Leistungsorientierte Bezahlung im Rettungsdienst


Heide (pm) – Leistungsorientierte Bezahlung im Öffentlichen Dienst? Bei der Rettungsdienstkooperation der Kreise in Schleswig-Holstein (RKiSH) ist das keine Zukunftsmusik mehr, sondern bereits umgesetzt. Die Extraprämien werden nach einem objektiven System zugeteilt.

Vom Gesetzgeber werden seit Jahren leistungsorientierte Gehälter für Mitarbeiter gefordert, die nach TVöD (Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes) bezahlt werden. Seitdem sind etliche öffentlich-rechtliche Arbeitgeber auf der Suche nach einem gerechten Vergütungsprinzip oder zahlen das dafür vorgesehene Geld nach dem „Gießkannen-Prinzip“ aus. „Das aber wollten wir auf keinen Fall“, erklärt Angela Hoyer, die das RKiSH-System mit entwickelt hat. „Wir wollten tatsächlich eine objektivierbare und an tatsächlicher Leistung orientierte Bezahlung.“

LOB zum Gehalt

Und so ist das LOB-System gestaltet: Für die zusätzlichen Prämien stehen dem RKiSH insgesamt etwa 130.000 Euro, das entspricht einem Prozent der gesamten Jahresentgeltsumme (Personalkosten), zur Verfügung, die in drei unterschiedlich großen Töpfen aufgeteilt sind. In Topf 1 sind Gelder für Mitarbeiter, die neben ihrer Tätigkeit als Rettungsassistent dauerhaft eine zusätzliche Funktion, zum Beispiel als Lehrrettungsassistent oder QM-Beauftragter, ausüben. Topf 3 beinhaltet Prämien für Mitarbeiter, die im betreffenden Jahr an einem speziellen Projekt teilgenommen haben; Beispiele sind die Entwicklung eines Personalauswahlverfahrens oder die Arbeit im Trainings-RTW.

Der größte Topf (II), in dem sich etwa 65 Prozent der Gelder befinden, betrifft jedoch die Auslastung der Rettungswachen. Je nach Häufigkeit der Einsätze pro Jahr werden die Wachen in die Kategorien A, B und C unterteilt. Leistungsprämien werden hier fast ausschließlich an Rettungsassistenten der A-Wachen ausgeschüttet, da diese Mitarbeiter besonders viele Einsätze im Jahr fahren. Berücksichtigt werden aber auch Rüstzeiten, Fahrtzeiten und Auslastung des Personals. Die Leistungsprämie errechnet sich nun anhand eines Schlüssels pro Einsatz. Rettungsassistenten, die in diesem Jahr also sehr viele oder sehr lange Einsätze gefahren sind, erhalten Anfang 2011 mehr Prämie als solche, die weniger ausrücken mussten. Das Grundgehalt, die verschiedenen Zuschläge für Nachtdienst und Wochenendarbeit bleiben dabei jedoch unberührt.

„Wir sehen darin ein Stück gerechte Bezahlung. Wer häufig im Dienst ist und zudem häufig Einsätze fährt, bekommt so einen finanziellen Ausgleich für den zusätzlichen Stress“, beschreibt Angela Hoyer die Philosophie hinter dem System. „Reich“ wird durch die LOB jedoch niemand. Angesichts eines durchschnittlichen Jahreseinkommens in Höhe von 27.500 Euro relativiert sich eine zusätzliche Prämie von einigen hundert Euro. Allerdings gilt sie durchaus als motivierendes Zeichen.

„Unabhängig davon“, gibt Michael Reis zu bedenken, „leisten die Rettungsassistenten einen schweren Dienst. Sie müssen zu jeder Tag- und Nachtzeit und bei jedem Wetter zum Einsatz raus. Gelegentlich sind die Patienten auch sehr schwer – da ist dann harter körperlicher Einsatz gefragt.“

(15.11.2010)

One Response to “Leistungsorientierte Bezahlung im Rettungsdienst”

  1. Herbert K on April 25th, 2013 20:58

    Hallo,
    ich frage mich wenn ich auf der Wache c bin und weniger fahre bekomme ich weniger Geld. Also beauftrage ich ein paar Kumpels die kräftig im Umkreis der Wache C Rabatz machen, dass ich mehr fahren muss. kann nicht der Weg sein. Solltet ihr sorgsam überprüfen. Funktionsträger können ebenfalls nicht aus diesem Topf bedient werden. Jedem Mitarbeiter muss die Möglichkeit gegeben werden den Höchstsatz der LOB zu erreichen. Fahren also alle auf Wache A.! Wache B und C werden von Kobolden besetzt. Tolle Sache. Nehmen wir doch eine Waage mit. Kilobezahlung. Leute das ist nicht LOB konform.
    Gruß Herbert

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