Einsatzfahrten im Winter – Tipps für ihre Sicherheit


Ortsschild Wechsel SommerreifenBremen (rd.de) – Einsatzfahrten auf Schnee und Eis können der blanke Horror sein. Der Winter mit seinen zum Teil widrigen Straßen- und Wetterverhältnissen stellt höchste Anforderungen an Rettungswagen-Besatzungen. Nicht nur, dass die Ausrüstung perfekt sein muss, auch das Fahrkönnen sollte überdurchschnittlich sein. Aber manchmal nützen auch Winterreifen und Schneeketten nichts mehr. Wie Sie die Fahrsicherheit im Winter erhöhen können, erfahren Sie hier.

Allgemeine Tipps für eine sichere Einsatzfahrt

  • Hören Sie den Wetterbericht. Oft warnt er zur rechten Zeit vor Unwettern. Bestücken Sie eventuell einen Ersatz-RTW schon vor dem großen Schneefall mit Schneeketten.
  • Stellen Sie Ihren Fahrstil flexibel auf die Straßen- und Witterungsverhältnisse ein.
  • Fahren Sie auf rutschigen und glatten Straßen besonders vorausschauend.
  • Gewöhnen Sie sich einen weichen Fahrstil an. Damit können Sie die verminderte Haftung der Reifen am besten ausgleichen.
  • Es ist besser, beim Lenken das Lenkrad von sich weg zu drücken als heranzuziehen.
  • Entfernen Sie Schnee- und Eiskeile aus den Radkästen.
  • Räumen Sie rechtzeitig und je nach Schneefall in kurzen Abständen die Schnee- und Eiskrusten von Blaulichtern und Signalhörnern.
  • Auch wenn alle Straßen schon trocken sind, können sich in Wäldern, auf schattigen Abschnitten und Brücken noch glatte Stellen befinden.
  • Sind Sie mit Sondersignal unterwegs, denken Sie daran, dass andere Verkehrsteilnehmer Sie schlechter sehen und hören und eventuell schlecht bremsen können.
  • Vor Kreuzungen und Ampeln taut der Schnee oft zu spiegelglatten Eisflächen.

Die richtige Sitzposition für ihre Sicherheit

  • Frontscheibe abkehren

    Tipps für sichere Einsatzfahrten im Winter. Foto: fotolia/Kitty

    Stellen Sie die Lehne des Fahrzeugsitzes so steil, dass Sie die Handgelenke auf den oberen Lenkradkranz legen können.

  • Rücken Sie mit dem Sitz so weit nach vorn, dass Sie beim Kuppeln und Bremsen die Beine nicht durchdrücken müssen.
  • Fassen Sie das Lenkrad in der Viertel-vor-Drei-Position. Nur so können Sie schnell reagieren und lenken.
  • Die Oberkante der Kopfstütze sollte mindestens auf Höhe des Ohres liegen, besser oben mit dem Kopf abschließen.
  • Der Sicherheitsgurt muss eng am Körper entlang laufen. Ziehen Sie daher am besten vor dem Losfahren Ihre Jacke aus.
  • Benutzen Sie die Höhenverstellung des Sitzes. Besonders kleinere Fahrer verbessern mit einer hohen und vorderen Sitzeinstellung das Handling und die Übersicht.
  • Nutzen Sie alle Verstellmöglichkeiten eines modernen Fahrzeugsitzes und des Lenkrades, auch wenn das Einstellen bei Schichtbeginn einige Minuten länger dauert.
  • Verwenden Sie die Gurthöhenverstellung.

Machen Sie den Rettungswagen winterfest

  • Wechseln Sie frühzeitig auf Winterreifen. Schon bei Temperaturen ab sieben Grad Celsius bringen Winterreifen Vorteile. Die Reifen sollten mindestens noch vier Millimeter Profiltiefe besitzen.
  • Eine Inspektion mit komplettem Ölwechsel erleichtert das Starten bei kalten Temperaturen.
  • Batterie eventuell aufladen, Frostschutz in Kühl- und Scheibenreinigungswasser, neue Wischerblätter, Kontrolle der gesamten Beleuchtung.
  • Überprüfen Sie die Standheizung. Funktioniert die Rückspiegelheizung?
  • Wenn Sie den RTW regelmäßig waschen und einwachsen, kann Streusalz und Split dem Lack nicht so viel anhaben. Kleben Sie dabei die Türschlösser ab, damit kein Wasser eindringen und anfrieren kann.
  • Putzen Sie besonders oft die Scheiben von innen. Staub aus der Heizung lagert sich als grauer Schleier ab.
  • Mit Glycerin eingeriebene Gummidichtungen der Türen frieren nicht an.
  • Sind Infusionen und Medikamente frostgeschützt?
  • Sind die Patientendecken dick genug?
  • Stellen Sie den RTW, wenn möglich, auch in Bereitschaftszeiten in die Garage. Schließen Sie die externe Stromversorgung an den Wagen.

(Text und Fotos: Helmut Stark, Rettungsassistent, Einsatzleiter Rettungsdienst, Dozent an einer RD-Schule, freier Journalist; zuletzt aktualisiert: 07.01.2016)

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