Mehr Rettungseinsätze durch ausgedünnten Notdienst


Mainz (rd.de) – Pünktlich zur Einführung einer bundesweit einheitlichen Rufnummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst beleuchtete das ARD-Magazin „Report aus Mainz“ die Zusammenlegungen von Bereitschaftsbezirken beim ärztlichen Notdienst. Diese scheint zu mehr Einsätzen für den Rettungsdienst zu sorgen.

Das TV-Magazin berichtete  beispielhaft über die Situation im Wetteraukreis (Hessen). Hier hat die Kassenärztliche Vereinigung Hessen in den vergangenen Monaten mehrere Notdienstbezirke fusioniert, mit der Folge, dass es weniger Anlaufstellen für Patienten gibt. Der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes im Wetteraukreis, Dr. Reinhold Merbs, berichtet in der Sendung, die Zahl der Einsätze sei um mehr als zehn Prozent gestiegen. Rettungsassistenten müssten also immer mehr Fälle abarbeiten, die nicht zum rettungsdienstlichen oder notfallmedizinischen Bereich gehörten.

Die KV Hessen weist die Kritik zurück. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es, der gesetzliche Sicherstellungsauftrag werde uneingeschränkt erfüllt. Wie die Redaktion von „Report Mainz“ herausgefunden hat, gab es in den vergangenen Jahren bundesweit in mindestens sechs weiteren Regionen Vergrößerungen von Notdienstbezirken. Die Situation im Wetteraukreis scheint deshalb kein Einzelfall zu sein.

Der DRK-Rettungsdienst Rheinhessen-Nahe aus Mainz kritisierte in einem www.rettungsdienst.de vorliegenden Positionspapier, dass mit der Einführung der Rufnummer 116 117 lediglich eine einheitliche Telefonnummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst bereitgestellt werde. In dem Papier heißt es wörtlich: „Als größter Leistungsanbieter in Rettungsdienst und Krankentransport in Rheinland-Pfalz vermissen wir im Zuge der Novellierung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes spürbare Verbesserungen in der medizinischen Versorgung der Bevölkerung im ambulanten Bereich.“

Die Kritik des DRK-Rettungsdienstes geht allerdings weiter: Obwohl in der Informationskampagne zur Einführung der 116 117 darauf hingewiesen wird, dass in dringenden Notfällen die 112 gerufen werden soll, ist das DRK besorgt, weil der Patient letztlich selbst entscheiden muss, in welchem Fall die jeweilige Rufnummer zu wählen ist. Die Disponenten hinter der Rufnummer 112 wären hingegen geschult, eine sachgerechte Entscheidung zu treffen, ob das Hilfeersuchen vom Rettungsdienst oder vom Bereitschaftsdienst bearbeitet werden müsse. Zudem sorgt eine verkürzte Meldekette dafür, dass der Rettungsdienst im Notfall ohne Zeitverzögerung alarmiert werden kann.

Der DRK-Rettungsdienst Rheinhessen-Nahe favorisiert deshalb die räumliche und organisatorische Zusammenlegung von Integrierten Leitstellen und Rettungsleitstellen mit den Telefonzentralen der KV. Die gesetzlichen Voraussetzungen für eine solchen Integration wurden durch das Versorgungsstrukturgesetz bereits geschaffen.

(Foto: Peter Stehlik, CC-BY-SA)

2 Responses to “Mehr Rettungseinsätze durch ausgedünnten Notdienst”

  1. der Münchner on April 19th, 2012 14:13

    also, die bayerischen Kollegen sind bestimmt nicht traurig, dass es den ärztlichen Bereitschaftdienst mit einer eigenen Nummer gibt. Vielleicht sollte ein Vertreter des DRKs sich mal an einem Wochenende in eine der Zentralen in München oder Bayreuth reinsetzen und zuhören, welche ununterbrochene Anruferflut dort einbricht. Sicher, an und wann ist ein Notfall dabei, der umgehend an die zuständige Leistelle weitergegeben wird, der Großteil ist aber oft was für den Hausarzt. Wenn das DRK nun die Leistellen damit belasten will, gerne. Dann können die aber schon einmal anfangen das Personal massiv aufzustocken, da sonst am Abend, am WE und an Feiertagen unter 112 minutenlanges Warten angesagt ist.

  2. Benny on Mai 7th, 2012 11:21

    @ der Münchner

    …genau so ist es, das wird nicht funktionieren ohne massive Aufstockung des Personals. Aber DAS werden die Kostenträger nicht zulassen.

    Zu kritiseiren ist allenfalls die stets weiter gehende Ausdünnung der Versorgung. Da werden Bezirke fusioniert, aber besser wird es dadurch nicht.

    Zur Qualität der Leistung/Versorgung gehören auch die Belastung des Personals, die Wartezeiten bis zum Eintreffen des Arztes und die Zeit, die für die eigentliche Behandlung bleibt.

    Leider aber wird Kostensenkung mit Qualitätsverbesserung verwechselt bzw. gleichgesetzt.

    Das sind doch wirklich keine Summen, die hier bewegt werden. Angesichts von 20. Mrd. Euro Überschuss bei den Kassen, ein schlechter Witz.

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