Glasgow Coma Scale: Bei 7 musst Du Tubus schieben…!


Bremen (rd_de) – Der Glasgow Coma Scale (GCS; auch „Score“ oder „Skala“ genannt) ist eine im Rettungsdienst oft angewandte Möglichkeit, um den Bewusstseinszustand eines Patienten zu bestimmen. Ursprünglich wurde der Glasgow Coma Scale für die Bewertung eines Schädel-Hirn-Traumas entwickelt, heute wird die Skala auch für andere Notfallsituationen genutzt.

Um das Bewusstsein bzw. die Hirnfunktionen eines Verletzten bewerten zu können, wird der Patient vom Rettungsteam anhand dreier Kategorien überprüft:

1. Augenöffnen, zum Beispiel nach Ansprach oder Schmerzreiz,
2. verbale Reaktion, in der Regel durch Ansprache,
3. motorische Reaktion, entweder nach Aufforderung eine Extremität bewegen oder durch Schmerzreiz.

„Notfall kompakt“ nennt sich eine beliebte und erfolgreiche Serie im Rettungs-Magazin. In ihr werden alle klassischen Notfälle vorgestellt, mit denen sich Rettungskräfte im Einsatz konfrontiert sehen. Die Serie steht auch in elektronischer Version zur Verfügung. So lässt sich „Notfall kompakt“ als preiswertes Nachschlagewerk zum Beispiel auch auf dem Smartphone lesen.

Anhand des Glasgow Coma Scale werden die Punkte je nach Reaktion wie folgt vergeben:

Augen öffnen
spontan – 4 Punkte
auf Aufforderung – 3 Punkte
auf Schmerzreiz – 2 Punkte
keine Reaktion – 1 Punkt

beste verbale Reaktion
konversationsfähig orientiert – 5 Punkte
konversationsfähig desorientiert – 4 Punkte
inadäquate Äußerungen – 3 Punkte
unverständliche Laute – 2 Punkte
keine Reaktion – 1 Punkt

beste motorische Reaktion
folgt Aufforderung – 6 Punkte
gezielte Abwehr – 5 Punkte
ungezielte Abwehr – 4 Punkte
Beugesynergismen – 3 Punkte
Strecksynergismen – 2 Punkte
keine Reaktion – 1 Punkt

Die Maximalpunktzahl beträgt 15 Punkte und entspricht einem bewusstseinsklaren Notfallpatienten. Erfolgt hingegen in keiner der drei Kategorien eine Reaktion, wird der Zustand des Patienten mit drei Punkten klassifiziert. Im letzteren Fall liegt eine schwere Bewusstseinsstörung vor.

Daraus ergeben sich für das Rettungsteam folgende Handlungsempfehlungen:

15 – 13 Punkte: keine Bewusstseinsstörung; evtl. leichtes Schädel-Hirn-Trauma; keine Maßnahmen zur Atemwegsicherung erforderlich
12 – 9 Punkte: leichte bis mittelschwere Bewusstseinsstörungen; mittelschweres Schädel-Hirn-Trauma; Monitoring und Intubationsbereitschaft
8 – 3 Punkte: komatös; schweres Schädel-Hirn-Trauma; Intubation

In vielen Quellen werden weniger als 8 Punkte als Indikation für eine Intubation empfohlen. Auf doccheck.de findet sich hierzu die Merkhilfe: „Bei 8 wird noch gelacht, bei 7 musst du Tubus schieben!“

Auch wenn der Glasgow Coma Scale ein sehr hilfreiches Mittel ist, um den neurologischen Zustand eines Patienten zum Beispiel im Rahmen einer Untersuchung nach dem ABCDE-Schema zu überprüfen (Punkt D, „Disability“), darf das Ergebnis des Glasgow Coma Scale nicht zu unüberlegten Maßnahmen verleiten: intubierte Patienten werden im Rahmen einer Reevaluation beispielsweise während des Transports unter „verbale Reaktion“ kaum mehr als 1 Punkt erhalten; für Kinder ist der spezielle Pediatric Glasgow Coma Scale (siehe unten) anzuwenden; Faktoren wie Schock oder Hypoxie können die Tiefe eines Komas ähnlich wie ein Schädel-Hirn-Trauma beeinflussen, und die ermittelte Gesamtpunktzahl bei pflegebedürftigen, desorientierten Menschen wird keine verlässliche Aussage über deren tatsächlichen Bewusstseinszustand erlauben.

Pediatric Glasgow Coma Scale

Augen öffnen
spontan – 4 Punkte
auf Schreien – 3 Punkte
auf Schmerzreiz – 2 Punkte
keine Reaktion – 1 Punkt

beste verbale Reaktion
Plappern, Brabbeln – 5 Punkte
Schreien, tröstbar – 4 Punkte
Schreien, untröstbar – 3 Punkte
Stöhnen, unverständliche Laute – 2 Punkte
keine verbale Reaktion – 1 Punkt

beste motorische Reaktion
spontane Bewegungen – 6 Punkte
auf Schmerzreiz, gezielt – 5 Punkte
auf Schmerzreiz, normale Beugeabwehr – 4 Punkte
auf Schmerzreiz, abnorme Abwehr – 3 Punkte
auf Schmerzreiz, Strecksynergismen – 2 Punkte
keine Reaktion – 1 Punkt

(Text: Lars Schmitz-Eggen, Rettungsassistent, Chefredakteur Rettungs-Magazin; Symbolfoto: Markus Brändli; 18.05.2017)

Möchten Sie einen Kommentar schreiben?