Rettungsdienst ist mehr als Transport


Notarzt behandelt Patient (Foto: Kreis Warendorf)Berlin (rd.de) – Die Hilfsorganisationen begrüßen den Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz der Länder, den Rettungsdienst als eigenständige Leistung im Sozialgesetzbuch (SGB) V anzuerkennen. Künftig könnten so auch Behandlungsleistungen ohne Transport mit den Kassen abgerechnet werden.

Bislang wird der Rettungsdienst vom Sozialgesetz nur als Transportleistung verstanden. Eine Auffassung, die sich mit den heutigen Leistungsspektrum nicht mehr vereinbaren lässt. Im Rahmen von Großschadensereignissen hatten die Hilfsorganisationen immer wieder darauf hingewiesen, dass die vom Rettungsdienst erbrachten Leistungen nicht zwangsweise in einen Transport ins Krankenhaus münden müssen, und deshalb gefordert, den Rettungsdienst endlich als eigenständige Behandlungsleistung anzuerkennen.

Dieser Auffassung hatte sich in diesem Jahr auch der Deutsche Ärztetag angeschlossen: Den Rettungsdienst mit der Notfallrettung und dem qualifizierten Krankentransport als einer der besten der Welt auch künftig unter den Bereich “Fahrkosten” bzw. “Versorgung mit Krankentransportleistungen” im SGB V zu führen, bedeute, die sich seit Jahren vollzogene Entwicklung der vorklinischen und insbesondere der Notfallmedizin weiterhin sträflich zu ignorieren, monierte die Ärzteschaft.

Das Werben um eine rechtliche Neueinordnung des Rettungsdienstes scheint nun von Erfolg gekrönt zu sein. DRK-Generalsekretär Clemens Graf von Waldburg-Zeil begrüßte die Entschließung der Gesundheitsministerkonferenz: „Dieser Beschluss muss nun umgehend umgesetzt werden. Die präklinische notfallmedizinische Versorgung durch den Rettungsdienst ist längst im ganzen Land etabliert und muss von der Bundespolitik im Sozialgesetz endlich nachvollzogen werden.“

Durch eine neue Verankerung des Rettungsdienstes im fünften Sozialgesetzbuch entfiele die Einschränkung, dass ausschließlich der Patiententransport den Krankenkassen in Rechnung gestellt werden kann. Auch die Behandlung ohne Transport wird zu einer abrechenfähigen Leistung. Fachleute vermuten, dass die Kosten der ambulanten Behandlungen im Rettungsdienst durch die nicht mehr durchgeführten Transporte ins Krankenhaus mehr als ausgleichen werden und es somit in der Summe eher zu einer Einsparung kommt. Diese Vermutung unterstellt, dass der Rettungsdienst heute nach einer erbrachten Behandlungsleistung seine Patienten ins Krankenhaus bringt, obwohl dies medizinisch nicht mehr zwingend erforderlich ist.

Die Anerkennung des Rettungsdienstes als Behandlungsleistung eröffnet zudem neue Perspektiven bei der Qualitätssicherung. Mit den heutigen QM-Systemen werden nur Strukturen und Prozesse erfasst.

11 Responses to “Rettungsdienst ist mehr als Transport”

  1. Sepp Daxberger on August 4th, 2011 21:04

    Dann sollte man aber schnell und umgehend ein brauchbares Berufsausbildungsgestz für den RD auf den Weg bringen. Ausserdem sollte der RD dann entsprechend professionalisiert werden, was heißt, Ehrenamtliche nur mehr als Dritte einsetzen und FSJ und sonstige Billigarbeiter raus aus dem Geschäft und die Qualifikationsanforderungen an die Berufssanitäter erhöhen, auch und insbesondere in Bayern bei der Fahrzeugbesetzung.

  2. stef on August 5th, 2011 11:58

    Eine Versorgung ohne Transport ist bei uns seit Jahren völlig unproblematisch als sogenannte „Hilfeleistung“ mit den Kostenträgern abrechenbar.

  3. Mario Gongolsky on August 5th, 2011 15:20

    Jupp, AmVoT haben wir das immer genannt. Ich dachte ebenfalls das sei kein Problem. Entweder sind das Absprachen mit den Kassen, oder die Situation ist anderen Bundesländern anders.

  4. Guy on August 5th, 2011 22:37

    Inwiefern sinkt denn die Qualität mit dem Einsatz von Ehrenamtlichen im RettDst??
    Bzw. warum rettet ein ehrenamtlicher RettAss schlechter als ein Hauptamtlicher?

  5. Olaf on August 6th, 2011 22:02

    Jepp in anderen Bundesländern ist das z.T. anders.
    Hier in HH haben die Kostenträger irgendwann die Zahlungen für Hilfeleistungen/Versorgung ohne Transport nicht mehr bezahlt.Das ging dann nur über den Umweg dem Patienten die Rechnung zu stellen und der reicht sie dann ein.Es gab einige offene Rechnungen…..
    Mal sehen was die Kostenträger sich jetzt zur „Kostendämpfung“ einfallen lassen 😉

  6. Status3 on August 8th, 2011 15:00

    Sehr gute Sache. Dann wird endlich deutlich, dass der Rettungsdienst eben kein „Liegendtaxi“ ist, sondern Leben und Gesundheit rettet.

