bestehenden ISO Norm 26825 definiert sind. Auch der Farbfehlsichtigkeit wurde Rechnung getragen, es wurden ausreichende Kontraste zwischen Beschriftung und Farbhintergrund geschaffen. Prof. Sybrecht: „Wir sind zuversichtlich, diesen deutschen Standard auch international etablieren zu können. Er ist das Ergebnis einer sehr konstruktiven Kooperation unterschiedlicher Anwender in der Betreuung von Neugeborgenen bis zu schwerstkranken alten Patienten in allen Fachbereichen (Anästhesie, Chirurgie, Innere Medizin, Neurofächer, und Kinderheilkunde).“

Die Kommission Arzneimittelsicherheit der DIVI weist ausdrücklich darauf hin, dass die Verwendung farbkodierter Etiketten zur Spritzenkennzeichnung den Benutzer nicht davon entbindet, sich vor jeder Applikation über den Inhalt einer Spritze zu vergewissern und ihre Aufschrift zu prüfen. Entsprechende Etiketten sind derzeit bereits bei Unternehmen wie Mediaform (Reinbek) erhältlich.

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