Mobile Computing setzt sich im Rettungsdienst durch


Düsseldorf/Karlsruhe (pr) – Die mobile Informationstechnologie beginnt sich im Rettungsdienst zu etablieren. Das berichtete kürzlich Asarnusch Rashid vom Forschungszentrum Informatik (FZI) in Karlsruhe. Informationstechnologie im Rettungswesen wird auch im Rahmen des Themenforums „Medica Media“ eine große Rolle spielen, welches im Rahmen der Medica 2009 vom 18. bis 21. November 2009 in Düsseldorf stattfindet.

Was Asarnusch Rashid meinte, sind Forschungsprojekte wie „Stroke Angel“ und „Cardio Angel“. „Wir konnten für diese Informationstechnologien einen Nutzen zeigen“, so Rashid. Neben der Modellregion Bad Neustadt/Saale sind jetzt weitere Gebiete an dem System interessiert. Mit dem Partner MedDV wurde Mobile Computing für den Rettungsdienst in Düsseldorf verkauft. Auch der Rettungsdienst in Bayern setzt auf diese Systeme, und auch Rumänien rüstet in dieser Richtung auf. Grund: „Die Technologie ist bezahlbar geworden“, kommentiert Rashid.

Beispiel Stroke Angel: Die technische Basis ist ein Kleincomputer bzw. Handheld-PC mit Touch-Display. Mit dem so genannten 3I-SS (3-Item Stroke Scale) bietet er eine einfache Checkliste zur Indikation des Schlaganfalls. Außerdem kann mit dem Kleincomputer das Rettungsdienstprotokoll nach dem Standard der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) elektronisch abgewickelt werden.

Die Rettungsassistenten können somit direkt eine Leitfaden-gestützte, wenn auch nicht vollständig sichere Anamnese des Betroffenen vor Ort durchführen. Sie erfassen die notwendigen Daten. Diese Eingabe kostet zunächst Zeit. Eine Prozessanalyse zeigte: Die Versorgung des Patienten am Einsatzort dauerte ohne Stroke Angel 17 Minuten, mit Stroke Angel durchschnittlich sieben Minuten länger.

Dieser Zeitverlust wird in den nachfolgenden Abläufen der Rettungskette aber mehr als kompensiert. Der Handheld-PC überträgt die Daten via Mobilfunknetz zur direkten Voranmeldung in die Zielklinik. Damit weiß die Klinik frühzeitig über den zu erwartenden Patienten Bescheid und kann entsprechende Vorbereitung treffen.

So konnte die Zeit von der Ankunft im Krankenhaus bis zur Computertomographie von 32 Minuten auf 16 Minuten halbiert werden. Hier zeigt sich aber auch eine Bedingung, die erfüllt werden muss, soll die durch die frühe Information gewonnene Zeit tatsächlich genutzt werden: Die Prozesse müssen im Krankenhaus organisiert und optimiert sein.

Das Projektteam hat nun einen Katalog aus klaren Kriterien zu Maßnahmen und Datenevaluation erarbeitet, wann ein solches System eingeführt werden kann. Der Katalog kann interessierten Kliniken und Rettungsdiensten zur Verfügung gestellt werden.

Laut Rashid ist es notwendig, einen jährlichen Workshop zu den notwendigen Maßnahmen durchzuführen. Hieran nehmen Rettungsdienst und Klinik teil. Zudem werden die erfolgten Einsätze analysiert und auf Verbesserungsmöglichkeiten hin untersucht. Schließlich müsse die Klinik im Falle des Stroke Angels eine zertifizierte Stroke Unit besitzen. Im Falle des Cardio Angels wird ein Herzkatheterlabor zwingend vorausgesetzt. Weiterhin müssen die Alarmierungswege bereits rund um die Uhr und in Abstimmung mit der Radiologie optimiert worden sein oder im Rahmen des Einführungsprojektes angepasst werden.

Reibungslose Kommunikation

Ein großer Vorteil, der durch den Einsatz dieser Form der Informationstechnologie erzielt werden kann, ist eine intensivere Kommunikation und engere Verzahnung zwischen den einzelnen Gliedern der Rettungskette. In Zeiten der durch die politischen Rahmenbedingungen erzwungenen Zentralisierung und Spezialisierung scheinen derartige Systeme gut zu passen.

Das Thema „Telemedizin in der Rettungsmedizin“ wird im Rahmen des Themenforums „Medica Media“ als Bestandteil der mit mehr als 4.000 Ausstellern aus 65 Nationen weltgrößten Medizinmesse Medica in Düsseldorf am Donnerstag, 19. November, unter der Leitung von Prof. Dr. med. Bernd Griewing, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Neurologischen Klinik GmbH, Bad Neustadt, Mitglied des Aufsichtsrats des Universitätsklinikums Gießen und Marburg GmbH, diskutiert. Das Themenforum finden die Fachbesucher der Medica 2009 in Halle 15.

Möchten Sie einen Kommentar schreiben?