Loveparade 2008: Laut, aber friedlich


Laut aber friedlichDortmund (rd.de) – Einen Sanitätsdienst für 1,5 Millionen Menschen zu organisieren, ist ein organisatorischer und logistischer Kraftakt. Dieses Jahr hat in Dortmund alles gut geklappt. Das Glasverbot sorgte für weniger Schnittverletzungen und der Partydrogen-Konsum ist weiter rückläufig. So konnten sich die Helfer auf Erschöpfungszustände und alkoholisierte Patienten konzentrieren.

Im Vorfeld der Loveparade machte der Streit zwischen Veranstalter und dem Deutschen Roten Kreuz Schlagzeilen. Der Veranstalter war nicht bereit, so tief für die sanitätsdienstliche Absicherung der Megaveranstaltung in die Partykasse zu greifen. Das DRK stieg aus den Verhandlungen aus, weil man für eine kommerzielle Veranstaltung nicht auf Spendenmittel zur Gegenfinanzierung des Einsatzes zurückgreifen wollte. Malteser, Johanniter und ASB mussten den Einsatz allein stemmen. Wenn man die Presseberichte zur Loveparade aber richtig versteht, standen aber dennoch Kollegen vom DRK an den Bereitstellungsräumen zur Verfügung.

1.500 Sanitätskräfte, 80 Ärzte

Insgesamt waren nach Angaben der Stadt Dortmund 280 Feuerwehrkräfte im Einsatz. Hinzu kamen für den Sanitätsdienst rund 1.500 Einsatzkräfte, darunter 80 Ärzte. An den 17 Unfallhilfsstellen und in den Bereitstellungsräumen wurden 95 Einsatzfahrzeuge vorgehalten.

Allein aus der Nachbarstadt Essen wurden von Feuerwehr, DRK, JUH, MHD und ASB 13 Fahrzeuge und 26 Einsatzkräfte entsendet. Der Ennepe-Ruhr-Kreis stellte einen Einsatzleitcontainer und 25 Führungskräfte sowie fünf Einsatzfahrzeuge zur Verfügung. Die Kräfte waren auf der Ebertstraße zusammen mit 400 weiteren Helfern stationiert. Der Kreis Soest stellte 25 Einsatzfahrzeuge und ein Krad sowie 100 Helfer von DRK, MHD und dem Rettungsdienst des Kreises Soest zur Verfügung. Die Helfer aus Soest arbeiteten zudem mit Fahrzeugen des Landes, hierunter ein Gerätewagen Sanitätsdienst und einem MANV-Abrollbehälter. Sie erhielten hierauf nicht nur eine intensive Einweisung, sondern auch Instruktionen zum Infektionsschutz von einem Mitarbeiter des Gesundheitsamtes.

1.374 Patientenversorgungen

Die Stadt Dortmund zählte im gesamten Stadtgebiet vom 19. Juli, 7 Uhr, bis zum 20. Juli, 7 Uhr, 596 Rettungsdiensteinsätze. Normalerweise werden am Wochenende im Schnitt um die 200 Einsätze abgewickelt. Angesichts eines neuen Rekords von gut 1,6 Millionen Party-wütigen Besuchern der Veranstaltung kann aber von einer zwar lauten, aber weitgehend friedlichen Veranstaltung gesprochen werden. Der Sanitätsdienst verzeichnete 1.374 Versorgungen. Während der Loveparade in Essen waren es im Vergleich noch 4.000 Versorgungen.

Das konsequent durchgesetzte Glasverbot hat sich sehr bewährt. Es gab lediglich 82 Fälle von Schnittverletzungen durch Glasscherben. Der Konsum so genannter Partydrogen ist auf der Loveparade seit Jahren rückläufig. Was bleibt, ist ein oftmals exzessiver Alkoholkonsum sowie Erschöpfungszustände, häufig auch in der Kombination mit einem zu niedrigen Blutzuckerspiegel. 375 Patienten wurden in Krankenhäuser transportiert, die ebenfalls auf einen weitaus größeren Patientenansturm vorbereitet waren.

(Bildquellen: Titelbild – Christian Arndt KFV-EN | Slideshow – Bild 1= Dirk Behrens Kreis Soest, alle weiteren Bilder Christian Arndt KFV-EN.)

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