Verkürzter Zivildienst schon dieses Jahr


Zivildienstleistender im Fahrdienst (Foto: BRK BGL)Köln (rd.de) – Die Überlegungen des Verteidigungsministeriums, die Verkürzung des Wehr- und damit auch des Zivildienstes bereits auf Oktober dieses Jahres vorzuziehen, sorgt bei den Hilfsorganisationen für Aufregung.

ASB-Bundesgeschäftsführer Wilhelm Müller sagte, die geplante Verkürzung mache den Einsatz von Zivildienstleistenden in vielen Bereichen nahezu unmöglich. „Auch im Rettungsdienst ist der sechsmonatige Einsatz von Zivildienstleistenden kaum noch sinnvoll, da allein die Ausbildungszeit drei Monate dauert.“ Wenn die Verkürzung vorgezogen wird, fehlt den Einrichtungen die Zeit, sich in ihren Planungen auf diese Problematik einzustellen.

Der Arbeiter-Samariter-Bund fordert, eine Verkürzung des Zivildienstes in ein Gesamtkonzept einzubetten, das die Stärkung der Freiwilligenarbeit beinhaltet. „Der Arbeiter-Samariter-Bund erwartet von der Politik, die Freiwilligenarbeit stärker zu unterstützen. Dazu gehört auch die Möglichkeit einer freiwilligen Verlängerung des Zivildienstes“, so Wilhelm Müller.

„Mit der angekündigten früheren Verkürzung muss es gleichzeitig die Möglichkeit einer freiwilligen Verlängerung geben,“ so Johannes Freiherr Heereman, Geschäftsführender Präsident des Malteser Hilfsdienstes.

Bei den Maltesern sind rund 1200 Zivildienstleistende im Jahresdurchschnitt beschäftigt. Dem Zivildienst bei den Maltesern eine hohe Bedeutung eingeräumt: „Als Lerndienst und oft einzige Möglichkeit, mit sozialen Aufgaben und Berufen in Berührung zu kommen, möchten die Malteser den Zivildienst erhalten,“ betont Heereman. Aktuelle Überlegungen der Politik, ein Modell der freiwilligen Verlängerung zu schaffen, werden daher von den Maltesern als dringend
notwendig erachtet.

Das Bayerische Rote Kreuz sorgt sich um die Zukunft des Zivildienstes. „Eine übereilte Verkürzung des Wehrdienstes gefährdet den Zivildienst“, warnt BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk. Nach den Worten Stärks brauche man mehr Zeit um die entsprechenden Dienste neu organisieren zu können.
Auch das BRK plädiert für eine freiwillige Verlägerung des Zivildienstes um bis zu sechs Monate.

Optionsmöglichkeit schaffen

Der Zivildienst-Experte der FDP-Bundestagsfraktion Florian Bernschneider weist darauf hin, dass jede Dienstzeitverkürzung in der Vergangenheit mit Inkrafttreten des Gesetzes wirksam wurde. Das bedeutet, Wehr- und Zivildienstleistende, die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Wehrpflichtzeitverkürzung bereits die Monate nach der jeweils neuen Gesetzgebung abgeleistet hatten, hatten ein Optionsrecht, ob sie die „neue“ oder die „alte“ Wehrpflichtzeit wählen wollten.

„Diese Regelung sollte auch bei der anstehenden Verkürzung des Zivildienstes zum 01.01.2011 zur Anwendung kommen“, so Bernschneider. Damit würden alle Zivildienstleistenden, die ab dem 01.07.2010 eingezogen würden, die Wahl haben, ob sie einen sechsmonatigen oder neunmonatigen Zivildienst ableisten wollen.

Noch kein verbindlicher Termin

Gestern erwähnte Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg der Presse gegenüber, die Verkürzung des Zivildienstes könne bereits zum 1. August 2010 greifen. Das Bundesamt für Zivildienst stellt hierzu fest, dass es noch keine terminliche Festlegung in dieser Frage gibt.

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