  7. Thomas on August 10th, 2011 13:20

    Formal sicherlich mehr als überfällig. Im Hinblick auf die gesetzlichen Grundlagen zur Ausbildung und der Sicherstellung des Rettungsdienstauftrages hat das meiner Meinung nach erstmal keine wirklich ändernde Auswirkung.

    Abrechnungstechnisch ist dies völlig zu vernachlässigen. Ein refinanziertes System der Krankenkassen, welches darauf basiert, dass nur die Deckung der Kosten der Leistungserbringer (die Rettungsdienste) zu erstatten sind. Gewinnerzielungsabsicht ist nicht gegeben. Erzielte Überschüsse sind den Kassen zurückzuerstatten.

  8. sandra on August 13th, 2011 18:49

    Ich sehe das auch so das ein ehrenamtlicher RettAss nicht schlechter ist als ein Hauptamtlicher. was ich schlecht finde sind Aushilfen die zu für einen Billiglohn arbeiten oder Ehrenamtliche die keine Ehrenamtliche im Sinne der Hilfsorganisationen ist, und dann Ehremamtspauschale für 3,50€ bekommen.

  9. Josh on August 15th, 2011 14:38

    Im Hinblick auf die Abrechenbarkeit von rettungsdienstlichen Leistungen, sollte jetzt schnell an einer Qualifikation des Rettungsfachpersonals gearbeitet werden. Schliesslich wird die Frage, wer in Zukunft abrechnen darf,nun auch Bedeutung gewinnen.

  10. sascha on August 24th, 2011 11:12

    Ich möchte hier keine Diskussion lostreten dennoch ist der Punkt „Ehrenamtliche retten schlechter als Hauptamtliche“ sicherlich nicht von der Hand zu weisen.
    Ehrenamtliche fahren nur ab und zu im Rettungsdienst und verfügen nicht über die geforderten Hard und Softskills. Weiterhin ist der Rettungsdienst mittlerweile so professionel geworden, dass eine zeitweise ( 1 mal im Monat etc.) dienstweise eher der Patientenversorgung schadet, als ihr nützt.
    Ehrenamtliche haben ihren Platz in SEG, KatSchutz etc. aber bitte nicht mehr im Rettungsdienst.
    Ich setze mich auch nicht als Privatpilot der eine gültige PPL etc. hat, in ein Airbuscockpit auf den F/O Sitz und sage, heute mache ich mal wieder nen Flug mit einer A320, weil ich Lust darauf habe….

    Wir sollten den Rettungsdienst bitte den Profis überlassen, die ihn jeden Tag machen und auch da ist noch viel Aufarbeitung notwendig.

    Take care….

  11. Dirk on August 6th, 2013 11:11

    Zu der Fragestellung Vor- oder Nchteile der Abrechnung von Hilfeleistungen:
    Wenn ich in der Rechtsvorlesung aufgepasst habe, stellt die Abrechnung einer Hilfeleistung ohne Transport durchaus ein Problem dar! Dadurch würde der Verstoß gegen die Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung anwendbar werden, da der RettAss / oder später Notfallsanitäter Maßnahmen durchführt, die dem Arzt vorbehalten sind ohne den Patienten diesen einen Arzt vorzustellen. Rechtswissenschaftlich (historisch) gesehen ein Problem, denn damit wäre dieses Gesetz anwendbar, was es aus Sicht der Rechtswissenschaft derzeit nicht ist!
    Also eine tolle Idee der Ärztekammervertreter schön von Hinten durch die Brust, dem Rettungsdienstmitarbeiter weiterhin zu beschränken und die Stellung des Notarztes unabdingbar zumachen.

    Zu der Frage der ehrenamtlichen Helfer:
    1) meines Erachtensnhat sie nichts mit dem Artikel zu tun!
    2) @Sascha: Dein Beispiel mit dem Piloten ist sehr gut gewählt und leider hast Du dich damit selbst ins aus geschossen: Es ist nämlich gängige Praxis in der Fliegerei, Mitarbeiter aus der Geschäftsführung / Leitungsebene, die ursprünglich aus der Flight Crew stammen, so einzusetzen, damit ihr Typenrating erhalten bleibt! Also auch in der Fliegerei gibt es Hobbyflieger! Und auch hier passiert nicht mehr, weil es Verkehrspiloten und Cabin Crews verstanden haben, dass Sicherheit u.a. eine Frage von der Abarbeitung von Algorithmen sind, auch wenn es jeden Tag das Gleiche ist. Aber das führt an dieser Stelle zu weit!
    3) Also lieber mal kleine Brötchen backen und genauer lesen – hier geht es um ein anderes Thema 😉

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