Teamarbeit, Augenmaß und Fingerspitzengefühl


Bonn (rd.de) – Aufwändige Rettungsmanöver müssen geübt werden. In den letzten Tagen standen mancherorts Rettungshubschrauber scheinbar regungslos in der Luft. Die Hubschrauberbesatzungen machten sich mit einem neuen Konzept für die Eis- und Wasserrettung vertraut.

Oberstaufen, Waging und Lünen: Die Luftretter übten für den Einsatz. Teams aus Piloten, Rettungsassistenten und Notärzten der Zivilschutz-Hubschrauber (ZSH), trafen sich zur Fortbildung in Oberstaufen. Geübt wurde die Eis- und Wasserrettung mit Statikseilen und Stehhaltegurten.
Während die Einsatzkräfte in Kempten und Traunstein schon lange mit den Statikseilen und Stehhaltegurten arbeiten, ist diese Methode den meisten ihrer Kollegen aus den anderen Luftrettungszentren noch neu. Inzwischen hat die Bundespolizei alle zwölf Luftrettungszentren mit den notwendigen Ausrüstungsgegenständen für die Eis- und Wasserrettung ausgestattet. Höchste Zeit also, sich auf mögliche Rettungsflüge über dem Wasser vorzubereiten.

Nach der Einweisung, bestehend aus der Vorstellung des Stehhaltegurtes und der Anwendung des Statikseils sowie der Kommunikation im Hubschrauber, standen praktische Übungen auf dem Programm. Ein im Umgang mit dem Bergetau vertrauter Notarzt und ein Einzuweisender wurden zusammen vom Hubschrauber am Bergetau aufgenommen, zu einem Plateau geflogen und dort abgesetzt. Der Hubschrauber holte dann ein weiteres Paar ab und auf dem Rückweg wurde das erste Paar wieder aufgenommen und zurückgebracht. Hierbei begleitete jeder Rettungsassistent seinen erfahrenen Kollegen auf dem Zivilschutzhubschrauber. Er beobachtete von der rechten Kufe aus seinen Kollegen auf der anderen Seite, der für die Fluganweisungen an den Piloten verantwortlich war.

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass dieses Konzept nur für den Notfall gedacht ist und das Verfahren vor seiner Einführung in jedem Luftrettungszentrum geübt werden muss. Abschließend bedankte sich Peter Stahl, Koordinator der Ärzte der Zivilschutz-Hubschrauber, beim Team von Christoph 17 für die Initiative, diese Fortbildung für die anderen ZSH-Zentren anzubieten. Stahl dankte auch der Fliegerstaffel Oberschleißheim, die für die gesamte Fortbildung den Zivilschutz-Hubschrauber zur Verfügung stellte.

Zusammen mit DLRG und BRK-Wasserwacht

Geübt wurde aber auch über der Wasserfläche des Waginger Sees: Einsatzkräfte der Wasserrettungsorganisationen aus den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land haben erstmals mit dem Luftrettern der Traunsteiner Rettungshubschrauber-Station „Christoph 14“ die hubschraubergestützte Wasserrettung trainiert. Unter realistischen Einsatzbedingungen konnten Rettungsschwimmer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) aus dem Landkreis Traunstein, der BRK-Wasserwacht Berchtesgadener Land und der Tauchergruppe der Reichenhaller Feuerwehr ihr Zusammenspiel mit den Luftrettern üben. Auch hier stand die Übung der Wasserrettung mit Statikseil und Stehhaltegurt im Mittelpunkt.

Im Schwebeflug wird die am Tau befestigte Schlinge vom Luftrettungsassistenten in Richtung des Patienten abgeworfen. Auf Anweisung lässt der Pilot den Hubschrauber steigen und schleppt den zu Rettenden ans Ufer. Der als „HEMS-Crew-Member“ (HCM) ausgebildete Luftrettungsassistent steht dabei auf der linken Kufe des Hubschraubers und weist den Piloten ein.

„Jeder Wasserrettungseinsatz ist anders und in seiner Dynamik oft kaum vorhersehbar. Entsprechend variabel ist auch unser Konzept gestaltet“, erklärt Alfons Vorderauer von der Traunsteiner DLRG, der den Hubschrauber als notarztbesetztes Rettungsmittel auch zur weiteren Versorgung und für den raschen Abtransport des Geretteten schätzt. Dank der kurzen Anflugstrecken ist der Traunsteiner Rettungshubschrauber in exponierten Lagen des Chiemsees, des Waginger Sees und der Tiroler Achen oft schneller als Fahrzeuge oder Boote. Auch für Franz Kurz von der Berchtesgadener Wasserwacht ergeben sich durch den Hubschrauber neue Möglichkeiten: Abgelegene oder weit vom Straßennetz entfernte Einsatzstellen wie am Obersee sind teilweise nur über den Luftweg erreichbar.

Das optimierte Konzept zur hubschraubergestützten Wasserrettung basiert auf einer Verfahrensbeschreibung der Bundespolizei-Fliegergruppe in St. Augustin bei Bonn und wurde in enger Zusammenarbeit mit der Rettungshubschrauber-Station in Traunstein entwickelt.

ADAC übte bei Lünen

Das gleiche Rettungsverfahren wurde von den gelben Rettungshubschraubern der ADAC Luftrettung eingeübt. Am Montag und Dienstag dieser Woche zogen hierfür ADAC-Hubschrauber über dem Hortsmarer See bei Lünen ihre Kreise.

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