Explosion am Moskauer Flughafen: Helfer kamen mit der U-Bahn


RTW in Moskau (Foto: Norbert Ziegeler)Moskau (rd.de) – Die Bombenexplosion auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo am Montag um 16.32 Uhr forderte bislang 35 Tote und 170 Verletzte. Die Einsatzleitung schickte nach Bekanntwerden der Explosion im internationalen Ankunftsbereich zahlreiche Einsatzkräfte und Rettungsfahrzeuge zum Flughafen. In Rundfunkdurchsagen wurde die Bevölkerung zu Blutspenden aufgerufen.

Die ersten Notrufmeldungen ließen das Ausmaß der Katastrophe noch nicht erahnen. Doch schnell erkannte die zentrale Rettungsleitstelle, dass es sich um ein Großschadensereignis handeln würde. In der ersten Welle alarmierte der Moskauer Rettungsdienst 20 Ambulanzen und beorderte weitere zehn Fahrzeuge in einen Bereitstellungsraum. Die Verletzten wurden in 20 Krankenhäuser und medizinische Versorgungseinrichtungen transportiert.

Unter den 170 Verletzten befand sich auch eine Deutsche. Sie wurde ins Klinische Krankenhaus No. 31 gebracht. Die Bevölkerung wurde in Radiodurchsagen zu Blutspenden aufgerufen.

Das internationale Terminal am Domodedowo-Flughafen Moskau vor dem Anschlag. (Foto: A. Sain , GNU)

Das internationale Terminal am Domodedowo-Flughafen Moskau vor dem Anschlag. (Foto: A. Sain , GNU)

Im Terminal sollen sich nach der Detonation unbeschreibliche Szenen abgespielt haben. Die Neue Zürcher Zeitung zitiert einen Augenzeugen mit den Worten: „Hier laufen Menschen mit Verbrennungen herum und Leichenteile liegen auf Bahren.“ Ein anderer Zeuge berichtete gegenüber dem Sender Rossija 24 von schreienden Menschen und herunterfallenden Plastikpaneelen.

Inzwischen ist klar, dass es sich um einen Selbstmordanschlag eines Attentäters gehandelt haben muss. Die Bombe wurde nach bisherigen Erkenntnissen in der Nähe der Gepäckausgabe gezündet.

Die eiligen Meldungen, man habe den mutmaßlichen Attentäter, einen Mann arabischer Herkunft, identifiziert, mussten am Abend von offizieller Seite zurückgenommen werden.

Die Rettung steht im Stau

Rettungsfahrzeuge auf dem Weg zum Flughafen (Quelle: Youtube)

Rettungsfahrzeuge auf dem Weg zum Flughafen (Quelle: Youtube)

Mit Handykameras filmten Flughafengäste im verrauchten Terminal, stolperten geschockt über leblose Körper und veröffentlichten die Videos bei YouTube. Nach dem Anschlag berichtet Alexej Tschernitschenko, Korrespondent der Stimme Russlands, von einem Stau aus Rettungsfahrzeugen an der Zufahrt zum Flughafen: „Es kommen immer mehr Fahrzeuge, obwohl der ganze Platz vor dem Flughafengebäude schon voll ist. Hier sind dutzende Rettungswagen eingetroffen, Fahrzeuge der Katastrophenmedizin, der Städtischen Dienste und der Feuerwehr.“

Weiterhin beobachtet Tschernitschenko, wie die S-Bahn – der „Aero-Express“ – unentwegt weitere Menschen zum Flughafen transportierte: Journalisten mit  Fotoapparaten und Kameras, Geistliche als Notfallseelsorger: „Es kommen auch Mönche, Vertreter der Russischen Orthodoxen Kirche. Wie sich herausstellt“, so der Radiokorrespondent weiter, „verfügt die Kirche über einen speziellen operativen Einsatzdienst. Er steht im Kontakt mit dem Ministerium für Katastrophenschutz. Die Vertreter der Kirche  eilen zu den Verletzten, um ihnen Hilfe zu erweisen. Ihnen folgt ein Geistlicher, wahrscheinlich, um die Beichte entgegenzunehmen.“

Blick in die Moskauer Rettungsleitstelle (Foto: rescue.ru)

Blick in die Moskauer Rettungsleitstelle (Foto: rescue.ru)

Das russische Ministerium für Katastrophenschutz bestätigt auf seiner Webseite, dass insgesamt elf Notfallpsychologen zur Einsatzstelle geschickt worden sind. 16 weitere Psychologen wurden in Bereitschaft gehalten.

Weitere Augenzeugen filmen aus einem nicht betroffenen Flughafengebäude in ein Meer von Blaulichtern, die aus allen Richtungen zum Flughafen eilen. Es scheint sich noch um die unvermeidliche Chaosphase des Einsatzes zu handeln. Dafür spricht auch, dass die TV-Kameras vom Start weg Bilder liefern, die letztlich Leichtverletzte zeigen, die auf Fahrtragen eilig zu den Rettungsfahrzeugen gebracht werden.

Die offizielle Einsatzkräftestatistik spricht von 40 eingesetzten Rettungsfahrzeugen sowie insgesamt 167 Rettungskräften, die an der Bewältigung der Anschlagsfolgen am Flughafen Domodedowo mitgewirkt haben.

3 Responses to “Explosion am Moskauer Flughafen: Helfer kamen mit der U-Bahn”

  1. auanichhaun on Januar 25th, 2011 18:56

    Wer auch immer den Titel zum Artikel verfasst hat, hat gründlich daneben gegriffen. Ziemlich platt und irreführend. Klingt, als ob der gesamte Rettungsdienst mit der U-Bahn angerückt ist…

  2. ASBRettSan on Januar 26th, 2011 20:27

    Ja. Ich habe auch die Stirn gerunzelt. Und dann kam das Kopfkino 😀

  3. Norbert Ziegeler on Januar 27th, 2011 15:16

    So daneben gegriffen ist der Titel mit der U Bahn gar nicht, da ich die Moskauer Lokalitæten von anderen Einsætzen kenne. Sicher sind die Helfer nicht alle mit der U-Bahn gekommen, jedoch ist denkbar dass Helfer fuer Supply logistik und Krisenpsychologie die U-Bahn benutzten, da die permanenten Staus auf Moskaus Strassen eine eigene Herausforderung sind, die man hautnah erlebt haben sollte
    um sich ein Urteil bilden zu kønnen.

    Wenn es ich von meiner Wohnung z.B. schnell zum Osloer Flughafen (ca 50 km) raus muesste
    wuerde ich den Airport Express Train benutzen Geschwindigkeit: ca 200 km/h und wære somit jedem Blaulichtfahrzeug deutlich ueberlegen. Dass man sich dann bei dem Einsatzleiter vor Ort zu meldet, wære dann ganz natuerlich.

    Ich glaube man sollte die Artikel- Headline auch unter diesem Aspekt sehen.

    Norbert Ziegeler
    flightnurse

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