Steigende Zahl betrunkener Jugendlicher


Berlin (rd.de) – Die Zahl der Krankenhausaufenthalte von zehn- bis 20-jährigen Patienten mit der Diagnose „Akute Alkoholintoxikation“ ist dramatisch gestiegen. Waren es im Jahr 2000 noch 12.035 stationäre Aufnahmen aus diesem Grund, registrierte man im Jahr 2006 bereits 19.500. Jetzt fordert die Polizei in Berlin, die Eltern für die entstehenden Kosten heranzuziehen.

Werden Jugendliche in stark alkoholisiertem Zustand in die Klinik gebracht, sind einige Häuser dazu übergegangen, diese Patienten in Kinderbettwäsche zu legen und Windeln umzubinden. Die peinliche Situation beim Aufwachen soll den Betroffenen deutlich machen, wie unvernünftig ihr Handeln war.

Diese Maßnahmen scheinen sich aber offenbar noch nicht weit genug herumgesprochen zu haben: Laut „Tagesspiegel“ habe die Berliner Polizei in den ersten zehn Monaten dieses Jahres 1012 betrunkene Kinder und Jugendliche aufgegriffen. Die dadurch anfallenden Kosten werden seitens der Polizei auf rund 100.000 Euro geschätzt – nicht eingerechnet die Kosten, die Krankenversicherungen in solchen Fällen übernehmen müssten.

Nach einer im Auftrag der WHO durchgeführten Studie lag im Jahr 2006 das Durchschnittsalter für den ersten Alkoholkonsum bei 13,2 Jahren; den ersten Alkoholrausch erleben Kinder durchschnittlich mit 13,9 Jahren.

Der Alkoholkonsum bei Kindern und Jugendlichen ist nach einem Rückgang in den Jahren 2004 und 2005 wieder angestiegen. Die konsumierte Alkoholmenge liegt aktuell bei 50,4 g pro Kopf und Woche.

„Binge Drinking“ ist eine Bezeichnung für exzessiven, übermäßigen Alkoholkonsum. In Deutschland ist das Phänomen eher unter dem Begriff „Komasaufen“ bekannt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) versteht unter „Binge Drinking“ den Konsum von fünf oder mehr alkoholischen Standardgetränken wie Bier hintereinander.

„Komasaufen“ gilt als die Extremform des „Binge Drinking“. Gesicherte Erkenntnisse über die Ursachen gibt es noch nicht. Es wird vermutet, dass der Alkohol bei der Bewältigung der Entwicklungsaufgaben einen Anteil hat. Aber auch soziale Gründe wie das Gefühl, „dazuzugehören“ oder (vermeintlich) „stark zu sein“, sind als Ursache für diese vorsätzlich herbeigeführten Rauschzustände bei Kindern und Jugendlichen möglich.

In der November/Dezember-Ausgabe des Rettungs-Magazins wird ausführlich geschildert, wie der Rettungsdienst mit alkoholisierten Kinder und Jugendlichen verfahren sollte.

(20.11.2008)

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