Sonne, Schnee und viele Unfälle


Bremen (rd.de) – Schnee und schönes Wetter zogen die Menschen am Wochenende ins Freie. Den Rettungsdiensten bescherte dies vor allem mehr Einsätze.

Unfälle durch Personen, die ins Eis einbrachen, gab es beinahe bundesweit. Im Süden, am Wörthsee, am Pilsensee und am Schliersee. Der Schliersee war besonders tückisch, weil an den Zu- und Abflüssen das Eis nicht trug. Nachdem ein Mann eingebrach und von Rettern der Wasserwacht geborgen werden musste, hat die Verwaltung ringsum Warnschilder aufgestellt und den See gesperrt.

Das DRK Laatzen rettet mit Spezialschlitten vom Maschsee

Das DRK Laatzen rettet mit Spezialschlitten vom Maschsee

Kaum ist die Eisdecke des hannoverschen Maschsee zum Betreten freigegeben, kommt halb Hannover – so kam es zumindest den DRK-Helferinnen und Helfern des DRK-Region Hannover vor. Bereits am Samstag mussten die DRK-Sanitäter gemeinsam mit dem öffentlichen Rettungsdienst bis 16 Uhr 23 Patienten in umliegende Kliniken transportieren, berichtet Frank Schwager, Bereichsleiter des DRK Hannover. Zusätzlich sind gut 60 weitere Versorgungen vor Ort durchgeführt worden. Am Sonntag waren die ehrenamtlichen DRK-Helfer und der öffentliche Rettungsdienst im Dauereinsatz. Bis um 17 Uhr verzeichnete die Einsatzleitung des DRK 28 Transporte in Kliniken und rund 74 kleinere Versorgungen. Mit einem speziellen bootförmigen Rettungsschlitten, einem Akia, wurden fünfmal gestürzte Personen von DRK-Helfer vom Eis zum Ufer transportiert und an bereitstehende Rettungswagen zum Transport in eine Klinik übergeben.

Eisbrecher im Einsatz

Ausflugsziel Elbbrücke: Auf zur Schollenschau...

Ausflugsziel Elbbrücke: Auf zur Schollenschau...

Eisbrecher bei der Arbeit zu beobachten ist in Deutschland ein nicht ganz alltägliches Vergnügen. Am Wochenende kam es zu einem Verkehrschaos auf der Elbbrücke der B 404 bei Winsen an der Luhe. Am Sonntag nutzten die Spaziergänger das schöne Wetter: Sie verfolgten den Trieb der Eisschollen auf der Elbe und die Arbeit von gleich fünf Eisbrechern. Hier kam es zu Verkehrsbeeinträchtigungen durch Fahrzeuge, die auf dem schmalen Pannenstreifen auf der Brücke abgestellt waren. Probleme bereiteten auch die Fahrzeuge, die sich wieder in den fließenden Verkehr einordnen wollten. Hier kam es mehrfach zu Beinaheunfällen. Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun – besonders, um neugierige Erwachsene mit ihren Kindern von den angrenzenden Buhnen zu holen. Sie achteten nicht auf die steigende Flut und die sich dadurch lösenden Eisschollen.

Sogar in Frankfurt am Main war das Feuerlöschboot als Eisbrecher unterwegs: Im Ober- und Osthafen hat am Freitagnachmittag das Löschboot der Feuerwehr Frankfurt Eis gebrochen, um der Schifffahrt eine ungehinderte Einfahrt in die Hafenbecken zu ermöglichen.

Die seit Tagen anhaltende Kälte sorgte in den Becken der Häfen für Eisschichten zwischen zwei und sechs Zentimeter. Für das 1970 in Dienst gestellte Feuerlöschboot „Frankfurt“ aber kein Problem, denn der Bug des Schiffes ist verstärkt und kann bis zu 25 Zentimeter dicke Eisschollen knacken. Drei Stunden lang kreuzte die Besatzung durch die Hafenbecken und sorgte so für freie Fahrt.

Gefährliche LKW-Dachscholle

Sehr viel Glück hatte ein 10-jähriger Junge aus Braunschweig, der mit seiner Mutter auf der Fahrt von Braunschweig nach Hahausen (Seesen) unterwegs war. Als diese mit ihrem Skoda Fabia auf der A 7 in Richtung Göttingen fuhr, wollte am Dreieck Salzgitter ein blauer Sattelzug vom Parkplatz Sillium wieder auf die Autobahn auffahren.

Als sie sich mit ihrem Pkw neben dem Sattelzug befand, lösten sich plötzlich mehre große Eisschollen (zirka 50 cm lang, 20 cm breit und 10 cm stark) vom Dach des Aufliegers und prallten gegen die Windschutzscheibe auf der Beifahrerseite (siehe Startbild). Der Anprall war so heftig, dass die A-Säule der Beifahrerseite stark deformiert wurde, die Windschutzscheibe im Bereich der Beifahrerseite splitterte und einige Splitter sich im Fahrzeug verteilten.

Trotz des Schreckens konnte die junge Frau das Fahrzeug noch sicher auf den Standstreifen lenken, von wo sie – nachdem sie sich um ihren Sohn gekümmert hatte – die Polizei informierte. Eine angeforderte RTW-Besatzung kümmerte sich um den Jungen, der bei diesem Unfall aber mit einem leichten Schock davon kam. Es kann davon ausgegangen werden, dass – hätte die Eisscholle direkt die Windschutzscheibe getroffen – das Kind schwer, möglicherweise sogar tödlich verletzt worden wäre.

Der Lkw-Fahrer setzte seine Fahrt ohne anzuhalten fort. Es ist fraglich, ob er den Verkehrsunfall überhaupt bemerkt hat.

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